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Zuletzt aktualisiert: 03.04.2010 um 23:31 UhrKommentare

Obervellacher klopft nun in Kanada auf Holz

Ohne ein Wort Englisch und mit fünf Dollar in der Tasche wanderte der Mölltaler Josef Wadlegger vor über 50 Jahren nach Kanada aus, wo er eine Landwirtschaft und Holzfirma betreibt.

Foto © Privat

Die Menschen hier in Kanada sind einmalig. Hier gibt es keine Ausländer. Man lebt mit den Kulturen aus der ganzen Welt. In meinem Heimatort Clearwater sind die meisten Leute Einwanderer der zweiten Generation aus Europa und jeder hilft dem Nachbarn, wenn er in Not ist. Das gefällt mir hier am besten", schwärmt Josef "Joe" Wadlegger von seiner neuen Heimat, in der er mit seinen Söhnen Hans und Sepp eine erfolgreiche Holzfirma betreibt.

Vor mehr als 50 Jahren, ohne ein Wort Englisch zu sprechen und mit nur fünf Dollar in der Tasche, landete der damals 24-jährige Mölltaler am 25. Juni 1959 in Edmonton in Kanada.

Zwischenstation Dänemark

"Geboren wurde ich 1935 am Ranacherhof in Semslach bei Obervellach. Unter acht Cousins und Cousinen war ich der Jüngste und allgemein als Ranacher Sepp bekannt. Als ich zwölf war, erbte mein Vater vom Großvater den Hof vulgo Oswald und so wurde ich der Oswald Sepp. Ich hatte noch sieben Geschwister und keine richtige Ausbildung, da mein Vater mich am Hof brauchte. Erst mit 19 kam ich in die Landwirtschaftsschule nach Lienz", erzählt Wadlegger, der nach seiner Schulzeit mit der Hilfe eines Freundes erst mal für zwei Jahre nach Dänemark ging. "Aber ich wollte bald weiter in die Welt und ein Freund meines Vaters, der 1951 nach Kanada ausgewandert war und gerade auf Heimaturlaub in Mallnitz weilte, sagte, er könnte mich dort auf seiner Farm aufnehmen. In meiner Familie waren alle dafür, versicherten mir aber, dass ich immer einen Platz in der Heimat haben werde", erinnert sich Wadlegger.

Schwere Anfangszeit

"Da ich die englische Sprache nicht konnte, war die erste Zeit in Kanada sehr schwer, aber man hat irgendwie immer Menschen kennengelernt, die deutschsprachig waren", sagt der nun 75-Jährige, der sich auf Forstwirtschaft umstellte, die ihm mehr Möglichkeiten bot. Für eine schwedische Holzfirma hat Joe Wadlegger 25 Jahre lang Holzschlägerungen übernommen. "Über diese Firma bin ich 1964 auch nach Clearwater gekommen, wo ich meine Frau Hazel kennengelernt und eine Familie gegründet habe. Hazel kommt aus der Landwirtschaft und liebt die Tiere. Die Landwirtschaft ist unser großes Hobby. Wir haben Pinzgauer-Rinder und ich bin sehr zufrieden mit ihnen", erzählt der vierfache Vater und zehnfache Großvater, der im Sommer mit seiner Familie die vielen Seen genießt, die es in der Gegend gibt: "Ein Paradies für junge Menschen!" Auch für einige Schüler der Forstschule Bruck an der Mur sowie aus Brasilien, Dänemark, Deutschland und Mexiko, die Wadlegger in seinem Unternehmen schon als Praktikanten beschäftigte.

Alle zwei bis drei Jahre besucht Wadlegger seine alte Heimat Obervellach im Mölltal: "Leider kenne ich nicht mehr viele Menschen, aber ich habe meine Beziehungen nach Kärnten immer aufrechterhalten, sodass alle meine Verwandten schon einmal ihren Urlaub bei mir in Kanada verbrachten."

CAMILLA KLEINSASSER

AUSLANDSOBERKÄRNTNER

Clearwater. Clearwater ist eine kleine ländliche Ortschaft mit rund 4000 Einwohnern in der Provinz British Columbia an der Westküste Kanadas. Das ganze Gebiet ist mit Gebirgsketten durchzogen und eher dünn besiedelt. Die größte Stadt British Columbia und ihr Wirtschaftszentrum ist Vancouver, wo heuer die Olympischen Spiele stattfanden.

Grenzenlos. In der Serie "Von Oberkärnten in die weite Welt" stellt die "Kleine Zeitung" Personen vor, die sich in der Ferne ein neues Leben aufgebaut haben.

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