Neue Perspektiven für Waldbauern
"Die Holzwirtschaft ist nicht am Ende", so das Fazit des Bezirkswaldbauerntages gestern in Lendorf. Neue moderne Absatzmöglichkeiten und Rotwildschäden waren wichtige Themen.

Foto © AP/Diether EndlicherAuch Holz aus Oberkärnten muss sich am globalen Markt behaupten und neue Märkte erschließen
Jodelnd eröffnete Johann Mößler, Präsident der Landwirtschaftskammer (LK) Kärnten, gestern am Litzlhof in Lendorf den Bezirkswaldbauerntag, der am Mittwoch bereits Station in Kötschach-Mauthen und Hermagor gemacht hatte.
Großes Thema waren dabei die Rotwildschäden, die "seit 1995 pro Jahr um 220 Prozent angewachsen sind. Über 50 Prozent des Waldes sind von starkem Wildverbiss betroffen. Die Rotwildpopulation steigt massiv. Auch wegen Fütterungen gibt es kaum natürliche Mortalität. Ein verstärkter Abschuss von 30 Prozent ist gefordert", führte Forstauschussobmann Christian Benger aus und erntete dafür Zustimmung unter den zahlreichen Besuchern. Bezirksjägermeister Franz Kohlmayer versicherte den Willen zur Zusammenarbeit: "Wir haben im Vergleich zum vergangenen Jahr 500 Stück mehr Rotwild geschossen und sind auf einem guten Weg." Auch Futterstellen würden zunehmend von Rand- in Kernzonen verlagert.
Lob sprach Benger den Bauern für ihre "Bombenleistung mit Rekordeinschlag" im Jahr 2011 aus. "Der Wald wurde aktiv und bewusst genutzt. Es gab Nachfrage mit verbesserten Preisen. Derzeit sind Bedarf und Preis geringer - ich bin überzeugt, nur kurzfristig. Es hat aber keinen Sinn derzeit mehr zu produzieren, wenn die Nachfrage nicht da ist", sagte Benger und appellierte die Wälder zu pflegen, damit "das Holz da ist, wenn es gebraucht wird."
Globaler Markt
Dass auch Oberkärntens Forstwirtschaft vom globalen Markt abhängig ist, verdeutlichte aus Sicht der Säger Herbert Kulterer (Hasslacher Drauland) und machte auf die Diskrepanz zwischen Rundholz- und Schnittholzpreis aufmerksam: "Billiges Schnittholz ist weltweit massenhaft vorhanden. Nur wenn wir das Schnittholz wieder besser und höherpreisig verkaufen können, können wir den Lieferanten für ihr Rundholz wieder mehr zahlen. Die Entwicklung in Kärnten hängt auch stark vom Holzmarkt in Italien ab."
Absatzmöglichkeiten, die in der Zukunft interessant für die Waldbauern werden könnten, zeigte Christian Benger mit dem "Hochhaus System Cree", einem Holz-Hybridhochhaus wie es in Vorarlberg realisiert wird oder am Beispiel der Biomasse-Raffinerie Villach auf: "Hier wird Holz vergast. Es kommt Strom und Wärme heraus. Das ist das Energie-Konzept der Zukunft, leider derzeit aber nur in großindustrieller Form im Versuch möglich, da der Aufwand sehr hoch ist." Zukunftsträchtig sei auch so- genannte "echte Baumwolle" aus Buchenholz, deren Fasern für Textilien nutzbar gemacht werden können, "ökologisch unbedenklicher als mit dem enormen Insektizid- und Wasserbedarf bei der Verarbeitung herkömmlicher Baumwolle", sagte Benger.








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