"Kultstätte" am Spittaler Wolfsberg
Das Schweinshaxenversteigern bei St. Wolfgang in Spittal zählt zu den beliebtesten Oberkärntner Osterbräuchen. Die Kirche, 1187 erstmals erwähnt, hat eine bewegte Geschichte.
Die Werbetrommel braucht man für einen Osterbrauch in Oberkärnten ganz bestimmt nicht zu rühren: Das Eierrollen und Schweinshaxenversteigern nach dem Gottesdienst in der Kirche St. Wolfgang am Wolfsberg, der die Grenze zwischen Spittal und Seeboden bildet, ist weitreichend bekannt und sehr beliebt.
Im angrenzenden Gasthof St. Wolfgang ist ORF-Volkskulturexperte Peter Altersberger geboren und aufgewachsen. Zur romanischen Kirche hat der 73-Jährige einen besonderen Bezug: "In meiner Kindheit und Jugend war ich fast wie ein Mesner." Ihm ist wichtig, die Geschichte der "tausendjährigen Kultstätte", wie er sie bezeichnet, nicht in Vergessenheit geraten zu lassen: "Im Volksmund wird erzählt, dass der Seerücken einstens von Wölfen verseucht war und man den Heiligen Wolfgang als Fürbitter gegen diese Plage angerufen hat. Dem heiligen Wolfgang, Bischof in Regensburg um 924, hat man die Kirche auch geweiht." Der romanische Bau, 1187 erstmals urkundlich erwähnt, ist eine typische Wehrkirche, ausgerüstet mit Schießscharten und geziert mit weißen Reliefsteinen aus der ottonisch-karolingischen Zeit.
Wertvoller Hochaltar
Der aus 1670 stammende Hochaltar mit seinen vergoldeten Ornamenten ist eine historisch höchst wertvolle Arbeit. Das ursprüngliche Altarbild ist nicht mehr erhalten. Es wurde 1938 vom Ferlacher Maler Franz Bucher durch ein Neues ersetzt. "Das wichtigste Ausstattungsstück der Kirche fehlt heute leider. Der spätgotische Flügelaltar mit der Darstellung des heiligen Wolfgang befindet sich seit 1966 im Diözesanmuseum in Klagenfurt. "Das Kleinod wird nie wieder zurückkehren, weil eine diebstahlsichere Anlage zu teuer käme", bedauert Altersberger. Umso mehr freut es ihn, dass derzeit Fresken in der gotischen Apsis freigelegt werden. Die italienische Restaurateurin Georgia Pozzi arbeitet für Restaurator Robert Smoley aus Oberdrauburg. Ihrer Einschätzung nach dürfte das Fresko, das sie freilegt, aus dem 14. Jahrhundert stammen: "Das Wandbild ist gut erhalten, daher werde ich es nur an einigen Stellen nachmalen müssen."
Heidnisches Ritual
Das Fresko zeigt die heiligen Peter und Paul sowie den heiligen Wolfgang. Letzterer wird morgen wohl über die Schweinshaxenversteigerung auf dem Kirchplatz wachen, fließt doch der Erlös in die Restaurierung der Kirche. "Der Brauch, der in heidnischen Tieropferritualen seinen Ursprung hat, ist inzwischen zu einem sehr beliebten Volksfest geworden", sagt Altersberger.
Features
FAKTEN
Festfolge. Am morgigen Ostermontag beginnt in der Kirche St. Wolfgang um 9 Uhr der Gottesdienst. Er wird von der Trachtenkapelle Seeboden und dem MGV Seeboden musikalisch umrahmt.
Versteigerung. Nach der heiligen Messe werden Dechant Wilhelm Freytag und Hellmuth Koch vom Tourismusbüro Seeboden Schweinshaxen versteigern. Der Reinerlös der Versteigerung fließt in die Renovierung der Kirche.
Familienprogramm. In den beiden Gasthöfen am Spittaler Wolfsberg - Gasthof St. Wolfgang und Gasthof Simeter - wird ein buntes Programm für Familien geboten. Für Speis und Trank ist gesorgt.
Shuttlebus. Die Straße auf den Spittaler "Eierberg" ist am Ostermontag aufgrund des Andrangs traditionsgemäß gesperrt, daher wird von 8 bis 19 Uhr ein Shuttlebus ab dem Merkur-Markt, dem Baumax und dem Hofer Ost in Spittal eingerichtet. Die Busse fahren in kurzen Intervallen.













