Von Königen, Herzögen und Fürsten
Goldene Fundgrube Zollfeld: Neben Kärntens erster Herzogburg holen Archäologen zurzeit die vermutlich älteste Kirche Österreichs ans Licht.
Die Bauweise der Burg zeigt viel Ähnlichkeit mit frühfränkischen Bauten, aber auch noch mit germanischen Burgen in Westdeutschland. Das bedeutet, dass solche Befestigungsbauten für das ganze erste Jahrtausend unserer Zeitrechnung denkbar sind", vermutete bereits der erste Karnburg-Ausgräber, Hans Schleif. Gemeinsam mit einer SS-Einheit hatte er sich 1939 zum Ziel gesetzt, "eines der wichtigsten und repräsentativsten Denkmäler der deutschen Geschichte Kärntens zu neuem fruchtbaren Leben zu erwecken".
"Falter".Dass ihm dies nur teilweise gelang, ist in erster Linie dem Ausbruch des Weltkrieges zuzuschreiben, der die Grabungen abrupt enden ließ. Danach fristeten die von der SS freigelegten Mauern ein eher unbeachtetes Dasein - bis ausgerechnet ein Artikel in der Wiener Stadtzeitung "Falter" die einstigen Ausgrabungen wieder ins Bewusstsein rief. Heimo Dolenz vom Kärntner Landesmuseum nahm den kritischen Beitrag über Deutschnationalismus in der heimischen Archäologie zum Anlass, um "sich die Sache noch einmal gründlich anzusehen" und stieß dabei auf unverhüllte Spuren der einstigen Grabungen.
"Spätkarolingisch-ottonische Zeit" An der Nordostrecke der Anlage fand er Gebäudereste und bis zu 2,5 Meter dicke Wehrmauern, deren erste Analysen eine Datierung in "spätkarolingisch-ottonische Zeit" nahe legten. Die Schlussfolgerung des Archäologen: "Es handelt sich hier offenbar um die Reste der ersten Kärntner Herzogburg, eine riesige Anlage, die mit namensgebenden Großburgen wie der Luxemburg oder Mecklenburg vergleichbar ist."
Schutz in Notzeiten. Mit Hilfe von rund 20 Suchschnitten hatten bereits die SS-Ausgräber den Umfang der Burg mit rund 35.000 Quadratmeter festlegen können. Innerhalb ihrer weitläufigen Mauern fand die Bevölkerung in Notzeiten Schutz, lagerte in Friedenszeiten das Gefolge der Herzöge, die im 10. und 11. Jahrhundert allerdings meist außerhalb der heutigen Landesgrenzen residierten.
Arnulfs Weihnachtsfest. Im Herzen der Anlage (im Bereich der heutigen Pfarrkirche) befand sich ein Palas, der bereits im Jahr 888 einen Vorläuferbau gehabt haben muss. Damals feierte der ostfränkische König Arnulf auf der Karnburg das Weihnachtsfest. Seine Pfalz wurde später zum Herzogssitz ausgebaut, der erst mit der Übersiedelung der Herzöge nach St. Veit seine Funktion verlor. Die letzte Erwähnung der Burg ("villa Charenpurch") datiert ins Jahr 1251.
Internationale Hilfe. "Wir sind bestrebt, mit naturwissenschaftlichen Methoden zu neuen Fakten zu kommen", umreißt Dolenz das vorrangige Ziel seiner Forschung, die sich auch internationaler Hilfe bedient, etwa der ETH Zürich. Besonders stolz ist der Ausgräber auf die Wiederentdeckung zweier Plastiken, die zehn Jahre lang unbeachtet auf einer Wiese unterhalb der Karnburger Kirche lagen. Die zwei Steine mit "einem Greif oder Adler in heraldischer Anordnung" gehörten einst zum Burgtor. Als wiederverwertete Römersteine dürften sie vermutlich aus Virunum herangeschafft worden sein, woher laut Dolenz "mit einiger Wahrscheinlichkeit" auch der Fürstenstein stammt.
Nebenschauplatz. Ein nicht minder interessanter Nebenschauplatz der aktuellen Grabungen befindet sich nahe dem Prunnerkreuz am Zollfeld. Dort wurde in den letzten Wochen eine bereits 1976 entdeckte Kirche freigelegt, in der Dolenz die einstige Bischofskirche von Virunum erkennt. Der rund 40 Meter lange Bau "könnte noch aus dem 4. Jahrhundert stammen", vermutet der Ausgräber, was bedeutet, dass es sich hierbei um die älteste erhaltene Kirche Österreichs handeln könnte. Endgültige Erkenntnisse sind von den weiteren Grabungen im kommenden Jahr zu erwarten.














