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Zuletzt aktualisiert: 11.02.2012 um 20:17 UhrKommentare

Als die Glocken in den Krieg zogen

Vor genau 70 Jahren wurden allerorts Kirchenglocken abmontiert, um für die Waffen-industrie im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen zu werden - auch in Spittal und Millstatt.

Dass wir eins in Liebe seien, fern vom Hass und ödem Streit, mög' Johannes uns erbitten, von dem Herrn der Ewigkeit", lautete die Inschrift der Millstätter Johannesglocke. 1926 mit diesem Frieden ersehnenden Spruch geschaffen, sollte sie nur 16 Jahre später dem genauen Gegenteil von Nutzen und Teil von Unterdrückung und Tod in der vernichtenden Waffenindustrie des Zweiten Weltkriegs sein.

Neue Mitbürger

Das Geläut der Stiftskirche war bereits dem Ersten Weltkrieg zum Opfer gefallen. Groß war die Freude, als man 1926 nach harten Jahren des Spendensammelns - fast jeder Bürger gab etwas und wenn es nur ein Schilling war - vier neue Glocken bei der Firma Grassmayr Innsbruck in Auftrag geben konnte. Die Pfarrchronik beschreibt die Ankunft der "neuen Mitbürger" am 15. April 1926 als großes Fest, an dem die ganze Bevölkerung teilnahm. Die Weihe nahm gar der "hochwürdigste Fürstbischof Adam Hefter" im Rahmen einer Firmung vor.

Mit Wehmut mussten die Bürger dann beobachten, wie ihre liebgewonnenen hart ersparten Glocken am 10. Februar 1942 nach der Messe im Schneetreiben abgenommen wurden, um erneut in den Krieg zu ziehen.

"Mein Vater Johann Nikolasch war damals Pfarrgemeinderat. Er musste alle Glocken auflisten mit Gewicht und Durchmesser. Nur eine der sechs Bronzeglocken aus der Stiftskirche, die alte Frauenglocke von 1437, wurde wegen ihres kulturhistorischen Werts verschont", sagt Maria Pichorner, die das Geschehen als Kind am Rande miterlebte.

Ein letztes Aufbäumen

"Die Stahlglocken in Obermillstatt und Matzelsdorf blieben zum Wetterläuten", weiß Pichorner. Auch in Laubendorf und am Kalvarienberg durfte laut Pfarrchronik jeweils eine Glocke zum Sturmläuten bleiben. "Das waren sehr traurige Tage. Aber damals hätte man sich nicht wirklich getraut, etwas zu unternehmen", erklärt Pichorner. Versucht haben es die Millstätter: Laut Pfarrchronik widersetzte sich der Kirchenrat dem Verbot des Glockenläutens (außer in Katastrophenfällen) und wies den Mesner am Kalvarienberg schriftlich an, die Glocke wie bisher zu läuten. Daraufhin wurde aber auch die letzte Glocke am Kalvarienberg "abgenommen und fortgeliefert".

Seitens des Archivs der Diözese Gurk wird bestätigt, dass es mancherorts Widerstandsversuche in Form des Versteckens von Kirchenglocken gab. Mehr oder minder erfolgreich, denn die Kommission, die die Geläute im Auftrag des Reichsministeriums für Bewaffnung und Munition im gesamten Reich abholte, verfügte über genaue Unterlagen über die Ausstattung der Kirchen. Auch Gebäudeteile aus Kupfer waren interessant.

So wurden auch die Glocken der Stadtpfarrkirche Spittal bis auf eine aus dem Jahr 1799 verwertet. Dem evangelischen Pfarrer Oskar Hengstenberg gelang es, sein letztes Geläut in Spittal zu retten, nachdem alle anderen bereits 1917 eingeschmolzen worden waren. Vier ausgemusterte Stellwerk-Glockenschellen aus Eisenbahnbeständen dienten bis 1965 als notdürftiger Ersatz. In Millstatt konnten 1957 wieder neue Glocken bestellt werden.

CAMILLA KLEINSASSER

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