Kanaltal

Einsturzgefährdete Ruine aus der Monarchie gerettet

Fort Hensel im Kanaltal soll restauriert und öffentlich zugänglich gemacht werden. Die gewaltige Festung ist vor allem für Kärnten von großer historischer Bedeutung. Von Georg Lux

Blick in die Ruinen von Fort Hensel
Blick in die Ruinen von Fort Hensel © Styriabooks/Weichselbraun
 

Diese Schlacht hat der Zahn der Zeit verloren: Das seit Jahrzehnten dem Verfall und dem Vergessen preisgegebene Fort Hensel im Kanaltal wird nun doch noch restauriert. Vertreter der Gemeinde Malborghetto-Valbruna haben dieser Tage einen Pachtvertrag mit der italienischen Agentur für Staatseigentum unterzeichnet. Die Kommune will die einsturzgefährdeten Gebäude sichern und als Touristenattraktion öffentlich zugänglich machen.

"Wir bauen auf die Zusammenarbeit mit Forschern, mit örtlichen Vereinen, aber auch mit Initiativen aus Österreich. Das Fort hat ja für beide Länder eine sehr große historische Bedeutung", sagt Vizebürgermeister Alessandro Buzzi. Die weithin sichtbare Anlage auf dem Hügel Tschalawaj bei Malborghetto ist nach ihrem Erbauer und ersten Verteidiger, Friedrich Hensel, benannt. Der Hauptmann leitete noch die Errichtung des Forts der K.-k.-Armee (das Kanaltal gehörte damals zu Österreich), als am 14. Mai 1809 französische Truppen "anklopften". Obwohl den nicht einmal 400 Österreichern laut zeitgenössischen Berichten rund 15.000 Franzosen gegenüberstanden, gelang es ihnen, die Festung bis zum 17. Mai zu halten.

Weltpolitisch relevant

Hensel kam dabei, wie die meisten seiner Kameraden, ums Leben. Die drei Tage, in denen er seine Feinde aufgehalten hatte, sollten weitreichende Auswirkungen haben. Das verspätete Eintreffen der französischen Verstärkung führte in der Schlacht bei Aspern östlich von Wien zur ersten Niederlage Napoleons. Fort Hensel wurde von den Österreichern wegen seiner strategisch günstigen Lage danach wieder auf- und weiter ausgebaut. Zuletzt umkämpft war es im Ersten Weltkrieg. Ab Juni 1915 standen einander hier Italiener und Österreicher gegenüber. Die für 600 Soldaten ausgelegte Anlage war - wieder - hoffnungslos unterbesetzt, hauptsächlich hielten Kärntner Freiwillige Schützen die Stellung.

Vergessene Ruine: Fort Hensel im Kanaltal

Aus dem Buch "Kärntens geheimnisvolle Unterwelt"

Styriabooks/Weichselbraun

Historische Aufnahme

KK/Privat

Gedenkfeier italienischer und österreicher Vereine 100 Jahre nach dem ersten Schuss 1915 auf Fort Hensel im Juni 2015

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Historische Aufnahme

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Aus dem Buch "Kärntens geheimnisvolle Unterwelt"

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Historische Aufnahme

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Aus dem Buch "Kärntens geheimnisvolle Unterwelt"

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Aus dem Buch "Kärntens geheimnisvolle Unterwelt"

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Gemälde von der Schlacht mit den Franzosen

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Aus dem Buch "Kärntens geheimnisvolle Unterwelt"

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Blick auf den Hügel Tschalawaj. Aus dem Buch "Kärntens geheimnisvolle Unterwelt"

Styriabooks/Weichselbraun
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Das Fort wurde von den Italienern regelrecht zersiebt. Im März 1916 gaben die Österreicher die Festung auf. "Eingenommen wurde sie aber nie, die Front im Kanaltal war festgefahren", sagt Andreas Scherer, Leiter des Bunkermuseums auf dem Wurzenpass. Mit mehreren Militärhistorikern teilt er die Meinung, dass die italienischen Truppen ohne Fort Hensel damals bis Graz oder gar Wien durchmarschiert wären. "Mittlerweile ist bekannt, dass man Feuerkraft und Besatzungsstärke des Forts auf italienischer Seite überschätzt hat", erklärt Scherer.

Denkmal für den Frieden

Die Restaurierung der Festung begrüßt der Experte als "Meilenstein". Scherer hat den Italienern bereits Unterstützung angeboten: "Fort Hensel kann ein grenzüberschreitendes Denkmal für den Frieden werden."

Hintergrund

Held. An Hauptmann Friedrich Hensel erinnert ein Denkmal an der Bundesstraße zwischen Ugovizza und Malborghetto. Außerdem ist die Villacher Hensel-Kaserne nach ihm benannt.

Freilichtmuseen. Restaurierte Stellungen und Gebäude aus dem Ersten Weltkrieg gibt es auch in Gamischen bei Pontebba und auf dem Plöckenpass.

GEORG LUX

Kommentare (1)

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wernbergerbua
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4
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Orts- und Flurnamen

das Kanaltal war ja bis zum Friedensvertrag von St. Germain dem Bundesland Kärnten zugehörig. In diesem Gebiet war slowenisch und deutsch gebräuchlich. Italienisch hat sich ja er später durchgesetzt. Schön wäre es wenn die Kleine Zeitung auch der Geschichte Tribut leisten könnte und auch bei den Ortsnamen slowenisch: Naborjet-Ovčja vas, deutsch: Malborgeth-Wolfsbach anführen könnte. Auch bei einem anderen Bericht wurde der historische Deutsche Name für Kranska Gora deutsch: Kronau nicht angeführt.

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