"Pier One" in Seenot
Die geplante Schifffahrts- und Erlebniswelt der Brüder Soravia in Millstatt droht an der Standortfrage und unzureichender Informationspolitik zu zerschellen.

Foto © PirkerWestlich des Millstätter Standbades soll die von der Soravia-Gruppe geplante Erlebniswelt Pier One entstehen
Interessierte können immerhin seit Kurzem unter www.pierone.at einen Blick auf das Projekt werfen, sie bleiben nach dem Besuch der Seite aber meist so ratlos wie zuvor. Weder finden sich Angaben über die vermutlichen Dimensionen des Bauwerks noch Hinweise auf den Umfang allfälliger Schauen oder über ins Auge gefasste Exponate.
Diese brennenden offenen Fragen haben den "Pier One", der als Leuchtturm-Projekt für die Region auch bei den Kritikern außer Streit steht, in gefährliche Seenot gebracht. Am Dienstag kommender Woche wird sich eine Bürgerinitiative vorstellen, hinter deren Forderungen sich in nur wenigen Tagen mehr als 500 Millstätter stellten. Die von der Gemeinderatsnamensliste Hofer-Klinar gezogene Aktion steht dem "Pier One" grundsätzlich keineswegs ablehnend gegenüber - doch Standort und Vorgangsweise sind für sie völlig unakzeptabel. Nachdem der ursprüngliche Plan, den "Pier One" im Strandbad Pesenthein (das ebenfalls der Gemeinde gehört) zu errichten, scheiterte, bot die Gemeinde den Brüdern Soravia ein attraktives Ersatzareal an: das Strandbad Millstatt mit dem historischen Sprungturm, wahrscheinlich eines der schönsten Bäder in den Alpen.
Bis zu maximal 900 Quadratmeter des über 8000 Quadratmeter großen Areals sind ÖVP und BZÖ bereit, für den Bau des "Pier One" freizumachen und haben dies im Gemeinderat mit 13 zu 10 Stimmen in einem "Letter of Intent" festgeschrieben. Im Wege eines Baurechtsvertrags soll den Soravias für 99 Jahre das Nutzungsrecht eingeräumt werden, um einen Euro pro Jahr (da auch Grundflächen des Landes und der Bundesforste betroffen sind, müsste man aber noch rechtliche Probleme aus dem Weg räumen).
"Verschenkter Seegrund"
Die Bürgerinitiative zeigt sich empört darüber, dass hier ein wertvoller Seegrund (Quadratmeterpreis: mindestens 1000 Euro) praktisch verschenkt werde. Obendrein hält sie den Standort grundsätzlich für ungeeignet. Das Bad sei schon jetzt zu klein, die Parkplatzmisere nur durch eine Großgarage lösbar, wofür die Gemeinde die Kosten tragen solle und Motorboot-Verkehr würde den Badebetrieb stören.
"Wir wollen einen anderen Standort", verlangt Gemeinderat Josef Hofer, "und wir wollen keinen Blanko-Scheck für die Soravias unterschreiben, sondern zuerst alle Fakten auf dem Tisch haben." Josef Klinar, Mitglied der Bürgerinitiative, tritt dafür ein, dass die Soravias den "Pier One" auf eigenen Gründen realisieren.
Bürgermeister Josef Pleikner (ÖVP) sieht hinter der Kritik politische Motive und steht weiter uneingeschränkt zum Projekt. Es werde kein Seegrund verschenkt, sondern man stelle ihn dem Investor zur Verfügung und behalte das Eigentumsrecht. Und durch die Sonderwidmung Museum habe man Vorsorge getragen, dass keine Spekulation möglich sei. Auch zu eng werde es wegen Liegeflächen am Dach nicht. Nicht zuletzt brauche man den "Pier One", so Pleikner, "um die defizitären Bäder der Gemeinde besser auszulasten".
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Pier-One-Chronologie
Projekt. 2007 gelangte die Idee, am Millstätter See eine Schifffahrts-Erlebniswelt mit interna-tionaler Strahlkraft zu bauen, erstmals in die Öffentlichkeit.
Konzept. Schiffswerft mit besonderen Booten, U-Boot zur Unterwasserwelt-Erkundung, Ausstellungs- und Veranstaltungsräume, Bar, Restaurant, und vieles mehr.
Investition. Acht Millionen Euro, davon drei Millionen von öffentlicher Hand. 15 Arbeitsplätze, davon sieben Ganzjahres-Arbeitsplätze.
Standort. Das Strandbad Pesenthein erwies sich nach Prüfung sieben möglicher Standorte als geeignetster. Nach heftigen Bürgerprotesten einigte man sich aber auf das Strandbad Millstatt.













