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Zuletzt aktualisiert: 11.08.2012 um 20:30 UhrKommentare

Alexander Antonitsch: "Nachwuchsarbeit ist das Wichtigste"

Auf der Annenheimer Tennisanlage seiner Familie traf sich Ex-Tennisprofi Alexander Antonitsch mit Kleine Zeitung-Redakteurin Elena Moser zum Gespräch über Sport, Nachwuchsarbeit und Kärnten.

Ex-Tennisprofi Alexander Antonitsch

Foto © KLZ/Helmuth WeichselbraunEx-Tennisprofi Alexander Antonitsch

Herr Antonitsch, die Zeit als aktiver Tennisprofi liegt hinter Ihnen. Wie oft zieht es Sie nach Kärnten und welche Erinnerungen verknüpfen Sie heute mit der seit Jahren geschlossenen Rasen-Tennisanlage in Treffen?

ALEXANDER ANTONITSCH: Es hätte was daraus werden können. Ich bin von öffentlicher Seite aufgefordert worden, mich für eine Rasen-Tennisanlage einzusetzen. Nach dem Personenwechsel in der Politik konnte sich keiner mehr an Zusagen erinnern. Nach Kärnten komme ich zwei, drei Mal im Jahr, derzeit aus Kitzbühel, wo ich Turnierdirektor bin. Auf der Rückreise nach Niederösterreich habe ich eine Woche Kärnten-Urlaub eingelegt.

Wie nimmt man außen herum wahr, was sich im Land abspielt?

ANTONITSCH: Kärnten ist wunderschön, die Gegend am Ossiacher See perfekt. Ich genieße, was man alles unternehmen kann, auch wenn in Annenheim nicht viel los ist. Als Kärntner wird man jedoch seit Jahren geheckelt. Es ist absolut Zeit für einen Neubeginn, weil jetzt ein furchtbares Sittenbild von Kärnten in die Welt geht. Wenn es nicht bald zu einem Neustart kommt, nehmen Tourismus und Wirtschaft noch mehr Schaden.

Außer ihrem Job in Kitzbühel und als ORF-Kommentator: Wie sieht ihr Alltag aus?

ANTONITSCH: Ich habe mich sehr stark der Nachwuchsförderung im Sport verschrieben. Meine Tochter Mira ist die Tennis-Nummer-eins in Österreich. Mein Sohn Sam ist im Eishockey vorne mit dabei. Ich habe vor Jahren mit einem zweiten Vater eine Hockey-Akademie gegründet, in der sportliche Kinder auch eine schulische Ausbildung bekommen. Wir haben hier 100 internationale Kinder und das Projekt läuft sehr gut. Auch die dazugehörige Hockeymannschaft "Jung Tigers" ist sehr gut drauf.

Nachwuchsförderung ist Ihnen aus persönlichen Erfahrungen ein immens wichtiges Anliegen?

ANTONITSCH: Ich bin mit 14 vom Gymnasium in die Südstadt gekommen, dann war der Sport das Allerwichtigste. Kinder sollen jedoch auch die Möglichkeit bekommen, eine Matura zu absolvieren. Das Lernen muss auf ihre zeitlichen Möglichkeiten abgestimmt werden. Für meine Tochter zimmern wir gerade mit der Ausbildungsschiene Dr. Roland eine Variante. Diese Möglichkeiten gab es zu meiner aktiven Zeit nicht. Heute existieren andere technische Möglichkeiten, lernen kann man überall. Nachwuchsarbeit muss professionell gemacht werden, derzeit ist man hier auf Charity angewiesen.

Sie haben mit Thomas Muster und Horst Skoff Tennisgeschichte geschrieben. An welche Erfolge denken Sie am liebsten zurück?

ANTONITSCH: Die emotionalsten Momente erlebte ich beim Daviscup 1990 im Praterstadion mit 18.000 Tennisbegeisterten. Das wird es nie wieder geben. Und dann das Achtelfinale 1990 in Wimbledon gegen Ivan Lendl. Da habe ich angeklopft, ganz vorne mitzuspielen. Ich war unter den 40 Besten der Welt. 1992 der Daviscup in Kanada, 1993 in Neuseeland war sensationell.

Hat Sie der Job des Daviscup-Captains jemals interessiert?

ANTONITSCH: Mich interessiert nur Nachwuchsarbeit, sie ist das Wichtigste. Ich mache stets mehrere Sachen parallel. Die Arbeit beim ORF ist spannend. Unsere Internetplattform www.tennisnet.com ist eine gute Ebene. Wir müssen sie in Deutschland stärken. Grundsätzlich stimme ich Jobangebote mit der Familie ab.

Was macht die Faszination des Tennissports für Sie aus?

ANTONITSCH: Im Tennis lernt man als Allererstes das Verlieren, auch Roger Federer geht ein Mal pro Woche als Verlierer vom Platz. Das ist persönlichkeitsbildend. Tennis ist vielseitig, man spielt im Team beim Daviscup, Doppel oder als Einzelkämpfer.

Wer ist für Sie der aktuell beste Tennisspieler und welche Eigenschaften muss man für diesen Sport mitbringen?

ANTONITSCH: Für mich ist Federer der Beste. Er bringt alles mit, was man als Tennisspieler braucht. Ich hätte auch vor dem Spiel gewettet, dass er Olympia gewinnt.

Apropos Olympia: Kommentieren sie die Intellekt-Aussage von Schwimmer Markus Rogan?

ANTONITSCH: Unter den Sportlern gibt es, wie im Leben überhaupt, intellektuell unterschiedliche Begabungen. Man trainiert und muss dann die Fähigkeit im Kopf haben, das Trainierte sofort abzurufen. Der Kopf muss frei sein. Wenn Rogan das gemeint hat, hat er es dämlich drübergebracht.

Wie oft kommen Sie zum Tennisspielen?

ANTONITSCH: Diese Woche habe ich mit meinem Sohn eine Stunde gespielt. Aber ich komme selten dazu. Im Winter spiele ich Eishockey.

Hat Tennis Zukunft?

ANTONITSCH: Es gibt viele Talente in den Kärntner Hochburgen, sie werden nur nicht zentral gefördert. Tennis hat Zukunft, vor allem weil Einzelsportarten wegen sinkender Geburtenraten im Steigen sind.

Mit welchen Charakterzügen beschreiben Sie sich?

ANTONITSCH: Ich bin treu, zuverlässig, enorm begeisterungsfähig und dadurch sehr belastbar. Ich denke positiv, leider nachtragend. Meine Weltoffenheit will ich meinen Kindern weitergeben.

Würde Sie ein Job in der Sport- oder Bildungspolitik reizen?

ANTONITSCH: Ehrlich gesagt glaube ich, dass ich mit meiner jetzigen Arbeit mehr bewegen kann.


Zur Person

Eckdaten. Alexander Antonitsch, am 8. Feber 1966 in Villach geboren, Wohnort Mödling. Er besuchte das Peraugymnasium vor Wechsel in die Südstadt. Verheiratet, Vater von Mira (13) und Sam (16).

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