Tunnel und Radweg statt eines Kraftwerks in Lieser
Im März war die ÖVP Seeboden für Grundverkauf an Kraftwerks-Investor. Jetzt erfolgte ein Meinungsschwenk in Richtung Natur und B 99-Verkehrslösung.
Totaler Meinungsschwenk bei der ÖVP Seeboden: Mitte März war man im Gemeindevorstand noch für den Verkauf eines 501 Quadratmeter großen Grundstückes an der Lieser, das ein Investor für sein Kraftwerk in der Lieser erweben wollte.
"In der folgenden Gemeinderatssitzung haben sich zahlreiche Fragen ergeben, die zu klären waren. Da haben wir erkannt, welche schwerwiegenden Folgen ein Kraftwerk für den Lebensraum Lieserschlucht haben kann", erklärten gestern in einer Pressekonferenz im Gasthof Ertl Bürgermeister Wolfgang Klinar, Vizebürgermeister Christian Tribelnig und Tourismusreferent Ino Bodner. "Ein armseliges Rinnsal will niemand haben - auch der Tourismus nicht", bekräftigt Bodner das ÖVP-Nein.
"Wir haben dazugelernt, jetzt werden wir Aufklärungsarbeit leisten im Gemeinderat und in der Bevölkerung", blickt Klinar auf die Arbeit, die vor der nächsten Ratssitzung mit dem im März vertagten Punkt zu leisten ist.
Natur & Tunnel
"Wir streben eine Resolution ans Land an, mit dem Inhalt, an der Lieser kein Kraftwerk zu bauen. Stattdessen wollen wir von Seebach bis in die Lieserschlucht hinein einen Natur-Erlebnis-Bereich und die Bundesstraße verkehrsfrei machen. Einzig Radfahrer und Langsamverkehr sollten sich da bewegen dürfen. Für den großen Verkehrsstrom muss ein Tunnel von der Autobahnzufahrt bis in den Bereich des Marienheimes in der Stadt Spittal errichtet werden", erklärt Klinar.
Laut Tribelnig ist "der 850 Meter lange Tunnel mit einer Lieserbrücke in Spittal nach der Genehmigung innerhalb eines Jahres machbar". Er habe sich von Experten auch die Kosten schätzen lassen, diese würden etwa 16 Millionen Euro betragen. "Ähnliche Kosten drohen aber auch, wenn eine Lawinengalerie gebaut oder laufend Geländesicherungen oberhalb der derzeitigen Straße erfolgen müssen", sagt Tribelnig, der den Tunnel als optimale Verkehrserschließung für den Raum Spittal-Millstätter See sieht.
Features
DIE LIESERSCHLUCHT
Alter. Laut dem Kärntner Landesgeologen Richard Bäk ist die Lieserschlucht ein epigenetisches Tal, das erst seit rund 5000 Jahren besteht.
Länge. Die Schlucht erstreckt sich von Seebach in der Marktgemeinde Seeboden bis in die Stadt Spittal und hat eine Länge von 1,5. Kilometern. Neben dem Lieser-Fluss führt auch die stark befahrene Katschberg Bundesstraße B 99 und der Spazierweg Liesersteig durch die Schlucht.
Projekte. 1998 wurde erstmals ein Radweg-Projekt durch die Schlucht vorgestellt, mit versprochener Fertigstellung 2003. Seit damals werden mehrere Varianten diskutiert. Vor zwei Jahren wurde erstmals ein Kraftwerks-Projekt initiiert - mittlerweile ist bekannt, dass es dazu drei Bewerber gibt.
Zukunft. Die ÖVP Seeboden stellt sich nun gegen das Kraftwerk mit Standort in Seebach, sie will stattdessen einen "verkehrsfreien Lebensraum Lieserschlucht mit Natur-Erlebnis-Bereich" anstreben.











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