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So feiert ein Pfarrer den Heiligen Abend

Wie feiert ein Pfarrer den Heiligen Abend? Für Herbert Burgstaller ist es ein Tag der Ruhe - ohne Christbaum.

Für Herbert Burgstaller, Pfarrer von Villach St. Martin, ist Ruhe das größte Geschenk © Rinesch
 

Adventkranz? Sind es die Geschenke unter dem geschmückten Baum? "Für mich ist es das Geheimnis der Menschwerdung Gottes", sagt Herbert Burgstaller, Dechant und Pfarrer der Pfarre Villach St. Martin. "In meinem Fall ist der Tag nicht nostalgisch romantisch, sondern hat viel mit Spiritualität zu tun."

Im Pfarrhaus gibt es daher weder einen Christbaum, noch einen Adventkranz. Der einzige Schmuck an dem Tag ist eine rote Kerze. "Sich auf weniges zu beschränken und das als großes Mehr zu sehen", ist nur ein Rat Burgstallers.

Schon früh morgens am 24. Dezember findet man ihn, wie an jedem Tag, zum Gebet in der Kirche St. Martin. "Das Besondere an Weihnachten ist jedoch, dass es für mich sehr berührend ist, diesen Tag in großer Ruhe zu beginnen. Wo sonst oft Hektik und Eile herrscht, versuche ich, bewusst Abstand davon zu nehmen." Sein einziger Weg in die Stadt an dem Tag führt ihn zum Bahnhof: "Um das Licht von Bethlehem für die Krippe abzuholen. Das wird bei der Krippenandacht auch an Kinder und Familien weitergegeben."

"Wo sonst oft Hektik und Eile herrschen, versuche ich, bewusst Abstand davon zu nehmen." 

Pfarrer Herbert Burgstaller

Ein eigenes Team ist für die Gestaltung der Kindermette zuständig: "Es ist ein großes Ereignis für die Kleinen und immer wieder berührend wahrzunehmen, wie sie das Geschehen verfolgen. Die Kirche ist immer zum Bersten voll. Ich versuche, genau wie bei der Christmette später, einen Glaubensbezug herzustellen, ist es für viele Kinder doch der einzige Kirchenbesuch im Jahr."

Wenn Burgstaller zurückdenkt an die Weihnachtstage seiner Kindheit in Kötschach-Mauthen, erinnert er sich an eines: "Die Krippe. Ich habe eine eigene gebaut, das war mir ein großes Anliegen. Sie unter dem Christbaum zu platzieren und jedes Jahr etwas Neues hinzuzufügen." Es sind seine Kindheitserinnerungen, die einfließen in die Gestaltung der Christmette: "Vor der Bescherung wurde bei uns zuhause immer das Weihnachtsevangelium verlesen. Und wir haben Weihnachtslieder gesungen, wie "Stille Nacht, heilige Nacht". Das prägt heute noch. Ist es doch ein unverzichtbares Kulturgut."

Bauernwürstel mit Senf

Noch etwas, was Dechant Herbert Burgstaller aus seiner Kindheit übernommen hat, ist das Weihnachtsessen: "Nach der Vesper, dem Abendgebet, gibt es Bauernwürstel mit Senf und Brot. Dann ist für ein paar Stunden Ruhezeit im Pfarrhof. Ich schalte mein Telefon aus, es läuft kein Fernseher, keine Musik. Das einzige Telefonat das ich an diesem Abend führe ist mit meinen Eltern. Von allem anderen nehme ich Abstand." Weihnachten im Pfarrhaus zu feiern ist für den Pfarrer kein Muss, trotzdem ist es für Burgstaller eine bewusste Entscheidung: "Ich fühle mich nicht allein und schon gar nicht einsam. Ich mache jedes Jahr einen Besuch bei meinen Eltern, aber am 24. Dezember bleibe ich im Pfarrhaus."

Im Kamin in seinen Privaträumen im ersten Stock brennt ein Feuer, die rote Kerze wird entzündet und dann: Stille. "Wenn man das nicht gewohnt ist, kann Stille etwas Bedrückendes haben. Für mich liegt darin eine ungeahnte Kraft." Täte mehr Ruhe in der, wie man sagt, "staaden Zeit", nicht uns allen gut? "Auf jeden Fall. Für ein Fest in der Tiefe, ist Ruhe eine qualitative Aufbesserung. Auf Wesentliches beschränken, bewusst Reize ausblenden. Die Welt tut sich heutzutage schwer mit der Ruhe."

Friedensbotschaft

In der Christmette versucht er beides in Verbindung zu bringen und eines zu vermitteln: "Gott will den Menschen durch dieses Kind, das geborgen wurde, nahe sein. Dahinter steckt eine Friedensbotschaft, die die Welt verändern kann." Später, sind es die Menschen, die ihm ein Geschenk machen am Weihnachtsabend: "Besonders gegen Abend kehrt Ruhe ein in der Stadt. Das ist sonst doch eher selten."

JULIA RINESCH

 

Kommentare (1)

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Hako2013
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Lesenswert?

Jeder soll feiern wie er WILL!

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