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Zuletzt aktualisiert: 19.04.2009 um 05:04 Uhr

Großkirchheim: Türken wollen hier nicht her

Großkirchheim, das Dorf an der Grenze zur Ausländerfeindlichkeit? Die Bewohner nehmen die deftigen Aussagen ihres Bürgermeisters weitgehend gelassen. Ein Lokalaugenschein.

Foto © Hatz

Der Wind bläst ungemütlich kühl über die braunen Wiesen, die vor kurzem noch schneebedeckt waren. Theresia Strasser (78) ist an diesem Nachmittag mit der Milchkanne unterwegs zu ihrem Nachbarn Albin Pichler (102). Weihwasser bringt sie ihm in der Kanne. Der Wirbel nach Zeitungsberichten der vergangenen Tage über ihre Heimatgemeinde Großkirchheim passt nicht in diese ländliche Ruhe.

"Friedliche haben Platz." Die Aussagen von BZÖ-Bürgermeister Peter Suntinger über Türken, die hier kein Grundstück bekommen, über "Zecken, die das Land schädigen" und "unser Recht, das hier gilt", kommentiert Strasser mit jener Unaufgeregtheit, die typisch ist für die Bewohner des oberen Mölltals: "In einer Woche is des eh kein Thema mehr." Zur Ausländerfrage meint sie gelassen: "Die, die friedlich sind, haben Platz." Ausländer kommen in erster Linie als Touristen in die Nationalparkgemeinde nahe des Großglockners: zum Schifahren, Eisklettern, Wandern. Vor allem Deutsche, auch Holländer, Italiener, Tschechen. 42.000 Nächtigungen gibt es im Jahr.

"Nazidorf" haftete an. Im "Postkastl" im Hotel Post sitzen vier Männer vor ihrem kleinen Bier. Darüber, was zuletzt über Großkirchheim geschrieben wurde, wollen sie eigentlich gar nicht reden. Und schon gar nicht fotografiert oder namentlich genannt werden. Weil der Bürgermeister einen Wiener Journalisten warnte, "schreiben Sie ja nicht, wir sind ein Nazidorf" - und der das abdruckte, ist das mit dem Nazidorf jetzt hängen geblieben. "Das ist so, wie wenn ein Weiberer sagt, er sei kein Weiberer", kommentiert ein Großkirchheimer verärgert vor der örtlichen Bäckerei. Auch er will ungenannt bleiben. Ein Nazidorf sollen sie sein, weil der BZÖ-Anteil bei den Nationalratswahlen mit 51,9 Prozent österreichweit am höchsten war, empört sich die Runde am Wirtshaustisch. "Das mit dem Nazidorf ist etwas, das nicht stimmt. Basta" sagt einer in einem Ton, der keine Nachfrage duldet. Bis vor zwölf Jahren gab es ÖVP-Bürgermeister. Warum es jetzt einen orangen Bürgermeister und die BZÖ-Absolute gibt? "Der Fleissner war ein guter ÖVP-Bürgermeister, aber er war's zu lang", lautet die Begründung. Suntinger habe für die Gemeinde viel erreicht, loben auch jene hier im "Postkastl", die ihn nicht gewählt haben: Das Geld für die Kanalisation, die Wildbachverbauung, den Nationalpark. "Er ist ein harter Hund. Beim Reden aber auch beim Verhandeln".

Raue Welt. "Die Welt ist hier eine rauere. Zu den arschglatten gehör ich nicht", sagt Suntinger später, als er zur Gasthausrunde stößt. Einen "Nationalpark-Spritzer" bestellt er: Zirbenschnaps mit Soda und Sprite. Er stehe zu seinen heftigen Aussagen; die zuletzt in der Süddeutschen Zeitung wiedergegebenen seien aus dem Zusammenhang gerissen worden, lautet seine Erklärung. Türken wollen sich eh nicht ansiedeln, "wir haben ja keine Arbeitsplätze". Die Einheimischen müssen auspendeln.


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