Nächtliche Bergung nach Absturz am Großglockner
Nächtliche Bergung nach Absturz am Glockner Begleiter von Absturzopfer klopften um ein Uhr nachts bei Adlersruhe. Wirt und Bergführer bargen Verletzten. Bergretter trugen ihn tags darauf über Felsen zu Flugrettung.

Foto © Gratz/kkJohann Gratz (vorne) und sein Bergretter-Team beim Verletzten-Transport über die Steilroute
Um ein Uhr nachts klopfte es am Freitag an die Tür der Erzherzog Johann-Hütte - landläufig Adlersruhe genannt - auf dem Großglockner, Stimmen riefen um Hilfe.
Zu dritt aufgebrochen. Hüttenwirt Peter Tembler hielt Nachschau. Draußen standen zwei Alpinisten aus Litauen und machten deutlich, dass es am Eisleitl - das steile Schneefeld zwischen Adlersruhe und Gipfelanstieg - einen Unfall gegeben habe. "Gemeinsam mit zwei Kalser Bergführern, die mit einer Gruppe in der Hütte nächtigten, habe ich mich auf den Weg gemacht", erzählt Tembler, der selbst auch Bergführer und Bergretter ist. Nach etwa einer halben Stunde stießen sie im "Bahnhof" auf 3550 Meter Seehöhe im Auslauf des Eisleitl auf den Verletzten, einen Litauer (69), und seine Tochter. "Wir schafften die Bergung zu zweit nicht. Ich rief über Funk drei Bergführer aus der Hütte zu Hilfe", schildert Tembler die nächtliche Situation am Berg. "Mit einem Akja brachten wir den Verletzten in die Hütte. Eine Ärztin aus Niederösterreich nahm die medizinische Erstversorgung vor und stellte fest, dass kein lebensbedrohender Zustand vorlag."
Nebel verhinderte Landung. Freitag früh alarmierte Peter Tembler die Osttiroler Flugrettung C 7 - doch diese konnte aufgrund dichten Nebels und heftigen Windes nicht bis zur Adlersruhe vordringen. Bergretter aus Kals und aus Heiligenblut wurden auf das Ködnitzkees auf Osttiroler Seite des Glockners geflogen. "Von dort stiegen wir zur Adlersruhe auf ", berichtet Einsatzleiter Johann Gratz , Chef der Kalser Bergrettung. Mit von der Partie war C 7- Notarzt Andi Totschnig, der den Litauer - er hatte einen Nasenbeinbruch, Armbruch, Wirbelverletzungen, schwere Abschürfungen und Prellungen - nochmals untersuchte. Dann trugen die Retter den Mann im Akja über die steile felsige Route hinunter zum Hubschrauber.
Um 21 Uhr am Gipfel. Die Einvernahmen der Litauer ergaben, dass sie bei der Stüdlhütte gezeltet hatten. Am Donnerstag um 8 Uhr stiegen sie über Ködnitzkees, Luisenscharte, Stüdlgrat zum Glockner auf. Erst um 21 Uhr erreichten sie den Gipfel! "Alle Vier waren sehr mangelhaft ausgerüstet", sagt Gratz. "Zu ihrem Glück war das Wetter warm - andernfalls wären sie schon im Stüdlgrat hängengeblieben!" Der Absturz passierte gegen 23 Uhr beim Abstieg, als dem Litauer ein Fehler unterlief.














