Nach haarigem Streit: Schüler wieder im Unterricht
Schüler der Tourismusschule wurde wegen "gewagter" Frisur verwarnt. Nach Einigung mit Direktor geht der Bursche ab Mittwoch wieder zur Schule.

Foto © ZoreDiese Frisur sorgte für Diskussionen
Friseurbesuch mit Folgen für einen Schüler der Kärntner Tourismusschulen (KTS) in Villach Warmbad: Als der 16-jährige Marcel Wassertheurer aus Tröpolach im Gailtal am Montag mit kurz geschorenen Schläfen und Hinterkopf, oben "gekrönt" von etwas längerem, in die Höhe stehendem Haupthaar, in der Tourismusschule erschien, stellte ihn Direktor Gerfried Pirker zur Rede. Dieser Haarschnitt passe nicht zur Hausordnung der Schule, übte der Direktor Kritik an der irokesenartigen Haartracht. Als sofortige Maßnahme stellte Pirker den 16-Jährigen vorübergehend vom Unterricht frei: "Damit er einmal nachdenkt über die Einhaltung unserer Richtlinien."
Diese Maßnahme schlug hohe Wellen. Der Vater des Schülers - ein Hotelier aus Tröpolach - ging an die Öffentlichkeit. Plötzlich wurde aus der vorübergehenden Freistellung eine "Suspendierung vom Unterricht" und ein "Rauswurf" des Schülers. Im Laufe des Tages bekam die Geschichte eine derartige Eigendynamik, dass die Schuldirektion mit Medienanfragen bombardiert wurde - und das mitten in der Prüfungszeit mit zahlreichen Veranstaltungen. Von "Suspendierung" oder "Rauswurf" sei aber nie die Rede gewesen, betont Pirker.
"Ich habe diesen Haarschnitt kritisiert, weil er nicht mit dem vereinbar ist, was wir als Kurzhaarschnitt fordern: die Haare hinten mit einer Länge bis zum Hemdkragen, vorne die Ohren frei", sagt Pirker. In der Hausordnung der Schule sei festgeschrieben, dass Schüler einen klassischen Kurzhaarschnitt zu tragen hätten, passend zur eleganten Schuluniform. "Wir fordern konsequent die Einhaltung der Hausordnung ein", erklärt Pirker. "Das ist Teil unserer Erziehung: Als Vorbereitung auf das Berufsleben in der gehobenen Gastronomie und Hotellerie, wo klare Richtlinien betreffend Frisur und Bekleidung herrschen."
Bei einer Besprechung am Abend mit Schüler, Vater, Landesschulinspektorin Renate Kanovsky-Wintermann und Direktor kam es zur Einigung. "In der Hausordnung ist der Kurzhaarschnitt nicht genauer definiert. Wir sind übereingekommen, dass Marcel den Haarschnitt, der Direktor die Interpretation etwas übertrieben hat", sagt Pirker. Marcel, der die Haare nachwachsen lassen wird, darf heute wieder zur Schule.
Das sagen andere Verantwortliche
"Ohne Spaghettiträger"
Marisa Krenn-Wache, Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik: "Ich orte bei Jugendlichen oft ein fehlendes Bewusstsein für das Erscheinungsbild. So ist es zum Beispiel notwendig, vor der Matura darauf hinzuweisen, dass Spaghettiträger bei einer offiziellen Abschlussprüfung absolut unpassend sind."
"Gespräch wurde gesucht"
Rudolf Altersberger, Vizepräsident des Landesschulrates: "Die Villacher Tourismusschule ist eine der renommiertesten Einrichtungen. Die Schüler dort kennen die Vorschriften. Im aktuellen Fall hatte der Direktor vor der Suspendierung versucht, den Schüler zu einer anderen Frisur zu überreden. Das scheiterte."
"Küche ist Piercing-Frei"
Jutta Rom, Centrum Humanberuf-licher Schulen, Villach: "Schüler, die etwa in der Küche arbeiten, müssen aus Hygiene-Gründen die Piercings heraustun. Darauf bestehen wir. Das ist beruflich nötig und erklärbar. Ansonsten haben wir im Prinzip keinen Dresscode und auch kaum Probleme diesbezüglich."
Regeln sind Einzuhalten
Max Winkler, HTBLVA Ferlach: "Jeder, der an der KTS zur Schule geht, weiß was auf ihn zukommt. Diese Regeln sind einzuhalten. Bei uns ist die Haarlänge kein Thema, die Schüler dürfen aber kein Kapperl im Unterricht tragen. Zudem ist nur ein sichtbares Piercing erlaubt. Schulbekleidung sehe ich positiv, auch im Berufsleben ist Corporate Identity gefragt."
Teil der Persönlichkeit
Gertrud Kalles-Walter, Landesverband der Elternvereine: "Vorschriften zur Frisur sind nicht zeitgemäß. Haarschnitt- und farbe gehören zur persönlichen Entwicklung der Jugendlichen und sind Teil der Persönlichkeit. Ich wüsste nicht, was an der Frisur so schlimm sein soll. Bekleidungsregeln gibt es an vielen Schulen, Beschwerden sind selten."












