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Angelica Ladurner: "Ein Porcianer muss man sein wollen"
Angelica Ladurner, die designierte Intendantin der Komödienspiele Porcia, über die große Liebe ihres Lebens, über ihr Haus am Millstätter See und warum sie die Komödie ernst nimmt.

Foto © KLZ/RieblerVor fünf Jahren hat Angelica Ladurner das Seehaus am Südufer des Millstätter Sees gekauft. Hier verbringt sie viel Zeit und genießt die Stille
Angelica Ladurner, Stellvertreterin von Intendant Peter Pikl, lebt mit ihren Kindern Maria (19) und Severin (11) in Innsbruck. Im Sommer übersiedelt die Schauspielerin und Regisseurin ans Südufer des Millstätter Sees.
Was wird das treue Porciapublikum erwarten? Brechen Sie mit der Tradition, wird kein Stein auf dem anderen bleiben?
ANGELICA LADURNER: Tradition bedeutet für mich nicht, Anbetung der Asche, sondern Bewahrung des Feuers - wie Mahler sagt. Das Typische von Porcia möchte ich fortsetzen. Zum Einen ist der Spielstil von Herbert Wochinz geprägt. Hier hat die romanische und französische Komödie, die schnell auf Pointen geht, ein Zuhause. Peter Pikl hat diesen Stil von Wochinz übernommen, aber auch die österreichische Komödie und das Boulevardstück hereingenommen. Das Besondere an Porcia ist die Mischung von Klassik und ganz modernen Komödien. Ich kann mir aber schon vorstellen, dass ich als Frau noch einen anderen Stil einbringen werde. Die Auswahl der Stücke ist ja auch eine Frage des eigenen Humors. Und da die Komödienspiele die große Liebe meines Lebens sind, werde ich mit diesem Geschenk sorgsam umgehen.
In den Theatern der Jetztzeit geben große Namen den Ton an. In Porcia scheint dieser Zeitgeist noch nicht angekommen zu sein?
LADURNER: Das zweite Standbein der Tradition ist das Ensembletheater. Porcia wurde als Ensemble gegründet. Große Theaterleute waren immer Jahre mit ihren Schauspielern zusammen, Peter Stein, Claus Peymann etwa, aber auch Giorgio Strehler. Das gibt es alles kaum mehr. Und in Porcia ist der Ensemble-Geist durch Peter Pikl immer noch da.
Sie sind seit 17 Jahren Mitglied des Ensembles. Was ist das Besondere an Porcia?
LADURNER. Ein Porcianer muss man auch sein wollen. Ein Porcianer muss ein humorvolles Arbeitstier sein und ein Schauspieler durch und durch. Einer, der nicht sich selbst und seiner Eitelkeit dient, sondern im Grunde nur spielen will, damit Theater stattfindet. Das Ensemble ist der Star, nicht der Einzelne.
In Porcia wurde immer Theater für das Publikum gemacht. Besteht dabei die Gefahr, dass der künstlerische Anspruch auf der Strecke bleibt?
LADURNER: Schon aus finanziellen Gründen wird hier im vollen Bewusstsein Theater für das Publikum gemacht. Wenn wir es nicht schaffen, das Publikum zu faszinieren, sind wir nicht lebensfähig. Theater ist immer ein Dialog. Das ist kein Monolog von eitlen Schauspielern. Porcia ist eines der ältesten Festivals in Österreich. Diese kleine Stadt Spittal hat ja seit 50 Jahren ein eigenes Theater. Das muss man sich einmal bewusst machen.
Sie haben heuer die Premiere vor der Premiere, das Stück "Die schwarze Köchin" beim Springbrunnen inszeniert. Wird es bei einer Off-Stage Produktion bleiben?
LADURNER: Vorerst ja. Wir haben diesen Zeitpunkt ganz bewusst gewählt, da wir schon spielen möchten, wenn die Schüler noch durch die Stadt ziehen. Diese junge Publikumsschicht anzusprechen und für das Theater zu faszinieren, sehe ich als meine vorrangige Aufgabe an.
Wenn Sie in Spittal arbeiten, leben Sie in Ihrem Haus am Millstätter See. Werden Sie in Zukunft öfter in Kärnten sein?
LADURNER: Ganz bestimmt, ich liebe den Millstätter See. Und wenn ich alt bin, möchte ich hier meinen Lebensabend hier verbringen.
Features
Biografie
Angelica Ladurner (45) studierte in Innsbruck Schauspiel, Gesang und Querflöte und stand mit elf Jahren als Knabe in Mozarts Zauberflöte am Tiroler Landestheater zum ersten Mal auf der Bühne. Zahlreiche Rollen folgten, Engagement als Schauspielerin in Regensburg, Stuttgart, am Volkstheater Wien, am Landestheater Salzburg und bei den Komödienspielen Porcia, am Augenspieltheater/Hall und bei den Vereinigten Bühnen Bozen. Sie ist Lehrende für Sprechen an der Universität Mozarteum in Salzburg und Dozentin an der Akademie für Logopädie in Innsbruck. Seit 17 Jahren ist Ladurner Ensemblemitglied der Komödienspiele Porcia.
Wortspenden
An Kärnten mag ich: ganz besonders die Seen.
Werner Schneyder ist: einer meiner besten Freunde.
Mein Haus am See: ist für mich mein Refugium, mein kleines Paradies.
Als Mutter bin ich: meinen Kindern manchmal etwas peinlich.
Sprache ist für mich: ein Geschenk.
Schuhe sind: für mich ziemlich wichtig.
Dialekt halte ich: für eine durchaus auch gefährliche Heimat.
Schwach werde ich: bei einem guten Glas Sauvignon Blanc aus der Steiermark.
Als Regisseurin bin ich: immer auch noch Schauspielerin.
Meine Lieblingsfarbe ist: die Farbe meiner Rosen.
Am besten arbeiten kann ich: Mit Menschen meiner Geistes- und Herzenshaltung.









