"Das Ortsbild von Millstatt ist gefährdet"
Das "Forum Millstättersee", das sich für Ortsbildpflege einsetzt, kritisiert die geplante Wohnanlage im historischen Zentrum Millstatts.
Nachdem bereits mehrere Anrainerfamilien der geplanten Wohnanlage im Zentrum Millstatts Einwendungen abgegeben haben, meldete sich nun auch der Verein "Forum Millstättersee", eine Initiative, die sich dem Ortsbildschutz verschrieben hat, kritisch zu Wort.
"Uns geht es um die Entwicklung des Ortes und - für einen Tourismusort wesentlich - des Ortsbildes. Was hier geplant ist, übersteigt bei Weitem das Erträgliche", sagt die Schriftführerin des Vereins, Dora Gmeiner-Jahn. Bisher gab es keine Möglichkeit, sich das Projekt in seinen realen Ausmaßen vorzustellen. "Angeblich ist der neuste Einreichplan ortsbildverträglich. Unsere maßstabgetreue Visualisierung beweist das Gegenteil", kritisiert Gmeiner-Jahn. Derzeit liegt der Bauantrag bei Bürgermeister Josef Pleikner als Baubehörde erster Instanz. In der Juni-Ausgabe der Gemeindezeitung informierte er über die gesetzmäßigen Kriterien der laufenden Vorprüfung. Eines sei der "Schutz des Ortsbildes". "Das Bundesdenkmalamt hat sich bereits kritisch zum vorliegenden Projekt geäußert. Wir hoffen, dass die Baubehörde das ernst nimmt", betont Alfred Mansbart, Obmann des Forums.
Zu hoch für Umgebung
Bauträger der Wohnanlage "Boto" mit 13 Einheiten ist, wie berichtet, die Regger Real GmbH, die in Millstatt bereits mehrere Wohnanlagen in ähnlichem Stil realisiert hat. Die Anrainer kritisieren vor allem, dass bei der geplanten Anlage die zur Verfügung stehenden 1400 Quadratmeter Grund bis auf den letzten Quadratmeter ausgenutzt werden und das dreigeschoßige Gebäude mit geschätzten 16 Metern zu hoch im Vergleich zu den umliegenden Objekten sei.
Bürgermeister Pleikner hingegen versichert, dass die Ortsbildpflegekommission des Landes eingebunden war, ebenso wie der "Bauanwalt" der Bezirkshauptmannschaft Spittal, Bernhard Wohlmuther: "Nach Prüfung aller Unterlagen erachtet die Ortsbildpflegekommission das Bauvorhaben für bewilligungsfähig." Es gab zwar einen ersten Entwurf, der laut Pleikner von der Ortsbildpflegekommission diskussionslos abgelehnt wurde, die Überarbeitung des Planes wurde den umliegenden Gebäuden in Größe, Höhe und Stil angepasst.
"Aus einem lang gezogenen Gebäude wurden drei kleinere Objekte, die mit offenen Stiegenhäusern verbunden sind. Das Objekt hat an Höhe verloren, Fassaden und Fensterform wurden dem umliegenden Baustil angepasst."
"Faire Abwägung"
"Als Ortsbildschützer wünschen wir uns eine faire Abwägung von privaten und öffentlichen Interessen und erwarten mit Spannung den Baubescheid", so Gemeiner-Jahn und Mansbart.
Features
FAKTEN
"Monströs". Im Vorfeld der für 23. Mai anberaumten Bauverhandlung zur geplanten Wohnanlage meldete sich Anrainer Nikolaus Hernagel zu Wort: "Wir sind umgeben von Villen aus der Jahrhundertwende, durch die der von Urlaubern stark frequentierte Villenweg führt. In dieses Ensemble einen so monströsen Bau hineinzusetzen, ist verantwortungslos."
Rechtsweg. Nach der Bauverhandlung gaben neun Anrainerfamilien, die vom Spittaler Rechtsanwalt Rolf Gabron vertreten werden, bekannt, alle ihnen zur Verfügung stehenden Rechtsmittel auszuschöpfen, um den Bau in dieser Form zu verhindern.
Forum. Jüngst äußerte auch der Verein "Forum Millstättersee" öffentlich Kritik.













