Buddhas Popstar im Land der Berge
Was den religiösen Popstar vom Dach der Welt, den XIV. Dalai Lama, von 17. bis 20. Mai wieder in die Bergwelt Kärntens treibt, zeigen Spuren zwischen Hüttenberg und Klagenfurt: Am Anfang stehen zwei Freunde.

Foto © KKDalai Lama
"Ein denkwürdiger Tag!" war für Heinrich Harrer der 17. Mai 1944. Dass dieser Tag, an dem er mit seinem Kollegen Peter Aufschnaiter auf der Passhöhe des Tsangschokla stand, sein Leben verändern würde, konnte er dennoch nicht ahnen.
68 Jahre später ist dieser Tag der Anfang einer langen Reise, die heute noch immer seine Heiligkeit, den XIV. Dalai Lama, mit Kärnten verbindet. Der Knappenberger Harrer schloss damals Freundschaft mit dem jungen Lama. Und diese Verbindung hält heute noch - sechs Jahre nach dem Tod des Bergsteigers und Abenteurers - so stark, dass es das religiöse Oberhaupt der Tibeter von 17. bis 20. Mai zum vierten Mal nach Kärnten zieht.
Ohne Harrer wäre der Friedensnobelpreisträger wohl nie in das Bergland Kärnten gekommen. Einen Grundstein für diese Verbindung legte auch Langzeit-Altbürgermeister Rudolf Schratter, damals Amtsleiter von Hüttenberg, als er im Herbst 1982 219 Exponate von Harrers Weltreisen von Liechtenstein nach Kärnten holte. Zehn kleine Räume waren der Grundstein des heutigen Heinrich-Harrer-Museums, das 1992 von Knappenberg nach Hüttenberg wechselte.
Kren vom Dalai Lama
Das Harrer-Museum gab auch den Anstoß, dass der Dalai Lama erstmals nach Kärnten kam. "Wir haben im Haus noch die letzten Putzarbeiten gemacht, als er schon seine Ansprache gehalten hat", erinnert sich Schratter an 1992. 2002 segnete der Dalai Lama den tibetischen Pilgerpfad Lingkor, der gegenüber des Harrer-Museums in den Berg gebaut wurde. Nach der Segnung lud Familie Harrer zum Essen in ihr Haus. "Es gab Tafelspitz, Krensauce und geröstete Erdäpfel. Als am Tisch die Schüssel mit der Krensauce leer war, stand der Dalai Lama auf, ging zum Koch, der nicht bemerkt hatte, dass diese fehlte, nahm ihm die Schüssel aus der Hand und gab jedem Gast einen Schöpfer auf den Teller", erinnert sich Schratter. Das Besondere an dem religiösen Führer ist wohl seine Natürlichkeit. "Er genoss es in einem familiären Rahmen mit seinem Freund Heinrich Harrer ganz ungezwungen auf tibetisch zu plaudern", sagt Schratter. Bei seinem letzten Besuch 2006 wurde der Dalai Lama nicht nur Ehrenbürger der Uni Klagenfurt, er legte auch den Grundstein für das Tibetzentrum. Die mit "Friede", "Hoffnung" und anderen Stichwörtern beschriebenen Steine verstauben heute im Keller des Gemeindeamtes und harren ihrer Verwendung.
Das Tibetzentrum wurde über die Jahre vom 65-Millionen-Projekt zur Farce und ist heute ein abgespecktes 8,5-Millionen-Euro-Jugendhaus-Projekt. Dennoch hat diese Idee dazu angeregt, das Institut für höhere tibetische Studien in Hüttenberg zu gründen. Am 31. Oktober 2008 wurde das Institut eröffnet, Geshe Tenzin Dhargye ist seitdem Geschäftsführer, und hält zum Dalai Lama Verbindung.
Diese besondere Verbindung, die Kärnten mit der tibetischen Kultur verbindet, will der Dalai Lama auch mit seinem bisher längsten Österreich-Besuch ausdrücken: Kärnten ist mit all den tibetischen Kulturgütern eine Ausnahme in der westlichen Welt.
Porträt. Lesen Sie am Sonntag in der "Kleinen Zeitung" das große Dalai-Lama-Porträt von Bruno Baumann
Features
Orte mit Buddhismus-Flair
Dreimal besuchte seine Heiligkeit, der XIV. Dalai Lama, Kärnten: Dabei hinterließ er Spuren in Klagenfurt, St. Veit (Übernachtung 2006), St. Georgen am Längsee (Übernachtung 1992), Knappenberg und in Hüttenberg. Den vierten Besuch erwartet das Land Kärnten ab 17. Mai.
Menschlich verbunden
Ohne die Freundschaft zwischen dem Dalai Lama und Heinrich Harrer hätte das religiöse Oberhaupt der Tibeter wohl nie Kärntner Boden betreten. Von 1982 an war es auch Rudolf Schratter, der viele Grundsteine für tibetische Kultur legte. Heute hält Geshe Tenzin Dhargye Tibets Fahne in Kärnten hoch.
Tibetischer Geist
Tibetische Kultur im christlichen Abendland ist selten: In Kärnten wird die tibetische Kultur vor allem im 1983 gegründeten Heinrich-Harrer-Museum (damals noch im Bergwerksmuseum), dem am 4. Juni 1994 eröffneten Pilgerpfad Lingkor in Hüttenberg und dem Institut für Höhere Tibetische Studien in Knappenberg sichtbar.













