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Zuletzt aktualisiert: 28.08.2010 um 20:29 UhrKommentare

"Hatte schon als Kind nur Fußball im Kopf"

Vom Nebenerwerbsbauern zum Erfolgsunternehmer: WAC/St. Andrä-Präsident Dietmar Riegler (44) über Fußball-Euphorie, Neider und Pläne.

Foto © Forstner

Über 2000 Fans verfolgen regelmäßig die Heimspiele des WAC/St. Andrä in der Lavanttal-Arena. Sind Sie mit dem Ansturm zufrieden?

DIETMAR RIEGLER: Ich hätte nie gedacht, dass es in Wolfsberg jemals so eine Euphorie geben wird. Beim jüngsten Heimspiel war die Freude über das fantastische Publikum größer als der Ärger über die Niederlage.

Sie sponsern nicht nur den WAC/St. Andrä großzügig, ohne Ihren Kostenanteil von 1,5 Millionen Euro wäre der Umbau des Wolfsberger Stadions wohl nicht möglich gewesen.

RIEGLER: In dieser Form wäre er nicht möglich gewesen. Ich bin froh, dass wir den VIP-Club gebaut haben. So eine Location hat Wolfsberg gebraucht, nirgendwo sonst haben 100 Leute um eine Theke Platz. Die Auslastung gibt uns Recht. Allein im Dezember haben wir 20 Weihnachtsfeiern.

Was ist noch geplant?

RIEGLER: Wir brauchen noch Fußball-Trainingsplätze in Stadionnähe. Auf der Koralpe ist außerdem ein Höhentrainingslager geplant. Und wenn der Fan-Zuspruch im Stadion so bleibt, wird die Stehplatz-Tribüne im Winter ausgebaut und überdacht.

Sind Frau und Kinder auch fußballbegeistert?

RIEGLER: Meine Frau Waltraud wohl mehr als ich. Wir haben uns sogar am Fußballplatz kennengelernt. Unser Sohn Jakob (12) spielt beim WAC und Johanna (6) will Fußballerin werden.

Sie haben früher selbst Fußball gespielt. Wie lange?

RIEGLER: Schon als Kind hatte ich nur Fußball im Kopf. Erst war ich Stürmer beim SV Bad St. Leonhard, später beim WAC und ATSV. Mit 27 habe ich aus Zeitgründen aufgehört.

War irgendwann mehr Zeit?

RIEGLER: Mit 30 fing ich wieder an, aber deshalb, weil mich bei einem Ausflug der St. Andräer Gilde zu späterer Stunde der Obmann dazu überredet hat. Mit 34 habe ich die Fußballschuhe dann endgültig an den Nagel gehängt.

Spielen Sie jetzt gar nicht mehr?

RIEGLER: Doch, bei den Altherren in St. Andrä und mit Jakob auf dem Fußballplatz vor unserem Haus.

Bis vor vier Jahren haben Sie auf einem Bauerhof auf der Vorderwölch gelebt. Mittlerweile wohnen Sie in einem Luxus-Haus in Gries.

RIEGLER: Ursprünglich komme ich aus Bad St. Leonhard, mit 23 zogen wir mit den Eltern auf den Bauernhof. Mein Bruder war als Nachfolger des Werks in Bad St. Leonhard vorgesehen, ich als Nebenerwerbsbauer. Nachdem ich beruflich zu eingespannt war, wurde die Landwirtschaft verpachtet. Vielleicht kehren wir in der Pension auf den Hof zurück.

Mit Partner Otto Zechmeister sind Sie Chef der RZ-Firmengruppe mit 200 Mitarbeitern. Sie sind erfolgreich unterwegs, wie haben Sie es so weit geschafft?

RIEGLER: Mit viel Arbeit und Hausverstand. 1989 fing ich bei der Firma Urbas in Völkermarkt an. Ich wollte etwas finden, das auf dem Markt ankommt. Letztendlich waren das Komponenten für Heizanlagen, die andere nicht hatten. 1995 machten wir uns selbstständig und projektieren und planen Biomasseanlagen. Nebenbei betreiben wir elf Heizkraftwerke, ein weiteres Hauptstandbein ist die Pelletsproduktion. Wir produzieren 200.000 Tonnen pro Jahr.

Klingt nicht nach viel Freizeit.

RIEGLER: Habe ich auch nicht. Anfangs hatte ich gar keine. Ich war jeden Tag von in der Früh bis Mitternacht im Büro. Bis unser erstes Kind unterwegs war, war ich fast nie daheim.

Wer Erfolg hat, hat bestimmt auch Neider.

RIEGLER: Davon gibt es genug. Man lernt mit der Zeit, damit umzugehen. Wir bekommen auch anonyme Briefe mit Gehässigkeiten nach Hause. Mittlerweile landen sie ungeöffnet im Papierkorb.

Hat man nicht auch plötzlich viele "Freunde"?

RIEGLER: Ich kann gut abschätzen, wer es ehrlich meint und wer nicht. Mich ruft laufend jemand an, der etwas will. Es allen recht machen zu wollen, ist eine Schwäche von mir. Mittlerweile kann ich auch Nein sagen.

Das Unangenehme zum Schluss: Im Sommer saßen Sie mit dem WAC-Obmann auf der Anklagebank, weil Sie Löhne an Berufsspieler mit ihrem Privatgeld am Finanzamt vorbei ausbezahlt haben. Obmann und Verein haben die Strafe - insgesamt 120.000 Euro - angenommen. Sie haben gegen Ihre Strafe berufen?

RIEGLER: Ja, die Berufung läuft noch. An meiner Person wurde ein Exempel statuiert. Diese Art der Bezahlung ist im Fußball gang und gäbe. Ich habe berufen, weil meine Strafe von 100.000 Euro unverhältnismäßig hoch ist. Immerhin wurde von uns bereits vor der Gerichtsverhandlung Schadenswiedergutmachung geleistet. Ich möchte nicht dokumentieren, wie Spieler bei anderen Vereinen, die in höheren Klassen spielen, ausbezahlt werden.

INTERVIEW: BETTINA FRIEDL

Zur Person

Name. Dietmar Riegler

Geburtsdatum. geboren am 25. April 1966, Sternzeichen Stier

Familienstand. seit 20 Jahren mit Waltraud verheiratet, zwei Kinder: Jakob (12), Johanna (6)

Wohnort. aufgewachsen in Bad St. Leonhard, mit 23 Jahren Umzug auf einen Bauernhof auf der Vorderwölch bei Wolfsberg, seit vier Jahren lebt Riegler mit Frau und Kindern in einem Luxushaus in Gries

Karriere. Gesellschafter und Geschäftsführer der RZ-Firmengruppe

Sport. Präsident beim Erste-Liga-Verein WAC/St. Andrä

Audio

Kleine Zeitung Wortspiel mit Unternehmer und WAC/St. Andrä-Präsident Dietmar Riegler

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