Eine Pipeline für Kärntens Energiehunger
Kärnten bezieht sein Gas aus einer hoffnungslos überlasteten Pipeline. Erst 2014 könnte der Energiemangel ein Ende haben.

Foto © ReutersVielleicht grasen auch in Kärnten die Kühe nahe der Tauern Gasleitung, so wie am Bild zu sehen, in Tiflis, Georgien. Mit dem Unterschied, das die Pipeline hierzulande unter der Erde verlaufen wird
Kärntens notorischer Gasmangel wird jeden Tag schlimmer. Verbrauchssteigerungen bestehender Abnehmer sind nur mit Kunstgriffen wie einer höheren Verdichtung des Gases abzufangen. Die nicht mehr vorhandenen Kapazitäten der "Trans Austria Gasleitung" aus den 60er Jahren machen Ansiedelungen energiehungriger Betriebe in Kärnten derzeit unmöglich.
Abhängigkeit verringern. Erst 2014 könnte der Engpass mit der neuen Tauerngasleitung - wir berichteten - behoben sein. Weiteres Ziel der neuen Pipeline durch Kärnten (siehe Grafik) ist es, die Abhängigkeit von Russland als einzigem Lieferanten zu verkleinern.
Im Tunnel über Tauern. Von Krk und Venedig kommend, wird die neue Pipeline übers Gailtal und Drautal führen (Drauquerung zwischen Paternion und Fendorf), einen weiten Bogen um den Ossiacher See machen und schlussendlich entlang der Tauernautobahn nach Salzburg führen. Entlang dieser Strecke wird derzeit ein zwei Kilometer breiter Korridor auf seine geologische Machbarkeit untersucht. Das Rohr wird einen Durchmesser von 800 und einen Stahlmantel von 14 Millimetern aufweisen und mindestens 80 Zentimeter tief unter der Erde geführt, heißt es in geheimen Projektunterlagen, die der Kleinen Zeitung vorliegen. Über den Tauernhauptkamm wird die Tauerngasleitung im Tunnel geführt. Der Abstand zu bewohnten Häusern soll 60 Meter betragen, möglich sei aber auch ein Mindestabstand von nur vier Metern.
Fakten
Die Pipeline führt von Entladeterminals in Krk und Venedig durch Kärnten nach Salzburg. Beteiligte: 60 Prozent in österreichischer Hand, sieben Prozent hält die Kelag.
Das Gas soll aus dem arabischen Raum kommen.
Technische Daten: 80 cm Durchmesser, 14 mm starke Stahlwände. Im Inneren herrscht ein Druck von 100 bar.
Straffer Zeitplan. Derzeit wird an der Machbarkeitsstudie gearbeitet. Die technischen Untersuchungen, so heißt es, sind bereits abgeschlossen. Jetzt wird der wirtschaftliche Nutzen untersucht. Ebenfalls heuer sollen noch Vorverträge mit Grundbesitzern geschlossen werden. Hierzu gibt es bereits Gespräche mit der Landwirtschaftskammer als Interessenvertretung der Grundbesitzer. Im Rohbericht ist man zudem zuversichtlich, alle Grundstücke ohne Enteignungen zu bekommen, weil "die Ablösesätze generell deutlich über dem Verkehrswert" liegen würden.
Informationen. Im Laufe des heurigen Jahres sollen Bürgerinformationsveranstaltungen abgehalten werden. Den Gemeinden wurde Gesprächsbereitschaft zugesichert, um etwa zusätzliche Versorgungsleitungen (Wasser, Telekom) zu vergraben. Auch Anschlüsse für künftige Betriebsansiedelungen wären möglich.
Nicht vor 2011. In einem Jahr sollen die Planungen abgeschlossen sein und die Umweltverträglichkeitsprüfung beginnen. Als frühester Baubeginn wird derzeit 2011 anvisiert.














