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    Zuletzt aktualisiert: 27.05.2012 um 05:10 UhrKommentare

    Neue Aufgaben locken Kärntner Priester weg

    Herausforderung für die katholische Kirche in Kärnten in Zeiten des Priestermangels: Ab September suchen fünf Priester (vorübergehend) neue Herausforderungen.

    Foto © Eder

    Wahrlich, leicht ist es nicht: In der Diözese werden derzeit die Personalpläne für das neue Arbeitsjahr erstellt, das mit 1. September beginnt. Priestermangel und Überalterung sind seit Jahren Fakten. Von den 255 Priestern (mit Altersdurchschnitt 63,7 Jahre, wobei 67 Pfarrer älter als 75 sind!) kommen bereits 65 aus dem Ausland, Tendenz steigend. So wie heuer gab es bereits in der Vergangenheit Jahre ohne Priesterweihen. Heuer kommen Herausforderungen in neuer Dimension dazu. Gleich fünf (junge) Priester werden sich - teils vorübergehend - neuen Aufgaben widmen. Was seit Jahrzehnten, seit Karl Heinz Frankl und Karl Woschitz, beide mittlerweile emeritiert, nicht mehr der Fall war: Zwei Priester werden habilitieren, können also maximal noch Aushilfsseelsorger sein. Zwei Pfarrer gehen 2013 für ein halbes Jahr als Militärseelsorger auf den Golan. Und ein junger Priester fällt teilweise aus, weil er vor einer neuen Aufgabe steht.

    "Natürlich, es wird immer schwerer, die Lücken zu schließen. Doch es geht uns nicht schlechter als anderen Diözesen im deutschsprachigen Raum", sagt Generalvikar Engelbert Guggenberger als Personal-Verantwortlicher. "Wir können noch alle Pfarrverbände besetzen", das heißt, ein Priester ist für maximal drei Pfarren zuständig, breit unterstützt von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern sowie dem Pfarrgemeinderat. Guggenberger hebt hervor, dass es Bischof Alois Schwarz und das Presbyterium auszeichne, dass sie Menschen für ihre Begabungen freigeben und fördern. Kritik, dass Personallöcher mit der zunehmenden Zahl an Ostpriestern gestopft werden, weist er zurück: "Auch heimische Priester ecken manchmal an."

    Dritter Seelsorgeeinsatz auf dem Golan

    P. Emanuel Longin war als Militärdekan von Kärnten schon zwei Mal bei den Truppen auf dem Golan (2003 ein Jahr lang, 2008 auf 2009 ein halbes Jahr lang). "Das ist eine seelsorgliche Aufgabensituation, wie wir sie zu Hause nicht mehr kennen. Es bringt neuen Elan." Der dritte, halbjährige Golan-Einsatz hätte heuer sein sollen, doch Aufgaben zu Hause verzögern diesen. Start ist nun im November 2013: Longin (57) unterscheidet zwischen wollen und müssen. Militärpfarrer müssen, sofern physisch und psychisch fit, dorthin. Für die Militärpfarre Kärnten und seine Pfarre Karnburg müssen für die sechs Monate noch "Lösungen gebastelt werden".

    Bereit für neue Aufgabe

    Michael Kopp ist noch Pfarrer in Feistritz/Drau und Dechant von Spittal, hat aber bereits - erfolgreich - um Versetzung angesucht. Der Bruder von Kaplan Stefan Kopp will sich von einer kleineren Pfarre aus einer zusätzlichen Aufgabe widmen, die österreichweite Wochenendseminare beinhaltet. Im Sommer wird sich laut Generalvikar Engelbert Guggenberger entscheiden, ob Kopp Österreich-Beauftragter von Marriage Encounter (Begegnung in der Ehe) wird. Die weltweite Gemeinschaft hat das Ziel, die Beziehung in den Mittelpunkt zu stellen.

    Von Wolfsberg nach München

    Stefan Kopp (27), Kaplan in Wolfsberg, bricht mit 1. September nach München auf. An der Ludwig-Maximilians-Universität will er in mehrjähriger wissenschaftlicher Arbeit habilitieren. Teil des Kärntner Klerus bleibt der Liturgie-Experte, wenngleich nur noch Aushilfsdienste möglich sind. Bischof Alois Schwarz steht voll hinter dem Weg des Jungpriesters: "Bei meiner Priesterweihe 2010 hat er mir gesagt, ich soll mir die wissenschaftliche Perspektive offenhalten. Kopp: "Ich will auch mit diesem Weg junge Menschen für Kirche begeistern."

    Von Friesach nach Innsbruck

    Richard Pirker (37), Dechant und Pfarrer von Friesach ist schon "mitten drin im Abschiednehmen". Ab 1. September ist er in Innsbruck, um zu habilitieren. "Seelsorge und wissenschaftliche Arbeit, beides geht nicht", sagt er und ist dankbar, dass der Bischof ihn für mehrere Jahre vom Dienst freistellt. Zwischendurch wird auch er Aushilfsseelsorger in Kärnten sein. Ob er in Zukunft als Universitätsprofessor lehrt, "wird sich zeigen". Zur schwierigen Personalsituation in der Diözese sagt Pirker: "Wichtig ist hohe Qualität in der Priesterausbildung."

    Erster Golan-Einsatz

    Herbert Burgstaller (43), Dechant von Villach und Stadtpfarrer von St. Martin, ist seit 2001 Militärpfarrer der Miliz. Im zweiten Halbjahr 2013 hat er seinen ersten Golan-Einsatz; mit Dreifach-Intention: die Militärseelsorge, die längerfristige Betreuung und das Kennenlernen des Heiligen Landes. Seine Hauptverantwortung sieht Burgstaller aber in der Pfarre, die Militärseelsorge sei ein wichtiger Kategorialbereich: "Das personell dichte und tragfähige Netz in der Pfarre plus Kooperation machen meine halbjährige Absenz verantwortbar." Dem Bischof dankt er für die Freistellung. "Großzügig zu sein wird immer schwerer", spricht er die personelle Situation an.

    ANDREA BERGMANN

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