Mitten im Kampf gegen die Abwanderung
Pro Tag verlassen zwei Menschen - bis 50 Jahre - den Bezirk Spittal. Dagegen wollen zwei Mallnitzer unterstützt von Kleinunter- nehmern vehement ankämpfen.
Dieses Problem kennt wohl jeder Klein- und Kleinstunternehmer in der Region: Man hat eine gute Idee und setzt sie mit viel Engagement um. Aber vor lauter hohem eigenen Arbeitseinsatz hat man kaum eine Chance, sein Produkt draußen am Markt entsprechend bekannt zu machen.
Hier haken die beiden Mallnitzer Peter Angermann (51) und Christoph Volker (42) mit ihrer Firma "Comuno" ein: "Wir wollen nicht nur die Vermarktung gemeinsam mit diesen Unternehmen in der Region machen - von der Idee bis zur längeren Begleitung - sondern auch der Jugend zeigen, dass es Sinn macht, in der Region zu bleiben. Wir sind überzeugt, dass wir mit unserer Strategie der Abwanderung entgegenwirken können."
Denn laut Statistik Austria verlassen pro Tag zwei Menschen (bis 50-Jährige) den Bezirk Spittal. Das sind 728 im Jahr, was fast der Einwohnerzahl der Gemeinde Weißensee entspricht. Parallel dazu kommt es zur Überalterung: Alleine in den vergangenen zehn Jahren erhöhte sich die Zahl der Über-75-Jährigen von 6000 (2002) auf 7600 im Jahr 2011.
Veränderung
Als "Vorbild" und seit Monaten als Kunde fungiert dabei die Familie Helmut und Katharina Walter mit ihrem "Bauernladen Walter" in Obervellach: "Wir sind seit 20 Jahren bäuerlicher Direktvermarkter - dank unserer Kunden auch erfolgreich. Uns ist aber aufgefallen, dass sich seit ein paar Jahren in unserer Kundschaft einiges verändert hat: Weniger junge Menschen und Verlagerung der starken Verkaufstage zum Wochenende hin als immer größere Auswirkung von ,auswärts arbeiten' und der Abwanderung. Wir merken aber auch, dass viele ehemalige Obervellacher und Mölltaler gerne ihre Heimat besuchen kommen", erklärt die agile Bäuerin, die "dieses wunderschöne Mölltal" liebt.
Man müsse laut Walter daher neue Schritte setzen, um der Abwanderung entgegenzuwirken: "Wir Älteren dürfen den Jungen nicht von vornherein ein negatives Bild zur Region geben. Wir müssen ihnen vielmehr die hohe Lebensqualität bei uns vermitteln, alle Qualitäten der Heimat nutzen, so den Jungen die Chancen, die die Region bietet, aufzeigen und sie auch unterstützen", appelliert Walter und fordert die "Zusammenarbeit aller in der Region. Denn nur so überleben wir".
Ortsansässig
Intensive Begleiter bei dieser "Entwicklungsarbeit" wollen Angermann und Volker sein: Sie begleiten Betriebe und Institutionen, animieren sie zur vernetzten Arbeit und wollen bestehende Konzepte in den Bereichen Tourismus, Landwirtschaft und Gewerbe verknüpfen - und dabei die kleinen Betriebe einbinden. "Wir arbeiten nicht von außen in die Region, sondern inmitten dieser mit den ortsansässigen Betrieben. Auch kleine Betriebe müssen die Chance haben, leistbares Marketing zu erhalten", sagt Volker, der "unbedingt hier in Mallnitz leben will". Angermann studierte nach Jus in Graz an der Uni in Klagenfurt Betriebswirtschaft. Der Titel seiner Diplomarbeit lautete: "Strategie zur Vernetzung im Tourismus am Beispiel Mallnitz".
Katharina Walter hat für die beiden übrigens folgende Bezeichnung parat: "Ihr seid für die regionalen Kleinbetriebe die Botschafter nach außen."
Features
FAKTEN
Spittal. Der Bezirk ist 2.764,52 Quadratkilometer groß, hat 78.842 Einwohner (Volkszählung 2011) in 33 Gemeinden.
Daten. Von Jänner 2005 bis 2010 sank die Einwohnerzahl um 1,5 Prozent, die Arbeitslosenrate betrug 2011 über 13 Prozent. Die Kaufkraft liegt bei nur 88 Prozent des Ö-Index (2010).
Comuno. "Wir vernetzen Nachhaltigkeit" ist der Slogan von Peter Angermann und Christoph Volker.
Angermann. Echter Mallnitzer, lebte 17 Jahre in Wien; später in Holland, Asien, Amerika; war sieben Jahre Tourismuschef in Mallnitz.
Volker. Stammt aus dem Salzkammergut, lebt seit fünf Jahren in Mallnitz, war in Mitteleuropa unterwegs im Projektmanagement mit Natur- und Energiethemen.







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