Kostenhürde für die neuen Brauereichefs
Josef Pacher und Clemens Aigner im Startjahr vor Preis-Anstrengungen. Dennoch will Villacher Brauerei wachsen.
Die Bilanz für die Euro im Juni 2008 fällt in der Villacher Brauerei verhalten aus. "Einen Euro-Effekt hat es leider nicht gegeben - obwohl wir gut aufgestellt waren", blicken Josef Pacher (40) und Clemens Aigner (38) ernüchtert auf den Fußballhöhepunkt des abgelaufenen Jahres zurück. "Wir haben ein Viertel unseres Marktbudgets in Equipment investiert und z. B. 70 Theken selbst gebaut. Die Leute sind aber nach den Fußballmatches heimgefahren. Da gab es mehr Polizei als Fans."
Fünf Prozent plus. Gleichwohl können die beiden neuen Chefs der Vereinigten Kärntner Brauereien AG nach eigenen Worten "sehr zufrieden" auf das Gesamtjahr 2008 blicken: Mit 340.000 Hektoliter Bier und 40.000 Hektoliter an alkoholfreien Getränken haben die 295 Mitarbeiter der Villacher Brauerei, der Schleppe Brauerei und der Piestinger Brauerei zusammen 44 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet. "Wir haben im Jahr 2008 beim Ausstoß und Umsatz ein Plus von fünf Prozent erzielt und auch das Ergebnis (EGT) um fünf Prozent gesteigert", resümieren Pacher und Aigner - mit anerkennenden Dankesworten für den scheidenden Brauerei-Direktor: "
Komplettanbieter. Johann Stockbauer hat uns ein Top-Unternehmen hinterlassen. Wir sind der Komplettanbieter für die Wirte." Ins erste Chef-Jahr starten Pacher und Aigner mit einer geschmalzenen Kosten-Vorgabe: "Schon 2008 hat uns nach zwei Missernten eine Malzpreiserhöhung von 45 Prozent zu schaffen gemacht. 2009 wird die Preissteigerung voll durchschlagen. Der Malzpreis wird dann um 70 Prozent über dem Niveau von 2006 liegen", rechnet Aigner vor.
Malz rauf, Hopfen runter. Zwar wird zugleich der Hopfen billiger, aber hier gleicht die Senkung den Malzpreisanstieg nicht aus. Vielmehr kommen deutlich höhere Lohnkosten hinzu. "Die sind in zwei Jahren um acht Prozent gestiegen", so Aigner. Nötige Einsparungsmaßnahmen bei den Kosten wolle man aber wie bisher so vornehmen, "dass der Kunde sie nicht spürt". Mit einer Konsumkrise rechnen die beiden Brauerei-Chefs beim Bier jedenfalls nicht. Mehr Auswirkungen fürchten sie da schon vom heraufziehenden Rauchverbot in der Gastronomie. "Da werden vermutlich weniger Leute in Lokale gehen", glaubt Pacher. "Die Menschen wollen aber Kommunikation. Das wird sich wieder einspielen", ist er überzeugt.
Achse Wien - Venedig. Für die Zukunft gibt es von ihm eine klare Ansage: "Wir haben uns definitiv zum Ziel gesetzt, dass wir wachsen wollen." Die oberste Prämisse gilt weiterhin Kärnten, wo man als Marktführer mit Villacher Bier und Schleppe Bier 40 Prozent Marktanteil hält. Pacher: "Unseren Heimmarkt müssen wir verteidigen." In Italien aber, wohin die Villacher Brauerei derzeit rund 18.000 Hektoliter Bier im Jahr exportiert, "ist der Plafond noch nicht erreicht". Im Raum Oberitalien bis Venedig will Pacher in den kommenden drei Jahren den Export auf bis zu 25.000 Hektoliter Bier steigern.
Position ausweiten. Auch in Wien will das Villacher Paradeunternehmen mit der Marke Villacher Bier und der zur Gruppe gehörenden Piestinger Brauerei die Marktposition ausweiten, die derzeit bei 20.000 Hektoliter im Jahr liegt. Pacher: "Wir wollen das gutbürgerliche Wiener Gasthaus erobern." Die Schleppe Brauerei in Klagenfurt, die als Spezialbrauerei, Eventhalle und Immobilienstandort Erträge bringt, wollen Aigner und Pacher weiter entwickeln. Keine Experimente wollen sie bei den Gebinden den Konsumenten zumuten, wenngleich in Wien im Handel der Trend von der Bierkiste zur Dose geht. "Auf Pet-Fässer lassen wir uns aber sicher nicht ein. Holz- und Edelstahlfässer und unsere Bierführer wird es auch in Zukunft geben."












