Villacher Westbahnhof ist eine Ruine
Der Westbahnhof zeigt deutliche Verfallserscheinungen. Die ÖBB wollen das Gelände nun wenigstens besser absichern und suchenverzweifelt einen Käufer.

Foto © Kleine Zeitung/Helmuth Weichselbraun
Vor einer Ruine räkelt sich ein nackter Frauenkörper, auf verrotteten Gleisen posiert ein Model in Designermode, ein Maskenmann in Lederkluft bezwingt einen Berg aus Bauschutt: Das Areal rund um den Villacher Westbahnhof (besser gesagt: rund um das, was vom ehemaligen Westbahnhof übrig ist) wird in der österreichischen Fotografenszene mittlerweile als Geheimtipp gehandelt. So zerstört ist sonst nur ein Kriegsgebiet. Und im Unterschied zu echten Schlachtfeldern kann man hier ganz bequem mitten in einer sonst schönen Stadt "shooten", wie man die Arbeit an solchen Fotoaufnahmen nennt. Die Bilder, die im Villacher Industrie-Slum entstehen, haben es schon in einige renommierte Zeitschriften geschafft.
Lebensgefahr
Bei den ÖBB genießt man den Ruhm nicht. Im Gegenteil. "Das ist noch immer eine Bahnanlagen", tobt Unternehmenssprecher Christoph Posch. "Das Betreten des Geländes ist streng verboten. Zum Teil sind dort nach wie vor Züge unterwegs, für Unbefugte herrscht Lebensgefahr." Weil sich auf dem Areal aber trotzdem immer mehr Fotografen, Schaulustige und sonstige Schlachtenbummler tummeln, zieht das Unternehmen jetzt die Notbremse. Man hat dieser Tage damit begonnen die eingestürzten Begrenzungsmauern und Zäune zu flicken. Das mehrere Hektar große Gelände ist ein Dauer-Sorgenkind der ÖBB. Seit der Eröffnung des Großverschiebebahnhofes Villach-Süd in Fürnitz 1989 wird die Anlage nicht mehr gebraucht, man will sie verkaufen. Bislang hat sich aber noch kein Abnehmer gefunden. "In Zeiten wie diesen gibt es kaum Interessenten für Grundstücke in dieser Größe", sagt Posch. Unattraktiv macht das Areal aber wohl vor allem die Widmung als Bahnanlage. Was soll ein Investor mit einem Platz in der Stadt, wenn er dort nichts bauen darf?
Modern und noch in Betrieb ist weit und breit nur die neue kleine Haltestelle für den Personenverkehr, die von den ÖBB vor wenigen Jahren errichtet worden ist. Der historische Bahnhof steht leer und ist versperrt. Auch dafür wünschen sich die ÖBB einen Käufer, der aber leider ebenfalls schwer zu finden ist. Zu den von Posch beschworenen "Zeiten wie diesen" kommt der Umstand, dass das Gebäude unter Denkmalschutz steht...
Features
Info
Der Westbahnhof war Teil der Ende des 19. Jahrhunderts errichteten Kronprinz Rudolf-Bahn zwischen Amstetten und Tarvis. Er wurde als "Staatsbahnhof Villach" 1873 eröffnet. Ab 1909 bestand eine Verbindung zum heutigen Hauptbahnhof, der damals an der Strecke zwischen Marburg im heutigen Slowenien und Franzensfeste im heutigen Südtirol lag.












