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Zuletzt aktualisiert: 17.09.2011 um 21:44 UhrKommentare

Der heimliche Star der Nockberge

Die Antike schätzte den wertvollen Speik, der in den Nockbergen gewonnen wird. In Bad Kleinkirchheim informiert jetzt ein Basiskurs über die heutige Bedeutung der Heilpflanze.

Foto © KK/Harmony Hotels

Es wäre eine Millionenshow-Frage: Woher stammte das Öl, mit dem Maria Magdalena die Füße von Jesus salbte? Die Antwort ist sensationell: aus Kärnten. Es war nämlich Nardenöl, das aus Speik gewonnen wird. Und der Speik oder "Valeriana celtica subspecies norica", keltischer Baldrian norischer Unterart, eine mehrjährige, krautige Heilpflanze, wuchs schon vor 2500 Jahren in den Nockbergen.

Von dort wurde der Speik über Venedig und Triest in den Orient verschifft, wo die Haremsdamen mit Speiköl eingerieben wurden. In Nordafrika wurden die Bräute mit Speiköl parfümiert. Bis ins 20. Jahrhundert wurde die getrocknete Pflanze in die Türkei, nach Syrien, Ägypten, Marokko und in den Sudan geliefert.

Judenburg, an einer wichtigen Römerstraße gelegen, wurde durch den Handel mit Speik wohlhabend. Kaiser Friedrich III. verlieh 1460 der Stadt Judenburg das Monopol, mit Speik - auch Alpenbaldrian oder Maria Magdalenen-Blume genannt - Fernhandel zu betreiben. "Speiköl-Anwendungen wirken ausgleichend und beruhigend, ohne müde zu machen. Wenn man hingegen müde ist, wirkt er belebend", erklärt Wellness-Expertin Astrid Schneeweiß, die die Behandlungen, die in den Kleinkirchheimer Harmony-Hotels angewendet werden, mitentwickelt hat. Speik wirkt sowohl auf das zentrale als auch vegetative Nervensystem. Deshalb soll die nervöse Kleopatra vor ihrem ersten Treffen mit dem Römer Antonius in Speiköl gebadet haben. Und angeblich hat der berühmte Arzt Galen das Magenleiden des römischen Kaisers Marc Aurel mit Speik behandelt. Über die elementaren Heilkräfte des Speik wird Allgemeinmediziner Wolfgang Hofmeister beim Kurs berichten. "Die Wirkstoffe in der Wurzel der Speikpflanze sind ätherische Öle, die Valerensäure und in Spuren Valepotriate. Die Wirkung erfolgt über unser limbisches System, das ist ein Urhirnanteil, verantwortlich für Emotion, Triebverhalten, Instinkt und Bauchgefühl."

Wie der Speik, den der Bursch im alten Kärntnerlied "Wohl in der Wiederschwing" seinem Dirndl heimbringt, zu seinem Namen kam, weiß Hotelierin und Speik-Akademie-Mitbegründerin Sigrun Hinteregger: "Weil er einer Ähre ähnlich sieht, hat man das lateinische Wort spica verwendet."

Erkennen kann den Speik nur ein geübtes Auge, weiß Oswin Lafer, einer der zwei Bauern, die den Speik ernten dürfen. Vier Jahre dauert es bis zur Ernte, die zwischen Maria Himmelfahrt am 15. August und Maria Geburt am 8. September von Hand durchgeführt wird. Auf einer Höhe von 1900 bis 2300 Metern wird die Pflanze mit einer speziellen Kralle, die wie ein abgewinkeltes Messer aussieht, aus der Erde gezogen. "Man fährt die Pflanze entlang, bis man die Wurzel findet", erklärt Hans Peter Huber, der die Aufgabe von seinem Vater übernommen hat. Ungefähr drei Wochen lang wird der Speik im "Troadkasten" getrocknet, wobei er alle zwei Tage gewendet werden muss, um nicht zu schimmeln. Und dann kommt Wikhart Teuffel von der Firma Walter Rau aus Stuttgart, Naturkosmetikproduzent in dritter Generation, und holt den Speik ab, um aus der Wurzel das wertvolle Öl zu extrahieren und Pflegeprodukte unter dem Namen "Speick" herzustellen. Derart veredelt kommt der Speik wieder in seine Heimat zurück und erfrischt müde Füße, die in den aufgestellten "Wanderwandln" ein Fußbad nehmen.


Speik-Kurs in der Akademie

Am 22. September beginnt der Speik-Basiskurs in Bad Kleinkirchheim (9 Uhr). Nähere Infos, Anmeldung: Tel. (042 40) 278. Details im Internet: www.harmonys.at und www.nationalparknockberge.at

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