Seit 58 Jahren auf der Suche nach dem Sohn
Spurlos verschwunden ist seit September 1952 das "Peppele", Sohn der Oberdrauburgerin Theresia Hecher. Seither vergeht kein Tag, an dem die Mutter nicht an ihn denkt.

Foto © KK/PRIVAT "Sie haben ihn mir gestohlen", sagt Theresia Hecher. Oben: ein Foto des 15 Monate alten Josef, des "Peppele"
Den Blick keck in die Ferne gerichtet, mit seiner Lieblingssüßigkeit Mannerschnitten in der Hand, wurde Josef Hecher vor über 58 Jahren abgelichtet. Das letzte Foto von ihm, denn drei Monate danach, am 22. September 1952, war der Kleine spurlos verschwunden.
Seither vergeht kein Tag, an dem die Mutter, Theresia Hecher aus Oberdrauburg, nicht an ihn denkt. "Am besten, ich fange ganz von vorne an", sagt die 81-Jährige, der jener Tag des Verschwindens minutiös in Erinnerung geblieben ist: "Ich hatte gleich nach der Geburt immer Angst um mein Peppele gehabt. Ich konnte aber nie benennen, was es war. In der Nacht, bevor mein Sohn verschwunden ist, habe ich schlecht geträumt und bin ganz verängstigt aufgewacht. Feldarbeit mit meinem Mann stand an jenem Tag auf dem Programm. Meinen Sohn brachte ich zur Schwiegermutter, die direkt im Ort lebte."
"Sie haben ihn gestohlen"
An jenem Nachmittag sank sie am Feld plötzlich zusammen und musste heftig weinen. "Nach der Arbeit haben mich im örtlichen Geschäft alle so komisch angeschaut, als ich noch einkaufen war. Natürlich waren auch Mannerschnitten fürs Peppele dabei. Erst als ich nach Hause kam, liefen mir meine Nichten, damals drei und vier, entgegen und riefen ganz aufgeregt, dass sie das Peppele verloren hätten." In dieser Sekunde konnte die Bäuerin alle Signale deuten. "Jetzt haben sie ihn mir gestohlen", war das Erste, was sie sagen konnte. Die Gendarmerie ging davon aus, dass der 18 Monate alte Josef in den Lauenbach, der gleich neben der Bundesstraße verläuft, gestürzt war. In einer Suchaktion wurde alles akribisch abgesucht, allerdings ohne Erfolg. Hecher hingegen wollte vom Tod ihres Sohnes nichts wissen: "Jemand, der vorbeigefahren ist, muss ihn einfach mitgenommen haben."
Im Laufe der Jahre hat sie Wahrsager und Kartenleger kontaktiert. Alle waren der Meinung, er würde noch leben und hätte eine leitende Position inne. Einige Spuren gab es zwar in den vergangenen Jahren, sie verliefen allerdings im Sand. Seit einem Jahr befindet sich die siebenfache Mutter in psychotherapeutischer Behandlung. "Früher konnte ich über den Schmerz in meinem Herzen mit niemanden reden, nicht einmal mit meinem Mann Josef, der vor sieben Jahren gestorben ist. Seit der Therapie bricht alles wieder auf und ich spüre, dass mein Kind noch lebt."
Entführte Kinder
Die Arbeit am Hof, sechs weitere Kinder und die Hoffnung, dass ihr Ältester ein Leben lebt, das sie ihm nie hätte ermöglichen können, halfen ihr über den Schicksalsschlag hinweg.
Berichte über entführte Kinder, wie vor Kurzem im Einkaufszentrum "Europark" in Salzburg, wühlen sie nach wie vor auf. Wer könnte sich besser in jene Eltern hineinfühlen? In ihrem letzten Lebensabschnitt wünscht sich die agile Pensionistin, Frieden zu finden und vielleicht durch ein Wunder auch ihr Peppele.
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Ein Foto des 15-Monate alten Josef, des "Peppele"Foto © KK













