Römer-Herz schlägt seit 100 Jahren
Mit neuer Besuchertribüne und Rückbesinnung auf alte Strukturen erstrahlt das historisch wertvolle frühchristliche Mosaik in Teurnia (Lendorf) zum 100-Jahr-Jubiläum seiner Entdeckung.

Foto © KleinsasserDie neue hölzerne Tribüne ist behindertengerecht zugänglich und gewährt den Besuchern einen besseren Überblick über das frühchristliche Mosaik.
Eine Riesensensation, die viele Schaulustige anlockte, war die Entdeckung des frühchristlichen Mosaikbodens der Römerstadt Teurnia bei St. Peter in Holz in Lendorf im Jahre 1910 - also vor 100 Jahren!
Bereits zwei Jahre zuvor waren Sträflinge, die 1908 beim Bau einer Wasserleitung zu Aushubarbeiten herangezogen worden waren, aus purem Zufall auf alte Mauern gestoßen und hatten so den Ausgrabungen an einer frühchristlichen Friedhofskirche den Weg geebnet.
Zukunftsweisend
"Man wusste anhand von Grabungen aus dem 18. Jahrhundert, dass sich auf den Hügeln von St. Peter in Holz oder in deren Umfeld irgendwo eine Kirche befinden musste. Teurnia wurde ja auch als Bischofssitz urkundlich erwähnt", erklärt Ferdinand Kargl, Kustos des Römermuseums Teurnia. "Was man allerdings nicht wusste, war, dass es dort außerhalb der antiken Stadtmauern Teurnias auch ein so gut erhaltenes frühchristliches Mosaik gibt und dessen Entdeckung kann man ohne Weiteres als kleine Sensation bezeichnen."
Zukunftweisend ist für Kargl, "dass man das Mosaik damals nicht abgetragen und zerschnitten hat, um es in verschiedenen Museen auszustellen, wie es leider mit vielen anderen Funden passiert ist. Stattdessen hat man das Mosaik an Ort und Stelle belassen und dort ausgestellt." Um dieses Weltkulturdenkmal und die gut erhaltenen Abschnitte in der Vorhalle der Friedhofskirche zu schützen, wurden sie bereits 1913 mit jeweils einem der ersten musealen Schutzbauten im Alpenraum überdacht.
Stifter und Gleichnisse
Die Friedhofskirche von Teurnia gehört mit ihrer architektonischen Gestaltung zu den anspruchsvollsten frühchristlichen Sakralbauten im Alpenraum. Sie wurde während der Herrschaft der Ostgoten (493 bis 536) errichtet. Das Mosaik in der Seitenkapelle hat Ursus, der Militärkommandant der Provinz, gestiftet - auf ihn wird auch im Mosaik namentlich hingewiesen. "Man kann sagen, dass dieser Militärkommandant damals in etwa die gleiche Funktion hatte, wie heutzutage ein Landeshauptmann", sagt Kargl.
Die im Mosaik abgebildeten Tiergleichnisse sind im Sinne der christlichen Glaubenslehre zu deuten und sollten vor allem den Analphabeten christliches Gedankengut näherbringen. So symbolisiert etwa der Reiher, der die Schlange im Schnabel hält, den Sieg Christi über das Böse, während die säugende Hirschkuh ein Sinnbild für die Liebe Gottes ist.
Besserer Blick von oben
"Das Mosaik ist so etwas wie das geheime Herz der Römerstadt Teurnia. Es ist mystisch und inspirierend und zwar insofern, als dass man hier die Wurzeln des Christentums sieht", sagt Kargl. Zum 100-Jahr-Jubiläum seiner Entdeckung wurde das Weltkulturdenkmal nun von den Restauratoren des Landesmuseums nicht nur gründlich gereinigt, auch der Blick auf das Kunstwerk für die Besucher wurde verbessert. "Es wurde eine neue hölzerne Tribüne geschaffen, die den Gästen durch den erhöhten Standort einen besseren Überblick über das Mosaik gewährt. Das Holz setzt sich vom Originalbestand schön ab und der Boden fällt in einer sanften schiefen Ebene zum Eingang hin ab, so, dass ein behindertengerechter Zugang gegeben ist", erklärt Franz Glaser, stellvertretender Direktor des Landesmuseums Kärnten und Leiter des Römermuseums Teurnia.
Gefühl für antike Räume
Weiters veranschaulicht ein Rekonstruktionsmodell, wie die frühchristliche Friedhofskirche ausgesehen hat, damit der Besucher ein Gefühl für die damaligen Räume bekommt und sich in diese Zeit hineinfühlen kann. Beleuchtete Tafeln klären über die Bedeutung der Bildnisse des Mosaiks auf.
"Wir haben auch die Abmauerung des Querschiffes aus dem Jahr 1959 abgetragen und durch eine Glaswand ersetzt, sodass der Blick wieder wie in der Antike vom Querschiff aus in den Altarraum möglich ist", sagt Glaser.
Features
RÖMERMUSEUM TEURNIA
Öffnungszeiten. Das Römermuseum Teurnia in St. Peter in Holz bei Lendorf hat noch bis 10. Oktober täglich außer Montag von 9 bis 17 Uhr geöffnet.
Führungen. Führungen durch die Bischofskirche in St. Peter in Holz und die Untere Friedhofskirche an der Bundesstraße sind bei Anmeldung unter Telefon (0 47 62) 338 07 möglich.













