Fernwärme-Standort in Millstatt regt auf
In ehemaliger Busgarage im Zentrum Millstatts ist ein Fernwärmeheizwerk für 35 Objekte geplant. Gegen den behördlich vorgeschriebenen 25 Meter hohen Kamin machen Anrainer nun mobil.
Bürger formieren sich in Millstatt gegen ein geplantes Fernheizwerk. Alternativenergie wird zwar von allen begrüßt, aber nicht am dafür vorgesehenen Standort. Im Zentrum befinden sich aufgelassene Busgaragen, die vom Projektwerber "A & P Bioprojekte OG" nach Prüfung mehrerer Standorte im Gemeindegebiet für am geeignetsten befunden wurden.
Die Kritik der Anrainer richtet sich in erster Linie gegen einen 25 Meter hohen Kamin, mit einem Durchmesser von 75 Zentimetern, der das Ortsbild massiv stören würde. Im Vergleich dazu sind die Türme der Stiftskirche an die 40 Meter und der Sprungturm rund 20 Meter hoch. Laut Franz Aschbacher und Christian Pirker-Frühauf von der "A & P Bioprojekte OG" hat die Höhe des Kamins immissionstechnische Gründe, denn je höher der Kamin, desto höher der Schutz der Anrainer. An die 35 Objekte würden in der ersten Baustufe angeschlossen werden. "Dadurch werden 35, teils veraltete, Heizanlagen von öffentlichen Gebäuden, Hotels und Privaten ersetzt. Das trägt zu einer jährlichen Minderung von 1000 Tonnen Kohlenstoffdioxid und einer jährlichen Einsparung gegenüber einer Ölheizung im Ausmaß von 120.000 Euro für alle Abnehmer bei", schildert Aschbacher.
Ortsbildpflegekommission
Diese Argumente erscheinen den Anrainern plausibel, nur wollen sie natürlich nicht in einen 25 Meter hohen Kamin schauen. Die Projektwerber haben beschlossen, sich an die Ortsbildpflegekommission zu wenden: "Wir wissen von Heizwerken, die noch höhere Kamine haben, St. Paul oder Obervellach beispielsweise. Vielleicht hat die Ortsbildkommission eine Idee, wie wir damit umgehen können. Wir denken auch über eine künstlerische Gestaltung des Kamins nach."
Über 80 Millstätter haben per Unterschrift kundgetan, dass sie das Fernheizwerk im Zentrum nicht wollen. Bei der gewerberechtlichen Verhandlung seitens der Bezirkshauptmannschaft Spittal haben sie ihre Befürchtungen, die von der Beeinträchtigung des Ortsbildes über Lärm- und Emissionsbelastung bis zu einer Wertminderung ihrer Wohnungen reichen, vorgebracht.
Amtssachverständige für Luftreinhaltung und Schallschutz haben nach der Verhandlung entsprechende Auflagen verordnet. Die "A & P Bioprojekte", die in Oberkärnten sechs Heizwerke betreibt, ist gar nicht auf das Busgaragen-Areal fixiert. "Nach zweijähriger Suche haben wir aber keinen anderen Standort gefunden", betont Aschbacher, dessen Wunschstandort gegenüber der Pyramide "Kap 4613" an der Ortseinfahrt Millstatt gewesen wäre. Der Grund gehört der Nachbarschaft, die mehrheitlich gegen den Verkauf war. Mit der Prüfung des Projekts auf dem Busgaragen-Areal befasste sich Ziviltechniker Erich Moschik. "Er gilt als Experte auf dem Gebiet und genießt den Ruf, Anwalt der Anrainer zu sein. Unter Einhaltung anrainerschutztechnischer Auflagen hält er den Standort für geeignet", so Pirker-Frühauf. Die Bürger geben sich nicht geschlagen, sammeln weiter Unterschriften, weil sie eine erneute Behandlung des Themas im Gemeinderat erwirken wollen.
Features
FAKTEN
Werk. Auf dem Areal der ehemaligen Burgstaller Busgaragen im Zentrum von Millstatt ist eine Biofernwärmeanlage geplant, die rund 3,3 Millionen Kilowattstunden jährlich produzieren soll.
Anschlüsse. 35 Objekte, darunter Kongresshaus, Gemeinde, Schule, diverse Hotels und Private möchten sich derzeit anschließen.
Luftqualität. Laut Projektwerber "A & P Bioprojekte OG" würde sich die Luftqualität im Ort erheblich verbessern, weil eine Kohlenstoffdioxid-Einsparung von 1000 Tonnen pro Jahr erfolgen würde.
Öl. Veraltete Heizanlagen, die derzeit noch mit Öl betrieben werden, würden ersetzt, was eine Ölersparnis im Ausmaß von 120.000 Euro für alle Abnehmer zur Folge haben würde.













