SPÖ baut auf den Baulöwen
Die SPÖ-Kärnten holt Hans-Peter Haselsteiner als Vordenker für ihr Zukunftsprogramm. Der sieht Versäumnisse in der aktuellen Politik.

Foto © Dr. Karl Renner Institut Kärnten/EggenbergerPhilip Kucher, Hans Peter Haselsteiner und Gaby Schaunig bei der Vorstellung Haselsteineres als Berater der SPÖ Kärnten
Ob Kärnten erster oder zweiter von hinten ist, liegt wohl nur an statistischer Unschärfe", so die Sichtweise von Hans-Peter Haselsteiner zur wirtschaftlichen Lage des südlichsten Bundeslandes. Es müsse etwas getan werden, meint man auch in der SPÖ und richtet mehrere Arbeitsgruppen unter dem plakativen Namen "Zukunftsforum Kärnten" ein. Gestern wurde der Leiter für Wirtschaft und Tourismus präsentiert: Haselsteiner höchstpersönlich. Genau ein Jahr vor der nächsten Landtagswahl scheint der Wahlkampf wohl endgültig eröffnet.
Keine Wahlempfehlung. Eine Wahlempfehlung für die Sozialdemokraten sei seine Teilnahme am Zukunftsforum nicht. "Ich bin und bleibe ein Liberaler. Sehr wohl ist es vorstellbar, dass es später eine Wahlempfehlung gibt. Nämlich dann, wenn viele liberale Gesichtspunkte in eine künftige Kärntner Wirtschaftspolitik einfließen", sagte der milliardenschwere Baulöwe gestern.
Ergebnisse. Auch SPÖ-Chefin Gaby Schaunig sah ihn gestern nicht als Wirtschaftslandesrat in einem Schattenkabinett. Sie sei vielmehr auf die Ergebnisse des Zukunftsforums gespannt. Inhaltlich wolle man in den nächsten Monaten über alles diskutieren, es dürfe keine Tabuthemen geben. Slowenisch als Pflichtfach. Mit Wirtschaftsförderungen und einer Steuerreform alleine könne man Kärnten nicht die rote Laterne abnehmen. Es müsse mehr geschehen. Der Bauunternehmer nannte mögliche Denkanstöße: "Slowenisch muss an allen Kärntner Mittelschulen zum Pflichtfach erhoben werden." Man müsse Kärntens ureigenstes Kapital - die Zweisprachigkeit im Lande - nutzen, um die enormen Möglichkeiten im Osten Europas realisieren zu können. Es bringe nichts, Erfolgsrezepte aus aller Welt zu kopieren. Man müsse auf das setzen, was es hier schon gebe, so Haselsteiner weiter.Auslandskärntner. Der bis nach Russland tätige Kärntner will auch Möglichkeiten der Rückholung vieler "Auslandskärntner" ausloten. Allerdings kämpfe man hier gegen das Henne-Ei-Prinzip an. Viele kämen eben nur wegen guter Jobs zurück, die es hier nicht en masse gebe, meint Haselsteiner.
Denken am See. Stellt sich die Frage, ob der Strabag-Vorstand auch Zeit für derlei Beratungen finden wird. "Ich werde mir gemeinsam mit anderen im Sommerurlaub Gedanken über Kärnten machen." Zudem könne man mit den Beinen im See vielleicht sogar besser denken als in einem stickigen Seminarraum.Politische Stimmung. Zur momentanen politischen Stimmung findet Haselsteiner klare Worte: "Beschissener als derzeit kann es nicht mehr sein. Es muss endlich einmal gemeinsam gearbeitet werden." So dürfe niemanden verwundern, wenn niemand Lust auf Politik habe.
Prominente. Vier weitere Arbeitsgruppen des Zukunftsforums sollen ebenfalls von Prominenten geleitet werden. Namen wollte Schaunig gestern keine nennen.
Features
Zur Person
Hans-Peter Haselsteiner wurde am 1. Februar 1944 in Wörgl geboren
Wirtschaft: Der Wirtschaftsprüfer machte die Strabag (ehem. Illbau) zu einem der führenden Baukonzerne Europas.
Politik: Gründungsmitglied des Liberalen Forums, war Nationalratsabgeordneter.
Foto

Wirtschaftliches Schwer-
gewicht Hans Peter HaselsteinerFoto © Dr. Karl Renner Institut Kärnten/Wajand













