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Zuletzt aktualisiert: 04.07.2009 um 23:37 UhrKommentare

So kam die Tauernbahn zur Stromversorgung

Dampfloks prägten die Tauernbahn-Eröffnung vor 100 Jahren. Obervellacher Schuldirektor "bearbeitet" die Elektrifizierung.

Carol Notdurfter mit seiner Dissertation über die Elektrifizierung der Tauernbahn vor dem Kraftwerk

Foto © LiebhartCarol Notdurfter mit seiner Dissertation über die Elektrifizierung der Tauernbahn vor dem Kraftwerk

Carol Notdurfter (61) aus Obervellach ist Hauptschuldirektor und ein Eisenbahnliebhaber von Kind an, denn er wuchs in Bahnhofsnähe in Lienz auf. Die Eisenbahn wurde zu seinem großen Hobby. Er ist Mitglied der Eisenbahnfreunde Lienz und Schriftführer der Südbahn Zeitung, Rubrik Modellbahn. In seinem Wohnhaus hat er - no na - eine Modellbahnanlage. Es lag nahe, dass er für seine 2002 fertig gestellte Doktorarbeit die Elektrifizierung der Tauernbahn zum Thema hat. "Zwei Jahre lang habe ich recherchiert und war in Österreich in Archiven, Bibliotheken und Museen unterwegs. In der Region führte ich Gespräche mit Personen, die Verträge über Wasserrechte oder Stromdeputate mit der ÖBB haben", erklärt Notdurfter.

Kohlenmangel. Das Elektrifizierungsprogramm für die österreichischen Eisenbahnen wurde am 23. Juli 1920 im Wiener Parlament beschlossen. Der große Kohlenmangel nach dem ersten Weltkrieg gab ebenso den Ausschlag dazu wie die betrieblichen Probleme der Dampflokomotiven auf den langen Rampenstrecken. Zwischen 1933 und 1935 war die Tauernbahn Südrampe zur Elektrifizierung an der Reihe. Als Baustelleneinrichtung beim Bau des 8551 Meter langen Tauerntunnels wurde 1906 das Kraftwerk Lassach bei Obervellach gebaut, das heute noch Lichtstrom (50 Hertz) liefert. Den Bahnstrom mit 33 1/3 Hertz für die Tauernbahn lieferte das 1929 in Betrieb genommene Kraftwerk Obervellach in Räuflach. "Ursprünglich war geplant, den Stappitzersee in Mallnitz zur Energiegewinnung aufzustauen. Dieser Plan wurde aber verworfen", erklärt der Bahnfan.

Abzweigung geplant. Beim Bau der Tauernbahn war zur Versorgung des Mölltales eine Abzweigung in Form einer Schmalspurbahn vom Rücken des Danielsberges bis vor Heiligenblut geplant. Der Ausbruch des 1. Weltkrieges verhinderte aber dieses Vorhaben. Der Bau des Kraftwerks Obervellach brachte der Bevölkerung als Ablöse für Grund- und Wasserrechte Lieferung von Strom. "Dies brachte Arbeitserleichterungen, aber keinen wirtschaftlicher Vorsprung. Die Elektrifizierung hat dem Tal keinen erkennbaren Vorteil gebracht, hingegen hat der Bahnbau das Tal belebt. Einheimische und Gastarbeiter fanden Beschäftigung", schreibt Notdurfter in seiner Dissertation.

Titel der Dissertation: "Die Eisenbahn greift über das Gleis hinaus" - Veränderungen der Mölltaler Umwelt durch die Elektrifizierung der Tauernbahn.

SIEGLINDE LIEBHART

Die Tauernbahn

Strecke. Die Tauernbahn ist die 79 Kilometer lange Strecke von den Bahnhöfen Schwarzach-St.Veit bis Spittal-Millstättersee.
Bau. Das Bauprogramm der k. u.k. Monarchie wurde von Carl Wurmb geleitet, der 1907 starb. An die 4000 Arbeiter aus aller Herren Länder waren beschäftigt.
Elektrifizierung. Am 1. Dezember 1933 begann der elektrische Betrieb von Schwarzach-St.Veit und Mallnitz. Die Gesamtstrecke war im Mai 1935 fertig.
Steigerung. Durch die Elektrifizierung konnten die Fahrzeiten im Personenverkehr um 25 Prozent und im Güterzugverkehr um 50 Prozent verkürzt werden.
Jubiläum. Heute wird das 100-Jahr-Jubiläum der Tauernbahn in Mallnitz (ab 11.25 Uhr) gefeiert.

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