Abschied von der Tragtierstaffel
Die Heeres-Tragtierstaffel von Spittal wird noch heuer nach Tirol verlegt. Gestern feierten die Soldaten Abschied von ihren Haflingern.

Foto © Rie-PressDie Haflinger trabten zum Abschied auf den Spittaler Burgplatz
Hunderte Spittaler haben sich gestern am Burgplatz eingefunden, um Abschied zu nehmen. Abschied von lieb gewonnenen Mitbewohnern, die seit Jahrzehnten das Stadtbild mitgeprägt haben. "Viele haben wir schon beim Namen gekannt, wie Aron und Brutus", erzählte eine Dame mit Hut und überdimensionalem Regenschirm. Aron und Brutus sind zwei von 18 Haflingern, die gestern beim Traditionstag des Jägerbataillons 26 offiziell verabschiedet wurden.
51 Jahre lang haben die Tragtiere zum Jägerbataillon gehört wie Sturmgewehre und Transport-Fahrzeuge. Doch jetzt geht eine Ära zu Ende. Schon vor mehr als drei Jahren ist im Oberland ruchbar geworden, dass die Tragtierstaffel aufgelöst werden soll. "Schuld" ist die Heeresreform, die in allen soldatischen Bereichen auf Zentralisierung setzt.So waren die Tragtierstaffeln von Lienz und Landeck schon 2005 aufgelöst, die dort stationierten Tiere auf den Truppenübungsplatz in Hochfilzen verlegt worden.
Galgenfrist
"Wir haben noch eine knapp vierjährige Galgenfrist bekommen", erinnert sich Bataillons-Kommandant Erhard Eder. Auf Landes- und Bundesebene haben sich Politiker um den Erhalt der Tragtierstaffel bemüht. Ihr Argument: Spittal verfügt über die einzige Tragtierstaffel südlich des Alpenhauptkammes, die bei Katastrophen ebenso unverzichtbar sei wie beim Transport von Waffen, Gerät und Verpflegung im Hochgebirge. Doch diese Strategie stieß bei den Heeresplanern auf taube Ohren. Die Tiere müssen weg, weil in Hochfilzen an der Grenze zwischen Tirol und Salzburg ein hochmoderner Tragtier-Stützpunkt eingerichtet worden ist. Oberst Eder kann diese Entscheidung nicht zu 100 Prozent nachvollziehen: "Natürlich gibt es Hubschrauber und Fahrzeuge für Truppen- und Materialtransporte. Aber Hubschrauber können nicht bei jedem Wetter fliegen. Fahrzeuge stoßen gerade im Hochgebirge bald an ihre Grenzen."
Hafer und Stroh
Ein weiteres wichtiges Argument liefert Futtermeister Josef Abwerzger: "Das Futter für einen Haflinger kostet gerade einmal drei Euro pro Tag. Denn die Tiere geben sich mit Hafer, Stroh und Heu zufrieden. Dafür sind sie in der Lage, bis zu 100 Kilogramm Lasten auf den Berg zu schleppen. Im Alter von 15 Jahren werden die Pferde an private Interessenten abgegeben."
Bei Kadersoldaten und Grundwehrdienern haben sich die Tiere größter Beliebtheit erfreut. Abwerzger: "Da sind richtige Freundschaften entstanden." Beweis dafür: Die beiden Wachtmeister Daniel Habeler und Martin Fick gehen gemeinsam mit "ihren" Pferden ins tirolerische Hochfilzen.














