Klischee-Abbau mit "Kick"
Seit Kurzem trainiert der Fußballclub Tschetschenien-Villach am Wasenboden. Wie in Klagenfurt soll dieser Verein auch hier helfen, die Vorurteile gegen die kaukasische Nation abzubauen.
Misstrauen schwelt nach wie vor zwischen Einheimischen und Tschetschenen. Meldungen von Schlägereien, Erpressungen oder Kriminellen aus dem Kaukasus machen die Runde - ein Lokalaugenschein am Wasenboden. Hier trainieren die Mitglieder des jüngst gegründeten FC Tschetschenien-Villach.
Chamsat Amaev steht auch dort: Füße in Flipflops, Sonnenbrille, umgedrehte Kappe auf dem Kopf. Trotz legerer Kleidung strahlt er jene Autorität aus, die ihn zum Sprecher der Tschetschenen gemacht hat. In seiner Heimat war er Pharmazeut, hier betreibt er eine kleine Autohandelsfirma. Mit dem Fußball will er jungen Burschen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung bieten. "Wir hoffen, dass über den Sport positiver Kontakt zu Villacher Jugendlichen entsteht", sagt er.
Integration im Kleinen
Siegfried Stupnik vom Flüchtlingshilfsverein Aspis trainiert mit. "In Klagenfurt hat intensive Jugendarbeit dazu geführt, dass es keine Probleme mehr gibt." Für Villach hat er dasselbe Ziel. "Es wird ruhiger werden, je mehr Aggressionen abgebaut werden", ist Stupnik optimistisch.
Stürmer Husein Batschagaev (18) unterbricht sein Training: "Ich will beweisen, dass Tschetschenen Sportsgeist haben", meint er. Er werde oft blöd angeredet - erst kürzlich habe er in einem Bus in seiner Muttersprache geredet. Da habe ihn jemand angebrüllt: "Red' Deutsch, wenn du da bist!" Batschagaev zuckt mit den Schultern: "Nur ich spreche noch nicht gut Deutsch." Ein schlaksiger afrikanischer Teenager schlendert herbei: "Ich bin Ibrahim aus Somalia. Kann ich mitspielen?" Minuten später sausen beide Burschen über das Spielfeld - die Integration im Kleinen funktioniert.
Szenenwechsel: ein Fußballfeld in Klagenfurt. Alash Asaev, einst Polizeioffizier in Grosny, feuert die Kicker des seit sechs Jahren bestehenden FC Tschetschenien-Klagenfurt an. "Jugendliche gehören beschäftigt", sagt er. "Wenn sie herumlungern, gibt es Probleme, egal, welcher Nationalität sie angehören." Asaevs Sohn Usman (16) gesellt sich zu seinem Vater und kritisiert, dass Medien ein einseitiges Bild von Tschetschenen zeichnen. In der Schule werde er sekkiert: "Ihr seid alle schlecht, sagen sie. Mensch ist Mensch, sage ich dann. Egal woher."
Alash Asaev hat einen Arm im Krieg verloren, den anderen legt er um seinen Sohn. Er hofft, dass sich die Burschen weiterhin für Fußball starkmachen und begeistern. "So rauchen und trinken sie nicht und wollen positiv auffallen. Vielleicht spielen sie dann ja schon bald gegen die Villacher!"











