Kern: "Nach Wien schneller als mit dem Auto"
Die Koralmbahn ist auf Schiene. Aber wie kommt Kärntens Zentralraum zum Zug? ÖBB-Chef Christian Kern im Kleine Zeitung-Interview über die Südbahn und die heikle Strecke Klagenfurt-Villach.

Foto © ScheriauÖBB-Chef Christian Kern
Der Bau der Koralmbahn schreitet voran. Wie wird die Südbahn sonst entwickelt und in weiterer Zukunft zwischen Klagenfurt und Villach geführt?
CHRISTIAN KERN: Es ist unsere Intention, die Südachse zu stärken. Da ist in den vergangenen Jahrzehnten zu wenig passiert. Wir verfolgen dafür mehrere Initiativen. Die erste ist, dass wir versuchen, attraktives Rollmaterial in den Süden zu bekommen. Deshalb fahren wir mit dem Railjet jetzt auch bis Villach und bis Graz. Das wollen wir ausweiten.
Was konkret ist heuer geplant?
KERN: Bis Juni werden es täglich sechs bis sieben Railjets sein, die von Wien bis Villach und Graz fahren. Jeder zweite Zug wird dann ein Railjet sein. Das ist eine völlig neue Form des Reisens. Das Zweite ist, dass wir entlang der Südbahn massiv in attraktive Bahnhöfe investieren.
Wie sieht hier Ihr Um- und Ausbauprogramm aus?
KERN: Wir bauen in ganz Österreich bis zu hundert Bahnhöfe aus, mit einem besonderen Akzent auf die Südbahn, unter anderem bei den Bahnhöfen Bruck an der Mur und Spittal am Millstättersee. Das Dritte ist das große Infrastrukturthema.
Eine schnelle Südbahn.
KERN: Das Ziel ist, dass man ab 2024, wenn Koralmtunnel und Semmeringtunnel stehen sowie die Pottendorfer Linie ausgebaut ist, in 2.45 Stunden von Klagenfurt nach Wien fährt. Eine Zeit, die mit dem Auto ohne Strafmandat oder Führerscheinentzug nicht zu schaffen ist. Ich weiß das, weil ich selbst oft hier bin.
Dieser Aufholbedarf der Südbahn ist eminent. Ihr Nachdruck?
KERN: Wir betreiben es aus Überzeugung. An der Südstrecke wohnen gleich viele Menschen wie entlang der Weststrecke. Wien-Klagenfurt hat dasselbe Potenzial wie Wien-Salzburg, wir haben hier aber nur ein Viertel der Fahrgäste. Wir investieren jetzt stark.
Wann wird Ihnen Hans-Peter Haselsteiner auch auf der Südbahn private Konkurrenz machen?
KERN: Da mache ich mir keine Sorgen, der betreibt Cherry-Picking und sucht sich nur die profitablen Strecken heraus.
Ist es nicht absurd, dass man von Villach nach Udine statt per Bahn mit dem Bus fährt?
KERN: Das liegt stark an den italienischen Freunden, die große Schwierigkeiten machen. Die Busse werden jedoch enorm angenommen und haben 80 Prozent Auslastung. Wir sind selbst über den Erfolg überrascht.
Nun zur hochsensiblen Strecke Klagenfurt-Villach. Für die haben die ÖBB 2009 die Planungen eingestellt. Das ist doch kein Zustand!
KERN: Ich bin kein Freund von Versprechungen. Bei der Diskussion um die Schuldenbremse kommen Vorschläge von der ÖVP, den Bahninfrastrukturausbau deutlich zu reduzieren. Da muss man realistisch sagen: Noch mehr Geld als bisher wird es die nächsten fünf, sechs Jahre nicht geben. Wir reden eher davon, wo es weniger wird und selbst bei bestehenden Projekten geht es darum, was wir behalten und wo wir reduzieren. Die Südstrecke muss im Ausbauplan bleiben.
Bei einer vom Wörthersee hinter die Autobahn verlegten Bahnstrecke ginge es ja um Spatenstiche 2020 bis 2025. Das würde aber Planung schon ab jetzt erfordern.
KERN: Das ist richtig, ich will aber keine Erwartungshaltung wecken, wo alles von Sparen redet.
Ein baltisch-adriatischer Güterkorridor wird für den Tourismusraum und die Städte Klagenfurt und Villach sehr empfindlich.
KERN: Logistisch passiert jetzt sehr viel und macht Sinn, weil die Adria-Häfen ambitionierte Pläne haben. Die Routen aus China kommen um eine Woche schneller als über die Nord- und Ostseehäfen. Wir würden gerne die nächsten Schritte für den Kärntner Zentraltraum planen, haben aber einfach die Mittel nicht dazu. Es ist ein Projekt, das sicher in einer nächsten Phase Priorität hat. Aber in absehbarer Zeit wird nichts passieren können. Eine Planung soll an kleinen Beträgen nicht scheitern. Aber dafür brauchen wir Unterstützung der Landesregierung beim Bund in Wien.










