Betriebe schicken ihre Mitarbeiter"stempeln"
Kärntner Betriebe, die von Bauwirtschaft und Autoindustrie abhängig sind, spüren die Flaute besonders hautnah. Sie reagieren mit Arbeitspausen, Urlaubsabbau und Kündigungen mit Einstellungszusagen.
Winter-Arbeitslosigkeit am Bau, das war bis vor zehn Jahren gang und gäbe. Seither nutzte die Bauwirtschaft die milden Winter und aus den Saisonjobs wurde eine Ganzjahresbeschäftigung. Heuer dürfte das Schreckensgespenst der saisonbedingten Arbeitslosigkeit nach langer Zeit wieder auferstehen. Erste Indizien gibt es schon. "In den vergangenen acht Jahren haben wir den Winter durchgearbeitet, heuer müssen wir eine Pause einlegen", bedauert Ernst Wirth von Brenner Ziegel. Bisher wurde die Winterflaute mit dem florierenden Exportgeschäft nach Italien überbrückt. "Der italienische Markt ist uns leider weggebrochen, die Italiener spüren die Krise noch stärker, als wir." Während der Exportanteil nach Italien noch vor Kurzem bei 50 Prozent lag, ist er nun auf etwa fünf Prozent geschrumpft. Somit sind die Lagerplätze voll bis oben hin. Die Folge davon: 12 der 35 Beschäftigten werden stempeln. Sie alle haben aber Einstellungszusagen, sobald die Situation wieder rosiger wird.
Konjunkturpaket vom Land gewünscht. Ähnlich reagiert die Firma Hasslacher Drauland in Sachsenburg. Auch Firmenchef Christoph Kulterer muss einen Teil seiner Belegschaft (bis zu 100 von 400 Beschäftigten) etappenweise zur Kündigung anmelden. Auch hier gilt für jeden Einzelnen die Einstellungszusage. "Zwei Dinge kommen zusammen: die schwächer werdende Konjunktur und der Winter, der in der Holzbranche traditionell schwächer ist", begründet Kulterer die Maßnahme. Er wünscht sich ein Konjunkturpaket vom Land, das in die Breite geht, zum Beispiel kommunale Hochbauprojekte und privater Hausbau.
Trist. Bis Oktober sah die wirtschaftliche Situation bei der Wolfsberger Offner Holzindustrie noch gut aus. Plötzlich muss Firmenchef Hans Michael Offner auf eine massive Baukrise reagieren und einen Teil seiner Belegschaft für die nächsten zwei bis drei Monate zur Kündigung mit Einstellungszusage anmelden. "Die Holzwirtschaft ist extrem vom Hochbau abhängig und da sind die Aussichten im nächsten Jahr trist. Die Baumaßnahmen in Mitteleuropa fallen durchwegs weg." "Was die Branche jetzt braucht, sind Wohnbauprojekte. Nur sie garantieren eine Potenzierung der Beschäftigung."
Reduktion. Nur einige Beispiele, wie es der Kärntner Wirtschaft derzeit geht. Personalreduktionen sind auch beim Schierzeuger Elan in Fürnitz angemeldet, der auf den schwachen Absatz bei Schiern und Snowboards reagieren muss, und bei den Lavanttaler Betrieben Montex und Knauf. Auch die Automobilzulieferer Infineon und Mahle Filtersysteme können sich nicht von der schwächelnden Autobranche abkoppeln. "Wir beobachten den Markt, der sich täglich ändert, und versuchen uns der Autoindustrie zuerst mit Urlaubsabbau anzupassen", sagt Mahle-Boss Franz Mlinar. Beispielsweise legt BMW heuer eine fünfwöchige Weihnachtspause ein, Opel braucht dringend Liquiditätshilfe.













