Atrio: "Gäste verschwinden wie der Rauch"
Lokalaugenschein im Atrio: Zum Kaffee wird gern geraucht, Nichtraucher-Lokale ohne spezielles Angebot kämpfen um Kunden. Bisher gibt es in Villach 31 Anzeigen.

Foto © ReutersIn den oberen Stockwerken des Atrio genießen die Raucher ihre Zigarette zum Kaffee
Der öffentliche Raum des Villacher Einkaufszentrums Atrio ist vorschriftsmäßig rauchfrei. Auch geruchsmäßig ist nirgends auszumachen, dass in einigen Lokalen doch gequalmt wird. "Wir halten uns ans Gesetz, schreiben den Gastronomen jedoch nichts vor. Diejenigen, die bauliche Maßnahmen eingereicht haben, bekamen aber bis jetzt noch keine Stellungnahme", sagt Center-Manager Richard Oswald. Im Strafamt der Stadt liegen bis dato 31 Anzeigen ob der Übertretung des Tabakgesetzes auf - die Tatorte unterliegen jedoch dem Datenschutz.
Keinerlei Spannungen. Zwischen den einzelnen Gastronomie-Betrieben im Atrio gibt es laut Oswald jedenfalls keinerlei Spannungen. "Bei uns herrscht wohl ein anderer Teamgeist, zudem führen wir laufend Gespräche. Dennoch", ist Oswald überzeugt, "verzerrt die aktuelle Gesetzgebung eindeutig den Wettbewerb." Dies spürt zum Beispiel "La Cantina Tavagnacco", die sich seit einem Monat endgültig von Aschenbechern verabschiedet hat. "Die Gäste fragen noch, ob sie rauchen dürfen und sind bei meiner Antwort schon wieder weg," erklärt Evelyne Marcon den deutlichen Umsatz-Rückgang. Nebenan im "Cappuccino", einem Café der Interspar-Gruppe, wird man von einem "Danke, dass Sie nicht rauchen"-Plakat empfangen. "Voll ist es bei uns jetzt nur, wenn Italiener kommen, die das akzeptieren," hört man hinter der Theke.
Freud' und Leid. Einzig im "Kukkuma Café" waren beim Lokalaugenschein sämtliche Tische besetzt. "Wir haben doch ein spezielles Kaffee-Sortiment. Aber ich wurde auch schon von verständnislosen Gästen angesprochen," so Katja Stubits.
Mehr rauchende Gäste. Des einen Leid - des anderen Freud: Im oberen Atrio-Geschoss genießen nun Raucher ihre Kaffee-Zigarette. "Natürlich bemerken wir einen Anstieg an Gästen, die jetzt bei uns rauchen", so Renate Wagner vom "Bellaggio". Und wenn er dies dann nicht mehr dürfe, fahre er eben nicht mehr ins Atrio, bestätigt gleich ein Gast. Ein Nichtraucher sitzt hingegen völlig freiwillig im blauen Dunst: "Na, weil hier wenigstens was los ist!"
Features
Fakten
Gesetz. Seit 1. Jänner 2009 gilt das neue Tabakgesetz. Eine Übergangsfrist gilt bis 1. Juli 2010.
Strafen. Wer sich nicht ans Gesetz hält, muss mit Strafen rechnen. Sowohl Raucher als auch Lokal-besitzer können belangt werden.
Rahmen. Der Strafrahmen für Raucher beträgt bis zu 100 Euro, Betriebsinhaber könnten bis zu 2000 Euro berappen.
Strafamt. Im Villacher Strafamt sind seit Jahresbeginn 31 Anzeigen eingegangen.











