Kunstaktion

So wurde die Geschichte der Herzogstadt noch nie erzählt

St. Veit ist eine Stadt mit einer spannenden Geschichte. Und weil ein Bild mehr als 1000 Worte sagt, hat sie Konzeptkünstler Wolfgang Plattner im Vorfeld des Wiesenmarktes als schrägen Fotoroman inszeniert.

Legendär: das Kegeln am Wiesenmarkt
Legendär: das Kegeln am Wiesenmarkt © Helmuth Weichselbraun
 

Von Villach oder gar Klagenfurt war noch keine Rede, als sich an der Glan schon die Reichen, Schönen und vor allem Mächtigen tummelten. Bis 1518 war St. Veit, das 1199 Marktrechte und 1224 das Stadtrecht erhalten hatte, zunächst die Residenz des Herzogs (daher der Beiname Herzogstadt) und später von Bedeutung für die Kärntner Landstände. Kurz: St. Veit war damals Landeshauptstadt! Und man wäre es wohl gerne geblieben. Schönstes Zeichen dafür ist der Schüsselbrunnen auf dem Hauptplatz.

Bei der „Schüssel“ handelt es sich um eine antike Brunnenschale aus Virunum, der römischen Provinzhauptstadt am Zollfeld. Dieser Umstand sollte wohl den Anspruch der Stadt auf die „Hauptrolle“ im Land untermauern. 1556 wurde der Brunnen durch die nachgotische Bronzedarstellung eines Wasser speienden Marktaufsehers gekrönt. Die Figur wird von den St. Veitern „Schüsselbrunnbartele“ genannt. Ihre erhobene linke Hand deutet man als Mahnung, Markrechte und Gesetze einzuhalten. „Schüsselbrunnbartele“ heißt auch eine Auszeichnung, mit der die Stadt bis heute verdiente Bürger ehrt.

Wachgeküsst von der Künstlergruppe ArtFlash: das Schüsselbrunnbartele
Wachgeküsst von der Künstlergruppe ArtFlash: das Schüsselbrunnbartele Foto © Helmuth Weichselbraun

Liebe, Leiden, Lieder

Frauen, Männer, Liebe, Leiden: Das gab's schon immer. Im Mittelalter galt der Minnesang als „repräsentative Kunstübung“ der Hofgesellschaft selbt. Ihr prominentester Vertreter, Walther von der Vogelweide, war 1214 am Hof von Herzog Bernhard von Spanheim in St. Veit zu Gast. Von ihm sind 500 Strophen in 90 Liedern und 150 Sprüchen überliefert. Als seine berühmtesten Gedichte gelten „Ich sâz ûf eime steine“ und „Unter der linden“. Über Walther von der Vogelweide selbst man wenig. Der Künstler, an den ein Brunnen am St. Veiter Hauptplatz erinnert, zog von Hof zu Hof und dürfte um 1230 in Würzburg gestorben sein.

Wiesenmarkt: Geschichte neu inszeniert

Das Mittelalter neu in Szene gesetzt.

Helmuth Weichselbraun

Legendär: das Kegeln am Wiesenmarkt.

Helmuth Weichselbraun

Beim Kegel ging es um viel.

Helmuth Weichselbraun

Und das nicht immer konfliktfrei.

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So sieht der Künstler Udo Jürgens, der - am Anfang seiner Karriere - auch am St. Veiter Wiesenmarkt auftrat.

Helmuth Weichselbraun

Hinter den Kulissen.

Helmuth Weichselbraun

Hinter den Kulissen.

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Hinter den Kulissen.

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Zum Leben erweckt: das "Schüsselbrunnbartele".

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Frauen hatte keine Freude, wenn ihre Männer beim Kegeln viel oder gar das ganze Geld verspielten.

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Eine Kegel-Szene.

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Walther von der Vogelweide soll einst ebenfalls zu Gast in St. Veit gewesen sein.

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Hinter den Kulissen.

Helmuth Weichselbraun

Das Mittelalter neu in Szene gesetzt. 

Helmuth Weichselbraun

Hinter den Kulissen. Location für die Udo-Jürgens-Szene war das Kärntner Bierlokal des Jahres 2015, das Turmstüberl von Leo Schuster in Villach. 

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Hinter den Kulissen.

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Ein moderner „Minnesänger“ hat ebenfalls eine St. Veiter Vergangenheit. Udo Jürgens (1934- 2014) ist am Beginn seiner Karriere am Wiesenmark aufgetreten. „Das war in den 1960er-Jahren“, weiß Wiesenmarktreferent Rudi Egger.

So sieht Künstler Plattner Udo Jürgens
So sieht Künstler Plattner Udo Jürgens Foto © Helmuth Weichselbraun

Wenn das Spiel aus ist

Zu oft hatte auch der Teufel seine Hände im Spiel: Das Naturbahnkegeln am St. Veiter Wiesenmarkt ist berühmt-berüchtigt. Bauern haben hier - im wahrsten Sinn des Wortes - Haus und Hof verspielt. Die hohen Geldeinsätze vernichteten Existenzen, zerstörten Familien. Ob dem „Sport“ schon seit dem ersten Wiesenmarkt anno 1362 gefrönt wurde, ist unklar. Möglich wäre es: In Ägypten fand man Wandreliefs mit Kegelspiel-Darstellungen, die 3200 vor Christus entstanden sein dürften.

St. Veit: Wiesenmarkt-Geschichte neu inszeniert

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es am St. Veiter Wiesenmarkt noch zwölf Kegelbahnen. 1996 war vorübergehend Schluss. Die Stadt als Veranstalter des Wiesenmarktes verbannte das Spiel aus moralischen Gründen vom Gelände. Es hagelte Proteste. Seit 2002 darf wieder gekegelt werden: auf der Alternativ-Wiesn des Vereins Schaubude.

Danke an die Darsteller: Anna Mössler, Ingo Micheu, Wolfgang Plattner, Rebecca Johanna Micheu, Celine Semmler, Gernot Tropper, Ulrike Zeber, Michael Kanduth, Susanne und Leonidas Ruhdorfer

Bodypainting: Wolfgang Plattner

 

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