Stiefvater der "Müllkinder" in Haft
Vier Kinder wurden in Villach von ihren Eltern grob vernachlässigt. Mittwoch wurden Mutter und Stiefvater verurteilt. Die Frau kam mit einer bedingten Strafe davon.

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Es wird derzeit viel auf die junge Generation geschimpft. Aber diese Generation wird auch gemacht - von Eltern wie Ihnen", sagt Richter Manfred Herrnhofer mit Blick auf die Anklagebank. Dort sitzt eine Mutter von vier Kindern (29), daneben ihr Lebensgefährte.
Schockierende Fotos.
Quälen und vernachlässigen von Unmündigen wird dem Paar vorgeworfen. Die Wohnung der Familie wurde im Februar 2007 als Müllwohnung bekannt. Die Veröffentlichung der Fotos schockierte die Öffentlichkeit - und löste Ermittlungen aus. Überall lag Mist und Dreck. Zwischen Bergen von Abfall sollen das Paar und seine vier Kinder zwei Jahre lang gehaust haben - mitten in einer Villacher Siedlung.
Mindeststandards missachtet.
Sogar hygienische Mindeststandards wurden missachtet, steht im Strafantrag. "Die Wohnung war so verwahrlost, dass sich Ungeziefer ausbreiten konnte", sagt Staatsanwalt Franz Simmerstatter. Doch viel schlimmer ist die Verwahrlosung der Kinder. Der älteste Sohn ist 13 Jahre - und war schon mehrmals in Kriminalfälle verwickelt. Der Richter sagt: "Mit den Kindern wurde nicht richtig geredet, nicht gelernt, ihnen wurde nichts gezeigt, was mit Erziehung zu tun hat." Stattdessen bekamen sie mit, wie der Stiefvater die Mutter schlägt. Mehrer Zwischenfälle sind dokumentiert. "Einmal hörten Wohnungsnachbarn, wie die Kinder nach der Polizei geschrien hat." Laut Psychiater leiden die Buben und das Mädchen an erheblichen Entwicklungsstörungen.
Jugendamt.
Als das Jugendamt die Kinder wegnehmen wollte, zog die Mutter nach Wien. Dort leben die drei Buben und das Mädchen heute, ihre Oma hat die Obsorge. Die Kinder besuchen nun regelmäßig die Schule und werden zusätzlich vom Jugendamt betreut. Apropos: Die Behörde in Kärnten war laut Richter seit 2005 mit dem Fall betraut. "Es ist erschütternd, dass das Magistrat nicht früher durchgegriffen hat", kritisiert der Richter.
Nicht rechtskräftig.
Die Mutter wird zu zehn Monaten bedingter Haft verurteilt. Der Vater zu 15 Monaten unbedingt. "Es ist ein Verbrechen an Kindern, wenn man ihnen die Kindheit raubt", sagt der Richter. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.











