Heftige Kritik an "meine heimat"-Bau
Konflikt zwischen Zivilinvalidenverband und "meine heimat". Grund ist Missachtung des Behinderten-Gleichstellungsgesetzes beim Bau einer Spittaler Wohnanlage.
In die zweite Runde geht die Kritik seitens des Österreichischen Zivilinvalidenverbandes (Öziv) an der neuen Wohnanlage in der Spittaler Lagerstraße. Wie berichtet, ist die in der vergangenen Woche eröffnete "meine heimat"-Anlage laut Kurt Hofer, Öziv-Obmann in Spittal, nicht barrierefrei gebaut worden. Hofer hat inzwischen Schützenhilfe von Werner Pruckner, Öziv Klagenfurt und Mitglied der Steuerungsgruppe für barrierefreies Bauen in der Abteilung 7 der Kärntner Landesregierung, bekommen. Pruckner: "Karl Woschitz von der Wohnbaugenossenschaft ,meine heimat' ist offenbar der Meinung, seine Firma brauche das seit 2005 in Kraft stehende Bundesbehinderten-Gleichstellungsgesetz nicht zur Kenntnis nehmen."
Das Gesetz bezieht sich in der Önorm B 1600 für barrierefreies Bauen auf behindertengerechte Planungsgrundsätze bei Neubauten, Umbauten und Sanierungen. Mit dieser Norm sollte bis 1. April dieses Jahres erreicht werden, dass vorhandene Barrieren abgebaut und neue Barrieren gar nicht erst geschaffen werden. Seit April sind diese Richtlinien in der Kärntner Bauordnung und im Wohnbauförderungsgesetz gesetzlich verankert. Karl Woschitz, "meine heimat"-Geschäftsführer in Villach, weist die Kritik harsch zurück: "Mit dem Behinderten-Gleichstellungsgesetz habe ich mich noch nie befasst. Eine Norm ist außerdem kein Gesetz. Bindend sind für mich die Kärntner Bauordnung und das Wohnbauförderungsgesetz. Beiden wurde beim Bau der Wohnanlage in der Lagerstraße entsprochen."
"Keine Meisterleistung"
"2008 wurde die Anlage geplant. Zwei Jahre zu brauchen, um ein Gesetz zu lesen und nicht zu verstehen, ist für den Entscheidungsträger einer Wohnbaugesellschaft keine Meisterleistung", deponiert Pruckner. Laut Woschitz gab es weder Einwände seitens der Bauordnung noch Beschwerden seitens der neuen Mieter. Außer: "Wir haben zwei behindertengerechte Wohnungen in der Lagerstraße. Die derzeitigen Mieter sind gesund und verstehen nicht, warum ihnen eine Behindertenwohnung zugewiesen wurde", schildert Woschitz, der 8000 Wohnungen verwaltet, die bisher bei Bedarf nachträglich barrierefrei adaptiert wurden.
Features
KRITIKPUNKTE
Lokalaugenschein. Kurt Hofer schaute sich die Wohnungen in der Spittaler Lagerstraße an.
Bad & WC. Die Türen zu den sanitären Anlagen weisen nur eine Breite von 70 Zentimetern auf. Die Badezimmer sind in einigen Wohnungen mehrere Meter von den Toiletten, in denen es kein Waschbecken gibt, entfernt.














