Vorwurf der Gewalt: Polizist unter Verdacht
Beamter soll Villacher Studenten geschlagen, seinen Pullover zerrissen und am Hals verletzt haben. Verwaltungssenat ist mit Fall befasst. Jetzt ermittelt auch der Staatsanwalt.

Foto © WeichselbraunDer Polizist muss ich möglicherweise wegen Körperverletzung vor Gericht verantworten
Im Fall jenes Villacher Studenten, der im Sommer von einem Polizeibeamten im Zuge einer Amtshandlung grundlos geschlagen und verletzt worden sein soll (wir berichteten), ermittelt jetzt auch die Staatsanwaltschaft. Der Polizist und sein Kollegen stehen unter dem Verdacht der Körperverletzung, der Sachbeschädigung, Verleumdung und des Missbrauchs der Amtsgewalt. "Ihr Vorgehen war brutal", sagt Rechtsanwalt Farhad Paya. "Es wurden mehrere Menschenrechte verletzt." Deshalb wurde auch beim Unabhängigen Verwaltungssenat für Kärnten eine Maßnahmenbeschwerde eingereicht. Für Mitte Dezember ist bereits die erste mündliche Verhandlung anberaumt.
Im Sommer hatte der Villacher, der an der Linzer Universität studiert, bei einem Bauern auf dem Feld mitgeholfen. Am letzten Tag der Feldarbeiten gab es eine Feier, bei der auch Schnaps konsumiert wurde. Aufgrund seiner Alkoholisierung schlief der Student auf einem Traktor sitzend ein - ohne diesen gelenkt zu haben. Plötzlich wurde er von zwei Polizisten geweckt. Weil er weiterschlafen und in Ruhe gelassen werden wollte und keine Angaben zur Identität machte, wurde er gegen seinen Willen ins Polizeiauto verfrachtet. Der Grund: Ein Alkotest sollte durchgeführt werden. Darüber beschwerte sich der Student lautstark. Laut Paya machte der Lenker des Dienstfahrzeuges plötzlich eine Notbremsung, öffnete die rückwärtige Tür und attackierte den Studenten. Paya: "Er schlug ihn und zerriss ihm seinen Pullover." Der Student erlitt dabei ersichtliche Verletzungen im Halsbereich. Laut Paya bestätigt dies der Behandlungsbericht des LKH Villach.
"Gewalt war angemessen"
Die Polizei sieht das völlig anders. In einer Stellungnahme der Behörde an den Verwaltungssenat heißt es, dass der Student "unter Anwendung angemessener Gewalt" vom Traktor gezogen und auf den Rücksitz des Polizeiautos verbracht wurde. Der Student sei, so die Behörde, zu keiner Zeit geschlagen oder körperlich misshandelt worden. Inzwischen hat die Polizei gegen den Studenten Verwaltungsstrafverfahren wegen fünf (!) Übertretungen eingeleitet: Verweigerung des Alkotests, Verbreitung NS-Gedankengutes (Beschimpfung der Beamten als Nazis), störende Lärmerregung, Verletzung des öffentlichen Anstandes und aggressiven Verhaltens. Zudem verlangt die Polizei für ihren Aufwand in diesem Fall einen Kostenersatz von 887 Euro. Jetzt ist die Justiz am Zug.












