Wo alles auf den Kopf gestellt wurde
Bürgermeister Jury (Gmünd) stark wie nie, Bürgermeister Eder (Seeboden) zieht sich zurück, Kollege Buchacher (Kirchbach) muss in die Stichwahl.

Foto © PirkerHatten gegen erstarkten Bürgermeister Josef Jury (BZÖ, links) keine Chance: Penker (SPÖ) und Obereder (ÖVP)
Was ist es für ein Gefühl, von der schwächsten Partei "über Nacht" zur stärksten im Gemeinderat zu werden? "Mir ist der Wahlerfolg schon bewusst, aber ich werde jetzt nicht in Jubel ausbrechen und mich über den Verlust meiner beiden Mitstreiter freuen", sagt Gmünds Bürgermeister Josef Jury, der mit dem BZÖ 50,25 Prozent bei den Gemeinderatswahlen eingefahren hat. Das führte zu einer deutlichen Verschiebung der Mandate. Das BZÖ hat fünf zu den bestehenden fünf dazugewonnen. Die SPÖ mit Spitzenkandidatin Heidemarie Penker hat drei von sieben Mandaten verloren. Die ÖVP mit Hans Peter Obereder musste einen Mandatsverlust von zwei auf nunmehr fünf einstecken.
Bestätigung. Als Bürgermeister wurde Jury mit 54,33 Prozent (985 Stimmen) in seinem Amt bestätigt. Und als Draufgabe erreichte das BZÖ in Gmünd bei den Landtagswahlen 50,1 Prozent. "Es wird Spaß, machen, in den nächsten sechs Jahren zu arbeiten", sagt Jury. Er glaubt, dass das BZÖ im Land sowohl das Finanz- als auch das Gemeindereferat für sich beanspruchen wird. "Das ist die perfekte Konstellation, um möglichst viel Geld für sinnvolle Projekte in unsere Kultur- und Künstlerstadt zu bringen", ist Jury zuversichtlich. Seinen Erfolg führt der 46-jährige Abgeordnete zum Nationalrat darauf zurück, dass er in den vergangenen vier Jahren acht große Projekte für die Stadt umsetzen konnte.
Krimi bis zum Schluss. Dass es ein knappes Rennen in Seeboden wird, war von Anfang an klar. Aber, dass es Wolfgang Klinar (ÖVP) im ersten Anlauf gelingen würde, den seit zwölf Jahren amtierenden Bürgermeister Egon Eder (BZÖ) aus dem Amt zu heben, war selbst für Klinar und sein 90-köpfiges Team eine Überraschung. Die Stimmenauszählung war ein Krimi bis zum Schluss. "162 von 250 Wahlkarten-Stimmen gaben schließlich den Ausschlag", schildert der 46-jährige Immobilien-Vermittler, der seinen Wahlerfolg gestern noch gar nicht realisiert hatte. 53,39 Prozent (2093 Stimmen) und ein Plus von drei Mandaten konnte er für sich verbuchen. Eder wurde mit 33,78 Prozent (1324 Stimmen) abgewählt, was für ihn zur Folge hat, dass er sich aus der Politik zurückziehen wird. "Entweder bin ich zu alt, oder ich habe zuviel für die Gemeinde getan. Ich denke, dass sich auch Firmenbelange negativ auf meine Funktion ausgewirkt haben", zieht der Baumeister (65), der seit 1. Jänner in Pension ist, Bilanz.
SPÖ verliert in Kirchbach. Helmut Haas (BZÖ) sorgte nicht nur für Verluste bei der SPÖ in der Bezirksstadt Hermagor. Auch in seiner Heimatgemeinde Kirchbach, wo die Parteienlandschaft auf den Kopf gestellt wurde, wird dem Landtagsabgeordneten ein Teil des BZÖ-Erfolges zugerechnet. Das BZÖ mit Spitzenkandidat Hermann Jantschgi wurde mit sieben Mandaten stärkste Partei. "Haas war als Gemeinderat bei uns tätig und sorgte für gute Kontakte zum Land", sagt Jantschgi, der in der Stichwahl mit Christof Buchacher (SPÖ) den Bürgermeistersessel holen will. Die SPÖ verlor zwei Mandate und stürzte vom ersten auf den dritten Platz ab.
"Bin sehr enttäuscht". Buchacher, seit 20 Jahren Bürgermeister, büßte 21,37 Prozent ein. "Ich weiß noch keine Antwort, ich bin aber sehr enttäuscht. Mein Ziel ist es, jetzt die Stichwahl zu gewinnen", sagt der 61-Jährige. Ein Minus von 5,59 Prozent und ein Mandat fuhr die ÖVP mit Christof Wassertheurer ein. Die FPÖ mit Peter Stefaner als Spitzenkandidat schaffte den Einzug in den Gemeinderat nicht.













