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Zuletzt aktualisiert: 05.05.2012 um 21:57 UhrKommentare

"Wir müssen für die Zeit nach Ecclestone planen"

Peter Brabeck-Letmathe (67), Manager von Weltruf aus Villach, wird Vorstand der Formel-1-AG. Gegen den Sport als Instrument der Politik wehrt er sich vehement.

Eine neue starke Hand am Steuer der Formel 1: Peter Brabeck-Letmathe

Foto © ReutersEine neue starke Hand am Steuer der Formel 1: Peter Brabeck-Letmathe

Was ist wirklich dran, dass Sie bei einem Börsengang der Formel 1 neuer Vorsitzender der AG werden sollen?

PETER BRABECK: Wir haben die Absicht, die Formel 1 im Juli in Singapur an die Börse zu bringen. Das stimmt. Und es stimmt, dass ich mich bereit erklärt habe, den Vorsitz des Aufsichtsrates in einer nicht exekutiven Funktion zu übernehmen. Wenn wir in der Formel 1 zu einer öffentlichen Firma werden wollen, dann ist es wichtig, dass ein Unabhängiger der Vorsitzende ist.

Das heißt, die Weichen für das Zeitalter nach Bernie Ecclestone, der ja bereits 81 Jahre alt ist, werden gestellt?

BRABECK: Wir hoffen natürlich, dass Bernie noch lange gesund bleibt und weiter arbeiten kann. Von seiner Leistung bin ich ohnehin beeindruckt. Aber es ist natürlich die Aufgabe eines Aufsichtsrates, die Nachfolge eines Unternehmens sicherzustellen. Bei Nestlé habe ich es immer so gehandhabt, dass jeder aus dem Executive Board innerhalb von 24 Stunden ersetzt werden kann. Das muss auch hier so sein, wenn wir mit der Formel 1 durch den Börsengang eine öffentliche Firma sind. Wir müssen uns daher auch überlegen, wie man Bernie Ecclestone ersetzen kann.

Sie sind ja bereits an entscheidender Stelle in der Formel 1 eingebunden (Anm., Vorstand der Holding "Delta Topco"). War es trotz der politischen Unruhen richtig, in Bahrain zu fahren?

BRABECK: Ich persönlich glaube, dass es richtig war. Das Rennen wurde ja von der Opposition in Bahrain instrumentalisiert und nicht umgekehrt. Das wurde in den Medien nicht richtig interpretiert. Man hat nämlich geglaubt, dass die Politik instrumentalisiert worden ist.

Die Unruhen in der Ukraine im Vorfeld der Fußball-EM wären für Sie ein ähnliches Beispiel?

BRABECK: Wenn Gruppen Sport-events für ihre Interessen instrumentalisieren möchten, dann ist es das Schlechteste, was man machen kann, nachzugeben. Denn Sie laden damit jede Gruppierung ein, eine Veranstaltung für sich zu nutzen.

Umgekehrt müsste man verlangen, dass man in Ländern mit politischen Unruhen keine Sportveranstaltungen mehr durchführt?

BRABECK: In welchen Ländern gibt es keine Unruhen? Ein Beispiel: Vor einem Jahr hat es in London Krawalle gegeben. Sollte man jetzt die Olympischen Spiele absagen? Noch schlimmer: Denken Sie an München zurück. Sollte man nach den Terrorakten 1972 nie mehr Spiele durchführen? Ich bin der Meinung, dass man da nicht nachgeben darf.

Das Sportsponsoring hat in den vergangenen Jahren einen Boom erlebt. War eine Entwicklung, wie sie zum Beispiel Red Bull vorgelebt hat, richtungsweisend?

BRABECK: Sportsponsoring ist eine gute Möglichkeit, um eine Marke zu positionieren. Red Bull ist nur so erfolgreich geworden, weil sie erfolgreich Sportsponsoring betrieben haben. Sie waren dabei vollkommen im Einklang mit ihrem Produkt.

Plant Nestlé auch, vermehrt ins Sportsponsoring einzusteigen?

BRABECK: Die einzelnen Departments machen bereits sehr viel. Mit dem Energiegetränk Milo machen wir beispielsweise in Asien viel für junge Sportler, auch das malaysische Olympia-Team unterstützen wir auf diese Weise. Aber derzeit haben wir keine Sportsponsoring-Aktivitäten auf globaler Ebene. Sie werden uns nicht bei einem Weltcup oder bei Weltmeisterschaften sehen. Bei uns ist Sponsoring ein kommerzieller Einsatz und kein Mäzenatentum. Wir schauen immer darauf, dass wir auch Geld zurückbekommen.

Der Vergleich des Top-Managers mit dem Hochleistungssportler liegt immer nahe. Ausdauer, Intuition und schnelles Reagieren auf Situationen ist gefragt. Stimmen Sie dem zu?

BRABECK: Ich habe bei diesen Vergleichen eher meine Schwierigkeiten. Beim Sportler geht es um individuelle Leistung, um sein hoch spezialisiertes Können und das Hintrainieren auf etwas ganz Spezifisches. Ein erfolgreicher Unternehmer braucht Führungsqualitäten. Er muss aus dem Team das Beste herausholen, seine eigene Leistungskapazität ist nicht so wichtig. Ich würde den Top-Manager eher mit dem Fußball-Trainer vergleichen.

In Ihrer Biografie warnen Sie, auf dem Weg nach oben keine Etappe zu überspringen. Ist nicht auch das eine Parallele zum Sport?

BRABECK: Will man langfristig oben sein, muss man langsam hinaufsteigen. Und es ist dabei wichtig, nicht die ganzen Kapazitäten auszunützen. Die braucht man nämlich, wenn man oben ist.

Im Sport macht man oft Grenzerfahrungen. Sie haben eine solche vor 45 Jahren gemacht, als zwei Ihrer Freunde auf dem pakistanischen Berg Tirich-Mir bei einer gemeinsamen Tour ums Leben kamen. Welche Auswirkungen hat das auf Ihr Leben gehabt?

BRABECK: Grenzerfahrungen hinterlassen ein ganzes Leben lang Eindrücke. Sie beeinflussen Ihr Leben, Ihre Denkweise, die Gestaltung Ihres Lebens. Diese Grenzerfahrungen waren aber nicht für meine berufliche Karriere ausschlaggebend.

Hat das Wort "Schicksal" für Sie eine andere Bedeutung?

BRABECK: Ich möchte optimistischer bleiben. Ich würde sagen, Glück spielt eine große Rolle im Leben. Napoleon hat schon gesagt: "Ich suche mir die Generäle aus, die Glück haben." Viele Menschen erkennen nicht den Moment, in denen ihnen das Glück lacht. Sie nehmen es nicht an und zweifeln. Dann ist der Moment vorbei und das Glück weg.


Peter Brabeck-Letmathe

  • Geboren: 13. November 1944 in Villach
  • Karriere: Wirtschaftsstudium an der Universität Wien. Ab 1968 bei Nestlé Österreich Spezialist für neue Produkte. Von 1997 bis 2008 CEO von Nestlé (Hauptquartier in Vevey in der Schweiz - damals Jahresumsatz 75 Milliarden Euro, 275.000 Mitarbeiter weltweit). Seit 2005 ist Brabeck Präsident des Nestlé-Verwaltungsrats
  • Formel 1: Brabeck ist u. a. seit 2010 Vorstand der Formel-1-Holding "Delta Topco", mit 63,3 Prozent im Mehrheitsbesitz der Investmentfirma CVC Partners

Fakten

Das Interview führte Richard Oberndorfer (49), Sportchef der "Salzburger Nachrichten".

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