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Der Berg ruft nicht mehr

Ulrichsbergtreffen lockt immer weniger Teilnehmer an. Heuer verlegte man die Feier ins Tal. Die Kleine Zeitung blickt zurück auf die Geschichte des Treffens.

 

Das Treffen wird eh auslaufen." Zumindest für das Vorjahr hat Klagenfurts Altbürgermeister Leopold Guggenberger recht behalten. Da gab es, just zum 50-Jahr-Jubiläum, kein Ulrichsbergtreffen, kein "der Ulrichsberg ruft", wie die Feiern über Jahre beworben worden waren. Der Internet-Verkauf von NS-Devotionalien durch den Obmann der Ulrichsberggemeinschaft Dieter Ressenig bewirkte schwere Turbulenzen und Rücktritte. Nach jahrzehntelanger Teilnahme verabschiedete sich in der Folge das Bundesheer von der Unterstützung durch die Militärmusik und vor allem vom Transport betagter oder fußmaroder Teilnehmer zum Gipfelkreuz. Eine Weisung von Verteidigungsminister Norbert Darabos schob den Riegel vor. "Die Abgrenzung zu NS-Gedankengut ist unzureichend."

Besuchererosion

Doch Totgesagte leben länger, ausgelaufen ist das Treffen (noch) nicht, wenngleich die starke Besuchererosion seit Jahren unaufhaltsam ist. Die Grundidee der Feier, Dankbarkeit für die Kriegsheimkehr sowie das Gedenken an die Gefallenen plus der Friedensgedanke, spricht junge Leute nicht mehr an, ihnen fehlt die Emotion zu den Themen. Die Kriegsgeneration hingegen gibt es teils nicht mehr bzw. fehlt ihr die Mobilität. Gab es etwa 1989 noch 7000 Besucher, waren es zuletzt einige Hundert.

Vom Berg ins Tal

Gerade wird oben auf dem Berg die Kirchenruine mit dem Ehrenhain und den Gedenktafeln renoviert. Die Ulrichsbergfeier findet dennoch statt. In anderer Form. So wie es von Einigen im internen wie externen Kreis seit Jahren angedacht war: Diesen Samstag werden am Berg Kränze niedergelegt. Doch ansonsten ruft der Berg nicht mehr. Die Feier selbst findet - leichter erreichbar und für den Veranstalter kostengünstiger - am Sonntag unten beim Herzogstuhl statt. 700 bis 800 Teilnehmer erwartet sich Engelbert Tautscher (76). Tautscher ist Obmann und Präsident der Ulrichsberggemeinschaft und denkt wieder an Treffen "oben", vielleicht am Areal des ehemaligen Kollerwirtes. Seit Tilo Berlin beim Almbauern große Flächen gepachtet hat und Hochlandrinder weiden lässt, haben sich die Örtlichkeiten verschoben.

Braunes Kärnten

Kein anderer Berg in Kärnten sorgt für so viel Widerstreit wie der Ulrichsberg. Für die Kritiker und viele Medien aus dem In- und Ausland ist er Synonym für "das braune Kärnten". Unter dem 22 Meter hohen Gipfelkreuz bei der Ruine treffen sich seit 1959 Heimkehrer des Zweiten Weltkrieges und deren Angehörige. In erster Linie Veteranen der Waffen-SS-Kameradschaft IV und internationale SS-Verbände aus verschiedensten Ländern, befinden Kritiker. NS-Nostalgie werde betrieben, zu den alten Nazis gesellen sich junge Neonazis und Rechtsradikale.

Verherrlichung

Das ist das eine Bild, das die Grundintention teilweise überlappt hat. Verstärkt hat es sich in der Vergangenheit durch Fakten: Die Staatspolizei nahm noch vor Jahren alten Männern beim Almbauern, dort wo ursprünglich der große Parkplatz war und der Hohlweg hinauf zum Kreuz begann, NS-Abzeichen von den Kärntner Anzügen und Fahnen. Der verstorbene Landeshauptmann Jörg Haider sorgte 1995 für Schlagzeilen, als er Tage vor dem Ulrichsbergtreffen Teilnehmer beim traditionellen Treffen in Krumpendorf würdigte und den (Waffen-)SS-Soldaten "Dank und Anerkennung" aussprach. - Die Waffen-SS war vom Nürnberger Gerichtshof als Teil der SS zu einer verbrecherischen Organisation erklärt worden.

Namhafte Gäste

Politiker aller Regierungsparteien des Landes wie des Bundes waren dennoch bei den Feiern: Minister, Parteichefs, Militärkommandanten waren Festredner.

Neue Signale

In den letzten Jahren war die neue Führungsmannschaft der Ulrichsberggemeinschaft mit Peter Steinkellner (ÖVP) und Rudolf Gallob (SPÖ) zunehmend bemüht, die Grundidee zu weiten und die Feier "frei von Rechts- und protestierenden Linksextremisten zu halten". Auch vor dem Hintergrund, dass es immer schwerer wurde, namhafte Festredner zu finden, traten etwa Historiker ans Rednerpult. Das Treffen wurde in das Zeichen Europas und noch mehr des Friedens gestellt, es wurde der Opfer aller Kriege gedacht. Terminlich verlegte man die Feier vom kühleren ersten Oktober-Sonntag auf September vor.

Das Jubiläum

Mit einem Jahr Verspätung wird am Sonntag die 50-Jahr-Feier begangen. Sie steht mit ihrer inhaltlichen Ausrichtung unter besonderer Obacht: Weil sie hinweist zur großen Volksabstimmungs-Jubiläumsfeier.

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