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"Man kommt viel herum und trifft die Stars"
Der gebürtige Schieflinger Christian Konrad ist der Leiter des Filmressorts im ORF. Er interviewt alle möglichen Hollywood-Stars - bei den Oscars, Golden Globes und bei Filmfestspielen.

Foto © KLZ
Seit 13 Jahren sind Sie beim ORF, seit 2010 Leiter des Filmressorts. Bereits 2003 wurde Ihnen angeboten, mit auf Festivals zu fahren. Damals lehnten Sie ab. Warum?
CHRISTIAN KONRAD: Weil ich 2003 erstmals Vater wurde und man viel im Ausland ist. 2009 wurde ich gefragt, ob ich die Leitung übernehmen will, weil Gabriele Flossmann in Pension ging. Dieses Angebot nahm ich an. Ein Jahr lang schulte mich meine Vorgängerin auf Festivals ein, seit den Filmfestspielen in Venedig im Oktober 2010 leite ich das Filmressort.
Sie berichten von den Oscars, Golden Globes, von Filmfestspielen, interviewen alle Stars . . .
KONRAD: Das Filmressort ist eines der spannendsten und faszinierendsten. Man kommt viel rum und trifft viele Stars. Beim Fernsehen hat man gegenüber anderen Medien Privilegien. Als Fernsehsender redet man allein mit den Stars.
Wie steht es um das Ansehen des ORF im Ausland?
KONRAD: Sehr gut. Das hängt mit meiner Vorgängerin Gabriele Flossmann zusammen, die 30 Jahre lang für Qualität bürgte. Sie hielt sich immer an die Abmachungen.
Welche Abmachungen?
KONRAD: Nur Fragen zur Arbeit und keine privaten, nur dort drehen, womit die Stars einverstanden sind . . . Es kommt immer wieder vor, dass Privatsender bei Interviews rausfliegen, weil sie private Fragen stellen. Leonardo Di Caprio lässt die Leute reihenweise rausschmeißen. Dabei ist er supernett und redet gern über Politik. Wer keine blöden Fragen stellt, hat keine Probleme.
Welche Stars sind noch nett?
KONRAD: Bruce Willis, Pierce Brosnan, Antonio Banderas, Jake Gillenhall, Jeff Bridges, Anne Hathaway und Cameron Diaz beispielsweise. Tom Hanks legt gleich den Arm um einen und fragt, wie's dir geht. Angelina Jolie hingegen ist nicht unnett, aber sehr kühl, trotz allem jedoch sehr professionell.
Gibt's auch schwierige Kaliber?
KONRAD: Ja, Anthony Hopkins.
Wie lange dauern Fernsehinterviews in der Regel?
KONRAD: 3,5 bis fünf Minuten.
Wer gibt keine Interviews?
KONRAD: Regisseur Pedro Almadovar beispielsweise und Sean Penn hasst die Presse, wie die Pest.
Sie reisen viel. Klingt nicht nach einem familienfreundlichen Job . . .
KONRAD: Ist er auch nicht, ich fliege 30.000 Meilen im Jahr. Das ganze Jahr ist was los, die Golden Globes, Oscars, Filmfestspiele in Cannes, Venedig . . . Man könnte jede Woche wo sein, wo ein Film präsentiert wird oder Dreharbeiten sind.
Sind Sie bei Interviews nervös?
KONRAD: Anfangs ja, jetzt nicht mehr. Höchstens bei wirklichen Größen wie Anthony Hopkins.
Gibt es auch sprachliche Hürden?
KONRAD: Das erste große Interview hatte ich vor zehn Jahren mit Robert De Niro und Billy Crystal. Damals suchte ich mir eine Frage aus dem Wörterbuch. Doch beide verstanden mich nicht und als Antwort gab's ein "Pardon?". Daraufhin wurde ich ziemlich rot. Vom Dialekt her ist es mit Schotten und Iren schwierig. Harry-Potter-Star Rupert Grint ist total schwer zu verstehen. Bei Andy Serkis, der "Gollum" bei "Herr der Ringe", hatte ich überhaupt keine Chance. Wegen seines Akzentes und weil er irrsinnig schnell spricht.
Wie ist es, bei den Oscars zu sein?
KONRAD: Es ist ein Riesenspektakel, bei dem man die Leidenschaft der Amerikaner für Filme sieht. Diese gibt's bei uns nicht. In Amerika gehen sogar alte Leute ins Kino. Die Leidenschaft und Achtung vor dieser Kunstform ist ansteckend. Während den Oscars wird das "Kodak Theatre" auf hunderte Meter von einer Spezialeinheit abgeriegelt, Zutritt gibt's nur mit einem Ausweis.
Gibt es etwas Spannenderes als die Oscars?
KONRAD: Die "Spirit Awards" am Strand von Santa Monica, eine Woche vor den Oscars. Dort sind die Stars zum Anfassen nah. Da spazieren Nicole Kidman, Natalie Portman oder James Franco an einem vorbei. Immer mehr Stars besuchen die "Spirit Awards", die nicht so steif sind wie die Oscars.
Sie sind in Schiefling bei Bad St. Leonhard aufgewachsen. Wie oft sind Sie in Ihrer alten Heimat?
KONRAD: Zu Weihnachten, Ostern und im Sommer. Ich fahre gerne her, aber auch gerne wieder weg.
Was vermissen Sie am Tal?
KONRAD: Die Kärntnernudeln von Mama und die Ruhe in Schiefling.
Sie haben einen prominenten Namensvetter: Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad.
KONRAD: Er lud mich aufgrund der Namensgleichheit mal zum Essen ein. Es ist spannend, mit jemandem zu reden, der so viel Macht hat.
Ihre Liebe gilt eigentlich der Musik. Sie haben Gitarre studiert . . .
KONRAD: Ich wollte immer Musiker werden, doch als klassischer Gitarrist kann man schwer von Musik leben und unterrichten wollte ich nie. Der Film war nach der Musik meine zweite große Leidenschaft.
Features
FAKTEN
Name. Christian Konrad
Geboren. 2. Mai 1968
Aufgewachsen. In Schiefling bei Bad St. Leonhard
Wohnort. Wien
Familienstand. In einer Lebensgemeinschaft, Vater von vier Kindern: Lilli (8), Max (6), Paul (4) und Mara (geboren am 12. Juli 2011)
Hobbys. Tischtennisspielen
WORD-RAP
Verzichten könnte ich niemals . . . auf gute Filme und gute Musik.
Diese Stars würde ich gern treffen . . . Regisseur Jean-Luc Godard und Schauspieler Sean Penn.
Eines der größten Talente im Filmgeschäft ist . . . Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor und Produzent James Franco.
Ein österreichischer Schauspieler, der sich einen Oscar verdient hätte, wäre . . . Josef Hader.
Meine Filmempfehlung lautet . . . "The Tree of Life" von Regisseur Terrence Malick, der in Cannes gewonnen hat.








