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Zuletzt aktualisiert: 28.07.2012 um 20:30 UhrKommentare

Martina Hohenlohe: "Die Kärntner Köche müssen kreativ werden"

Andernfalls bekommt keiner von Martina Hohenlohe vier Hauben. Ihren Jugendfreund Uwe Scheuch fordert sie zum Rücktritt auf.

Martina Hohenlohe

Foto © MuellerMartina Hohenlohe

Hier, in Ihrem Wochenendhaus im niederösterreichischen Weinviertel ist es idyllisch: ein Schwimmteich - aber kein Millstätter See; schönes, flaches Land - aber kein Danielsberg. Vermissen Sie nichts?

MARTINA HOHENLOHE: Die Berge fehlen mir wahnsinnig. Nur, in einer Stunde von Wien in der Idylle zu landen, da muss man Abstriche machen. In meine Heimat fahre ich vier Stunden und mit kleinen Kindern ist das eine Herausforderung für die Nerven. Sie lieben diesen Teich hier, ich muss zugeben, dass ich darin nicht schwimme - wir haben Schlangen und ich bin von den Kärntner Seen verwöhnt.

Was vermissen Sie noch?

HOHENLOHE: Ich wäre gerne näher bei meiner Familie. Aber nachdem ich in Spittal maturiert hatte, ging ich für ein Jahr nach Philadelphia und New York. Ich wollte alles: Großstadt, Kultur, Partys, Männer! Bei der Abreise war klar: Ich komme nicht zurück.

Zu eng, keine Karriereaussichten, keine interessanten Männer?

HOHENLOHE: Alles zusammen! Und da war auch noch Jörg Haider . . . Nein, ich wollte über Kunst schreiben oder im Kunstmanagement arbeiten. In Spittal hätte ich wohl nur schwer einen Job gefunden. Es ist dann anders gekommen, ich fing in Wien beim "Kurier" an und entdeckte meine Leidenschaft für das Kulinarische . . .

Heute sind Sie Chefredakteurin des Restaurantführers GaultMillau. Warum hat noch kein Kärntner Restaurant vier Hauben bekommen?

HOHENLOHE: Es war leider noch keines gut genug. Vier Hauben das bedeutet Perfektion, das vergeben wir nur ganz selten. Silvio Nickol hätte im Schlossstern im Schlosshotel Velden das Potenzial dazu gehabt, aber er war damals noch nicht so weit.

Woran liegt das? Man sollte meinen, die Wörtherseegesellschaft ist ein gutes Publikum für Spitzengastronomie.

HOHENLOHE: Die Saison um den Wörthersee ist kurz, nur Juli und August. Dafür ist es zu kostspielig, so ein Restaurant aufzuziehen. In Kärnten haben wir eine extrem solide, zuverlässige Leistung, die zwei bis drei Hauben verdient. Um mehr zu bekommen, müssen die Kärntner Köche kreativ werden. Einen Fisch anbraten und auf ein Risotto legen, das können Sie auch.

Also ich persönlich nicht so gut, aber viele Hobbyköche.

HOHENLOHE: Und für Hauben verlangen wir mehr! Es gibt aber schon einige Junge, die sehr kreativ sind: Stefan Lastin, der heute im Schlossstern kocht, und Hubert Wallner vom Bad Saag.

Versuchen manche Wirte, Sie zu bestechen?

HOHENLOHE: Früher, mit Gratis-Restaurantbesuchen. Ich habe natürlich immer abgelehnt. Wir vom GlautMillau nehmen aus Prinzip keine Einladung an, mittlerweile akzeptieren das alle. Das erspart uns auch, wenn wir privat essen gehen, die Diskussion darüber, ob wir zahlen dürfen.

Ihr Mann ist der Gesellschaftsjournalist Karl Hohenlohe. Sie haben, um es altmodisch zu formulieren, in ein ehemaliges Fürstenhaus eingeheiratet. Herrschen dort andere Tischsitten?

HOHENLOHE: Als ich zum ersten Mal Karis Verwandte treffen sollte, war ich so nervös, als würde ich die Queen treffen: Was ziehe ich an, was rede ich, wie verhalte ich mich? Dann hat sich ständig jemand um mich gekümmert, hat Konversation mit mir gemacht, damit ich mich wohlfühle. Sie haben von klein auf gelernt, dass das die wichtigsten Tischmanieren sind: Aufmerksamkeit und Höflichkeit. Dass man sich nicht zuprostet und nicht "Mahlzeit!" sagt, das ist ja schon allgemein bekannt . . .

Woher weiß ich dann, wann ich essen darf?

HOHENLOHE: Na, wenn die Queen beginnt! Also, wenn die Hausfrau beginnt, zu essen.

Sie kommen aus Mühldorf, kennen Sie sicher die Scheuchs . . .

HOHENLOHE: Ja, Uwe war eine Klasse über mir. Er war ein lustiger, netter, hilfsbereiter Kumpel. Kurz hätte er mir sogar gefallen, aber er war schon mit Jutta, seiner heutigen Frau, zusammen. Ich bin erschüttert, was aus ihm geworden ist. Mit seiner Politik kann ich rein gar nichts anfangen. Er sollte sofort zurücktreten - egal, ob das Urteil rechtskräftig ist oder nicht.

Ist die Politik am Ende der Grund dafür, warum man Ihnen die Kärntnerin nicht anhört?

HOHENLOHE: Nein. Einen starken Dialekt hatte ich nie, weil mein Vater in Niederösterreich aufgewachsen war. Und in beruflichen Interviews finde ich Dialekt nicht angebracht. Aber ich lege schon Wert darauf, dass meine Kinder wissen, dass ihre Mutter Kärntnerin ist: Wir essen Strankalan, tragen Leiberle und sammeln Tschurtschen.

INTERVIEW: EVA WEISSENBERGER

Zur Person

Martina Hohenlohe, geboren als Martina Malle 1972 in Spittal/Drau.

Karriere: Ab 1995 Journalistin beim "Kurier", ab 1996 als Gourmet-Kritikerin. Seit 2005 Chefredakteurin des Restaurantführers GaultMillau Österreich.

Privat: Verheiratet mit Karl Hohenlohe, Seitenblicke-Redakteur und Opernballkommentator.

Wortspenden

Wo ist Heimat? Mein Mann sagt: "Wo mein Hut hängt." Ich sage: Heimat ist, wo die Familie ist.

Kärntner Lieblingsgericht? Definitiv Kasnudeln.

Bestes Restaurant Oberkärntens? Das Landhaus Kellerwand in Kötschach-Mauthen.

Wozu verpflichtet Adel? Zu einem höflichen Miteinander.

Die wichtigste Regel bei Tisch? Nicht mit vollem Mund zu reden.

Das Wichtigste bei der Erziehung? Liebe! Und wenn ich manchmal streng sein muss, versuche ich ihnen alles zu erklären.

Ein falsches Vorurteil über Kärnten? Dass alle Kärntner Blau wählen.

Ein wahres Urteil über Kärnten? Dass die Kärntner ständig singen. Ich liebe Kärntner Lieder und singe auch wahnsinnig gerne.

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