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Zuletzt aktualisiert: 19.10.2007 um 22:59 Uhr

Ärzte üben, wie man Kinder rettet

Warum stechen dutzende Ärzte in ein totes Ferkel? Weil es das Leben von verunglückten Kindern retten kann. Kindernotfalltage in St. Veit.

Die Schweineaktion ist wohl der skurrilste Tagesordnungspunkt bei den Kinder-Notfalltagen in St. Veit, die am Samstag zu Ende gehen. Doch Organisator Martin Edlinger kann alles erklären: "Wenn ein Kind bei einem Unfall ein Brustkorb-Trauma hat, benötigt es Entlastung; man muss den Thorax anstechen und die Luft herauslassen. Das üben wir an geschlachteten Schweinen, weil sich das ähnlich anfühlt wie bei Menschen. Besser das erste Mal hier als auf der Straße. Nichts ist blöder, als wenn man was nicht kann und alle schauen zu." Die Tiere erfüllen übrigens noch einen zweiten guten Zweck: "Sie enden als Spanferkel."

Nervenflattern. Edlinger hat die Kinder- und Jugendnotfalltage entwickelt. Sie finden heuer zum neunten Mal statt und haben bisher 4500 Notfall- und Intensivmedizinern aus Südtirol, Deutschland, Österreich und der Schweiz geholfen. Dafür gibt es einen einfachen Grund, wie der Oberarzt der Kinderintensivstation des LKH Klagenfurt weiß: "Viele Ärzte haben Nervenflattern, wenn es um Kinder in Notsituationen geht."

Schnell kritisch. Kein Wunder, reagieren sie doch oft anders als Erwachsene: Wenn sie Blut verlieren, gleichen sie das lange gut aus, aber dann wird es sehr schnell sehr kritisch. Neugeborene, die nackt 21 Grad Temperatur ausgesetzt sind, erleben das wie Erwachsene bei null Grad nackt im Freien. Die kleinen Atemwege schwellen schneller zu. Kinder verschlucken alles Mögliche und Unmögliche. Edlinger: "Bei Kindern hat man oft kein Zeitfenster für Diagnose und Therapie. Dann muss alles sehr schnell gehen!"

Schwerpunkte. Die Schwerpunkte heuer: Behandlung von Konsumenten von Alkohol und Drogen (liegt bei uns weit überm EU-Durchschnitt) und Schnüffelopfern (das hat mit 15, 16 Jahren schon jeder Siebte einmal gemacht). Dann Meningokokken, die jährlich 120 Kinder in Österreich befallen und fünf bis sieben das Leben kosten. Für den relative neuen Typus C gibt es eine Impfung, die Edlinger empfiehlt. "Im deutsch-sprachigen Raum ist kein Kongress vergleichbar." Edlinger ist sicher: "Wer im Notfall von einem bei uns geschulten Arzt behandelt wird, hat eine 70 Prozent bessere Chance."

JOCHEN BENDELE

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