Der Ritt auf der Kanone
Das Kettenkarussell der Familie Pötscher wurde Ende der 1940er-Jahre aus einem Kanonenrohr gebaut. Es ist das älteste aktive Gefährt auf dem St. Veiter Wiesenmarkt. Von Christiane Canori.

Foto © Kleie Zeitung/Helmuth Weichselbraun
Achtung, bücken! Hier können schon einmal Schuhe durch die Luft fliegen. Seit Ende der 1940er-Jahre ist das Kettenkarussell fixer Bestandteil des St. Veiter Wiesenmarktes - und somit das älteste Fahrgeschäft auf der Wiesn.
Auch heuer wieder, beim 651. Wiesenmarkt, lockt das alte Karussell kleine und große Gäste an. "Es wird nach wie vor gut angenommen. Viele Erwachsene fahren damit, weil sie eben schon in ihrer Kindheit mit diesem Karussell gefahren sind. Ich fahre selbst auch immer wieder gerne damit", sagt Monika Pötscher, die gemeinsam mit ihrer Schwester Silvia das Familienunternehmen seit fast 20 Jahren leitet. Das Kettenkarussell war eines der ersten Fahrgeschäfte ihres Vaters, der im Juli dieses Jahres 86-jährig verstorben ist. Hubert Pötscher, von vielen auch "Ringlspül-Hubert" genannt, gründete den Betrieb im Jahr 1947. Das Karussell baute er gemeinsam mit einem befreundeten Schmied - und zwar aus Waffenmaterial. So besteht der Mittelteil des Pötscher-Karussells aus einem Kanonenrohr. Monika Pötscher: "Ich nehme an, dieses stammt aus dem Zweiten Weltkrieg."
Besondere Pflege
Heutzutage läuft das Karussell elektrisch. Früher einmal wurde es mittels eines sogenannten Wasseranlassers betrieben. "Wegen der Sicherheitsauflagen mussten wir immer wieder Sachen erneuern", sagt Pötscher. So musste unter anderem die alte Holztreppe weichen. Geblieben sind die Bilder. Windmühlen, Boote, Engerl - sie zieren das alte Karussell. "Ein Bekannter unseres Vaters hat diese Ölbilder auf Leinen gemalt", sagt Pötscher. Die Bilder brauchen besondere Pflege und werden regelmäßig mit einem speziellen Öl behandelt. Denn das alte Gefährt hat einen hohen persönlichen Wert für die beiden Pötscher-Schwestern. Daher kommt es nur mehr dreimal im Jahr zum Einsatz - in Bleiburg, Globasnitz und eben in St. Veit. Früher einmal sei ihr Vater bis nach Kroatien und Bosnien damit gefahren, erinnert sich Tochter Monika. Ein Höhepunkt sei auch immer der Karneval in Rijeka gewesen. "Jetzt wollen wir aber, dass das Karussell so wenig wie möglich Regen und Sonne ausgesetzt ist", sagt Pötscher.
Nach dem Wiesenmarkt wieder abgebaut wird es nur, wenn es ganz trocken ist. Sollte es zur Wiesn-Zeit regnen, dann kann es schon sein, dass das alte Karussell noch ein, zwei Wochen danach auf dem sonst leeren Gelände steht - um zu trocknen. Pötscher: "Die Leute munkeln dann schon einmal, dass die Pötschers scheinbar die Standgebühr nicht bezahlt haben."














