Heiligenblut im Kampf um die Stockmühlen
Den über 500 Jahre alten Apriacher Stockmühlen in Heiligenblut könnte durch ein geplantes Kleinkraftwerk das Wasser abgegraben werden. Betreiber versucht, besorgte Anrainer zu beruhigen.
Die Apriacher Stockmühlen zählen zu den bekanntesten Ausflugszielen des Nationalparks Hohe Tauern. Das Ensemble, bestehend aus acht funktionstüchtigen, über 500 Jahre alten Mühlen entlang des Apriacher Bachs (Gemeinde Heiligenblut), ist einzigartig und steht daher unter Denkmalschutz.
Seitdem die Kraftwerkspläne von Anton Suntinger 2008 bekannt wurden, kämpfen fünf Mühlenbesitzer gegen das Vorhaben. Die größten Sorgen sind laut Anrainersprecher Sebastian Schorn, dass die Mühlen nicht mehr genug Wasser bekommen, Lärmbelästigung und die Zerstörung des Ortsbildes. Suntinger besitzt einen gültigen wasserrechtlichen Bescheid der Bezirkshauptmannschaft Spittal. Gegen den Bescheid haben fünf Anrainerfamilien Beschwerde eingereicht. Die Einwände wurden allerdings vom Land (Abteilung 15) für nicht ausreichend erklärt, um den Bescheid abzuändern. Aufgrund der abgewiesenen Beschwerde werden nun auch Heiligenbluts Politiker und das Bundesdenkmalamt aktiv.
Wichtiges Kulturgut
Vizebürgermeister Gerwald Wallner (FPK): "Herrn Suntinger kann man in rechtlicher Hinsicht nichts vorwerfen, trotzdem sollten sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen, damit das Thema nicht in einen handfesten Nachbarschaftsstreit mündet." Bürgermeister Josef Schachner (HBL): "Gegen alternative Energieerzeugung, wie sie von Anton Suntinger angestrebt wird, ist nichts einzuwenden, nur dürfen die Stockmühlen, eines unserer wichtigsten Kulturgüter, keinen Schaden erleiden." Das Denkmalamt, das im Verfahren keine Parteistellung hatte, wird den Fall von hausinternen Juristen prüfen lassen. "Es gilt zu klären, ob ein Kraftwerk mit dem Mühlen-Ensemble kompatibel ist", sagt Landeskonservator Axel Hubmann.
Suntinger, dem bereits in zweiter Instanz der Bau des Kleinkraftwerkes bewilligt wurde, klärt auf: "An der Wassermenge für die Mühlen ändert sich nichts, weil ich das Wasser erst 20 Meter unterhalb der letzten Mühle entnehme und das Kraftwerk weitere 30 Meter darunter errichte. Meine Nachbarn weigern sich, den Bescheid genau zu lesen, dann würden sich nämlich alle Fragen erübrigen. Laut Lärmgutachten ist der Bach lauter als die Turbine. Was die Optik betrifft, werde ich das Kraftwerk in den Hang bauen, sodass es kaum sichtbar ist und es mit Holz verkleiden." Suntinger wird 2011 bauen. Ob die Anrainer den nächsten Instanzenweg beschreiten, ist noch offen.
Features
FAKTEN
Lage. In Apriach, südöstlich von Heiligenblut, befinden sich acht Stockmühlen, die hintereinander am Steilhang entlang des Apriacher Bachs angelegt sind.
Begriff. Der Name leitet sich von der hölzernen Antriebsachse des Mühlsteins, im Volksmund "Stock" genannt, ab, nicht von der stockwerkartigen Anordnung der Mühlen.














