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Zuletzt aktualisiert: 18.08.2012 um 20:30 UhrKommentare

Thomas Leeb: "Ich sehe mich selbst als bunten Hund"

Der Musiker und "Hochschober"-Sohn Thomas Leeb im Gespräch über Heimat, Erfolg und seine Erlebnisse als Straßenmusiker.

Foto © KK

Herr Leeb, Sie stammen aus der "Hochschober-Dynastie" auf der Turrach. Was haben Ihre Eltern dazu gesagt, dass Sie Musiker werden wollen?

THOMAS LEEB: Im ersten Moment haben sie schon ein bisschen geschnauft, aber sie haben mich eigentlich immer unterstützt. Sie haben nur darauf bestanden, dass ich die Schule fertig mache. Lange hatte es den Anschein, dass ich dadurch das "schwarze Schaf" der Familie wäre, aber daraus ist nichts geworden.

Einer Ihrer ersten größeren Auftritte war bei der ersten Auflage der Feldkirchner Rockfete vor genau 20 Jahren. Können Sie sich noch an den Auftritt erinnern?

LEEB: Ich kann mich noch gut erinnern. Ich war ziemlich nervös. Schließlich waren an die 700 Gäste in der alten Versteigerungshalle.

Welchen Stil spielten Sie damals?

LEEB: Ich hatte bereits meinen Stil, nur war der natürlich noch nicht so ausgefeilt wie heute. Auch die Technik war noch nicht so ausgereift. Im Vergleich zu heute muss ich geklungen haben wie "Micky Maus".

Die Rockfete war quasi der Startschuss. Wie ging es mit der Karriere weiter?

LEEB: Nach meinem Zivildienst begann ich, Medizin zu studieren. Zu dieser Zeit nahm ich an einem Open-String-Festival im deutschen Osnabrück teil. Dieser Auftritt veranlasste mich schließlich, mit Medizin aufzuhören und Musik zu studieren. Zuerst war ich ein Jahr in London und dann studierte ich am "California Institute of the Arts Music" in Los Angeles.

Zu Beginn Ihrer Karriere zogen Sie auch als Straßenmusiker durch Irland. Was haben Sie in dieser Zeit erlebt und gelernt?

LEEB: Ich habe gelernt, laut zu spielen, mich quasi akustisch zu behaupten. Und ich musste mir auch eingestehen, dass ich mit meiner Instrumental-Musik niemals so populär sein werde, wie der Straßenkünstler neben mir, der mit zwei Akkorden eher recht als schlecht "Beatles"-Lieder sang.

Schon 2004 hielten Sie bei 600 Konzerten. Wie viele sind es heute?

LEEB: Ich weiß nicht, sicher weit mehr als 1000. Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen.

Welcher Auftritt ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ?

LEEB: Nie vergessen werde ich meinen Johnny-Cash-Moment. Cash hat im St.-Quentin-State-Prison gespielt und ich in einem Hochsicherheitsgefängnis in Irland, in dem nur "Lebenslängliche" untergebracht sind. Am meisten haben die Insassen gejubelt, als ich "I shot the sheriff" gespielt habe.

Was ist Ihr nächstes Projekt?

LEEB: Demnächst werde ich mit einer Plattenfirma ein paar Singles aufnehmen. Für den Rest des Jahres stehen Tourneen durch Österreich, Irland, England sowie durch Asien an.

Welches musikalische Projekt haben Sie noch im Hinterkopf?

LEEB: Einmal möchte ich eine CD mit österreichischen Volksliedern aufnehmen. Ein Album, das selbst meine eingefleischten Fans wahrscheinlich nicht verstehen werden.

"20-Finger-Gitarrist", "Gitarren-Akrobat" oder "Gitarren-Magier" sind nur einige wenige Namen, die Ihnen in unterschiedlichen Artikeln gegeben wurden. Wie sehen Sie sich und Ihre Musik selbst?

LEEB: Als bunten Hund, und ein bisschen als Geschichtenerzähler.

Was war Ihr erster großer Erfolg?

LEEB: Als das amerikanische "Acoustic Guitar Magazine" mein Album "Desert Pirate" zu den essenziellen Alben der letzten 20 Jahre gezählt hat. Ein großer Erfolg ist auch, dass die Gitarrenfirma Lowden ein eigenes Thomas-Leeb-Modell produziert. Das ist quasi eine Lebensauszeichnung.

Ab wann war es möglich, von der Musik zu leben? Und mit welchen Nebenjobs haben Sie vorher Geld verdient?

LEEB: Ich hatte eigentlich noch bis 2003 Nebenjobs. Ich habe unter anderem Blumen ausgeliefert, habe als Kurier gearbeitet und bin ein ziemlich guter Gabelstapelfahrer.

Sie wohnen seit vielen Jahren in Amerika. Was hat Kalifornien was Kärnten nicht hat?

LEEB: Sommer wie Winter ist es trocken und warm. Es hat schon was, wenn man im Dezember im T-Shirt vors Haus gehen kann.

Sie sind auf der Turrach aufgewachsen und kommen auch jetzt regelmäßig nach Hause. Was hat sich dort am meisten verändert?

LEEB: Es sind zwar viele Häuser und neue Lifte dazugekommen, der Grundcharakter des Ortes hat sich aber nicht verändert.

Anfänglich war Ihre Familie von Ihrer Berufswahl als Musiker nicht so begeistert. Was sagt sie jetzt dazu?

LEEB: Jetzt sind sie natürlich alle stolz auf mich.

HANNES STEINMETZ

Zur Person

Thomas Leeb (34) ist gebürtiger Turracher und lebt seit Jahren in Los Angeles

Familie. Verheiratet und Vater einer Tochter

Alben. Bisher hat er sieben Alben veröffentlicht, nämlich "Reveller", "Hope", "Riddle", "Spark", "Upside down", "Desert Pirate" und "No Alibis"

Musik. Leebs Stil ist schwer zu charakterisieren, er spielt Instrumental-Stücke mit Percussion-Elementen

Erfolge. Auszeichnungen durch das amerikanische "Acoustic Guitar Magazine" sowie die Produktion einer eigenen Thomas-Leeb-Gitarre

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