Barrierefreiheit mit Hindernissen
Das Behinderten-WC der Stadt ist für Beeinträchtigte nur schwer zugänglich. Seitens der Stadt ist man um eine Verbesserung bemüht.

Foto © KünsterGertraude Daxböck zeigt die Schwierigkeit des Türöffnens beim Behinderten-WC auf dem Rathausplatz
Schlagwörter wie "Barrierefreiheit" und "behindertengerecht" sind heutzutage politisch korrekt in aller Munde. Die Realität sieht aber in vielen Fällen nach wie vor anders aus, wie Gertraude Daxböck, 81 Jahre alt und flotte E-Roller-Fahrerin, feststellen musste. Sie machte die Kleine Zeitung auf Missstände in Villach aufmerksam: "Das Behinderten-WC am Rathausplatz ist für Leute mit E-Roller sehr schwer zu benutzen", so Daxböck, die ihr Gefährt braucht, da sie nur für kurze Zeit auf den Beinen stehen kann. "Wenn ich das WC benutzen möchte, muss ich aus meinem Roller steigen, da ich sonst die schwere Tür nicht aufbekomme", erklärt sie die Lage. "Ich muss also mein Wagerl und die darin verwahrten Einkäufe vor der Tür stehen lassen." Sie habe Angst, dass ihr dann etwas aus dem Wagen entwendet werden könnte.
Mit ihrer Beschwerde steht Daxböck allerdings nicht alleine da, wie eine Anfrage beim Österreichischen Zivilinvalidenverband (ÖZIV) ergibt: "Über speziell dieses WC am Rathausplatz haben sich bei uns schon einige Leute beschwert", so Rudolf Kravanja, Bezirksobmann des ÖZIV. Auf die Nachfrage der Kleinen Zeitung hin verspricht Baureferent Vizebürgermeister Richard Pfeiler Besserung: "Wir haben vorerst den Schließer ausgehängt, die Türe sollte jetzt leichter aufzumachen sein." Auf lange Sicht sei eine Schwingtür im Gespräch. "Die Machbarkeit muss allerdings noch überprüft werden", bittet Pfeiler um Geduld.
Gesetzliche Hürde
Eine zweite schwer zugängliche Stelle ortet Gertraude Daxböck beim neuen GKK-Gebäude in der Zeidler-von-Görz-Straße. "Am Eingang gibt es zwar Schiebetüren, im Gebäude selbst muss man allerdings durch eine schwere Tür, die nur nach außen hin aufgeht." Man sei in einem Rollstuhl oder einem Roller darauf angewiesen, dass einem jemand helfe.
Bei der GKK ist man sich des Problems bewusst, man könne an der Situation allerdings nicht viel ändern. "Die besagten Brandschutztüren im Eingangsbereich müssen laut Gesetz so aufgehen, da es sich um einen Fluchtweg handelt", heißt es. Man werde jedoch die Mitarbeiter anweisen, ein Auge auf die Türen zu halten und bittet um Verständnis für die nicht gerade optimale Situation.
Features
ÖZIV
Geschichte. Der Österreichische Zivilinvalidenverband (ÖZIV) existiert seit 1948. Die erste Landesorganisation gab es in Oberösterreich.
Grundsätze. Diese bestehen aus der "Hilfe zur Selbsthilfe" und der "Hilfe durch selbst Betroffene". Ziel ist eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für Beeinträchtigte im Land.











