Villachs ewige Liebe zu "bella Italia"
Einkaufsfahrten nach Tarvis und Urlaube an der Adria gehören zu Villach wie die Drau und der Kirchturm. Werner Koroschitz baut jetzt eine Ausstellung "drumherum".

Foto © KK/PrivatPrivate Urlaubserinnerunger und Fotos von Villachern sollen in die Ausstellung "Über die Grenzen" einfließen
Der Sandstrand und die Spagetti, die mit Bast umwickelten Weinflaschen, Mortadella, Benzingutscheine, billige Lederjacken und modische Handtaschen, das Zittern an der Grenze. All dem und noch viel mehr widmet der erprobte Villacher Sozialhistoriker Werner Koroschitz 2011 eine eigene Ausstellung. Derzeit ist er damit beschäftigt, haufenweise Material zusammenzutragen, zu sichten, mit Zeitzeugen zu sprechen, eine Bestandsaufnahme zu versuchen. "Wichtig ist es mir auch, Menschen aus den Adria-Orten zu treffen, damit auch sie ihre Sichtweise vom boomenden Tourismus einfließen lassen können", sagt Koroschitz.
100 Jahre Zeitgeschichte. Das Thema selbst ist breit und spannend, umfasst es doch auch 100 Jahre Zeitgeschichte. Diese beginnt beim Zerfall der Monarchie, geht über die Verwaltung des adriatischen Küstenlandes durch Kärntens NS-Gauleiter, befasst sich mit Gründung und Zerfall der sozialistischen Republik Jugoslawien, berichtet vom österreichischen Wirtschaftswunder, den Spannungen mit Südtirol. "Anfang der 1960er-Jahre gab es sogar eine vorübergehende Visumspflicht für österreicher, die nach Italien reisen wollten", berichtet der Historiker.
Stundenlang unterwegs. Freilich waren die Reisen an die Adria mühsam, die Autobahn noch in weiter Ferne, die Fahrt dauerte viele Stunden und führte über holprige Landstraßen. Wer ein eigenes Auto besaß, gehörte zu den Glücklichen. Koroschitz will privates Bildmaterial ebenso sammeln und aufbereiten wie Urlaubsfilme, touristische Werbeunterlagen, er möchte damalige Bademoden zeigen, Urlaubspostkarten und Benzingutscheine. Die Villacher dürfen sich auf die große Ausstellung freuen. Koroschitz: "Ich will aber auch erinnern, wie die Schmuggelfahrten nach Jesenice und Tarvis boomten, wie der dortige Markt zu einer Institution wurde, wie die mehr oder minder strengen Zollkontrollen an der Grenze in Thörl zitternd erlebt wurden."
Neue Chance. Warum fuhren die Villacher Jahrzehnte lang im Urlaub vorzugsweise an die Adria, wie verbrachten sie den Aufenthalt dort? Wie erlebten die Einheimischen den Ansturm und wie stellte man sich dort auf die Bedürfnisse der Gäste ein? Der sozialhistorische Überblick soll bis in unsere Zeit reichen. Koroschitz: "Mit dem Wegfall der Grenzen zu den Nachbarstaaten bietet sich jetzt eine neue, verheißungsvolle Chance für interkulturelle Partnerschaften."
Features
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Spannende Einkaufstour seinerzeitFoto © KK/Privat
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Urlaubsfahrt um 1900Foto © KK/Privat
Ausstellung in Planung
Termin. Die große Ausstellung "Über die Grenzen. Von Urlaubsreisen und Schmuggelfahrten" wird von Mai bis Oktober 2011 im Museum der Stadt Villach zu sehen sein.
Koordinator. Der Historiker Werner Koroschitz ist auf der Suche nach Zeitzeugen und Fotomaterial von den Anfängen des Adria-Tourismus. Kontakt: Werner Koroschitz ist unter (0 67 6) 77 293 94 erreichbar.











