Größte Kirche vor Verkauf
Prior Fulko Hilgefort hat die Dominikanerkirche in Friesach einfach zugesperrt. Bleibt sie für immer zu? Der Verkauf steht an.

Foto © Willfried Gredler-OxenbauerKloster und Kirche Friesach
Schlichtweg baff sind derzeit Einheimische wie Touristen. Letztere kamen am vergangenen Wochenende mit Bussen nach Friesach. Eines ihrer Ziele: die Dominikanerkirche. Doch diese hat der Prior des Dominikanerkonvents Fulko Hilgefort (76) einfach zugesperrt. Am Portal der Kirche, die mit 74 Meter Länge die größte in Kärnten ist, hängt ein Zettel: "Wegen einer unklaren rechtlichen Situation bleibt die Dominikanerkirche vorläufig geschlossen." Unterschrieben hat der Prior persönlich. Er war am Mittwoch für die Kleine Zeitung nicht erreichbar.
In Friesach wird gemutmaßt, dass persönliche Spannungen zwischen dem Prior und dem Orden mit Sitz in Augsburg in Deutschland der Grund für die versperrte Kirchentür sind. Für Bürgermeister Josef Kronlechner (SPÖ) "ist das eine absolut unbefriedigende Sache. Denn die Touristen kommen auch wegen der Kirche.". Die Gemeinde hat sich bereits schriftlich an den Sitz des Ordens gewandt. Immerhin geht es auch um das Kinderprogramm mit Kirchenbesichtigung im Rahmen der Schullandwochen.
Unabhängig vom aktuellen Problemfall könnten Kirche und Kloster künftig überhaupt geschlossen bleiben. Der Ökonom des Ordens wird in den nächsten Wochen Diözesanbischof Alois Schwarz besuchen. Dabei geht es um Grundsätzliches. Seit Jahren steht fest, dass die letzten beiden Dominikaner Friesach verlassen und die Kirche wie das Kloster dann zum Verkauf anstehen. Prior Fulko Hilgefort hat schon im Sommer 2010 deponiert, dass er sich 2012 aus der Klosterverwaltung zurückziehen und nur noch die Kirche am Gaisberg betreuen wolle. Schon damals verwies er gegenüber der Kleinen Zeitung auf einen Beschluss des Provinzialkonzils aus dem Jahr 2006 für den Verkauf. Zwei Ordensleute, das sei zu wenig, hieß es. Zu Zeiten der Hochblüte wirkten 100 in Friesach!
Vonseiten der Diözese gibt man sich völlig offen. "Der Orden muss uns erst einmal erklären, was er vorhat. Es geht um Waldflächen, die aber für den Gebäudeerhalt zu klein sind, um Liegenschaften, das Kloster, die Kirche. Wir haben grundsätzlich deponiert, dass die Diözese Interesse zeigt. Vereinbart wurde, dass der Orden bei einem Verkauf als Erstes zu uns kommt", betont Bischof Schwarz gegenüber der Kleinen Zeitung.
Ob Orden, Bistum oder Diözese: Gekauft und verkauft wurden im kirchlichen Bereich in den letzten Jahren einige "Goldstücke" - siehe Überblick. "Ein Ausverkauf droht aber sicher nicht", beruhigt der Ökonom der Diözese, Franz Lamprecht.
Gekauft
Kloster Gurk
Im Jänner 2008 kaufte die Diözese alle Gebäude und Liegenschaften des Klosters Gurk vom Salvatorianerorden, der Gurk verließ und seit dem Jahr 1932 Besitzer war. Kaufpreis: 1,48 Millionen Euro. In Gurk, der Wiege der Diözese, wird nun das Diözesanmuseum neben dem Gymnasium für Belebung sorgen.
Verkauft
Schloss Rosenbichl
Erst diesen März wurde Schloss Rosenbichl in Pulst vom Elisabethinen-Orden an den langjährigen Pächter und Biobauer Hubert Pirmann verkauft. Nur noch zwei Ordensschwestern sind in Rosenbichl. Kaufpreis: Rund fünf Millionen Euro. Die verwendet der Orden für Spitals-, Vorsorge- und Wohnprojekte.
Kloster Harbach
Ende 2001 war die Überraschung groß: Der katholische Orden "Schwestern vom Guten Hirten" zog nach über 100 Jahren aus dem Kloster Harbach (mit Klosterkirche) mit fünf Hektar großem Areal im Osten Klagenfurts weg. Verkauft wurde an die Evangelische Stiftung de La Tour. Jetzt hat die evangelische Diakonie ihren Verwaltungssitz in Harbach.
Schloss Pöckstein
Es war der Knaller im Jahr 2007, als das Bistum das klassizistische Schloss Pöckstein in Zwischenwässern, ehemals bischöfliche Residenz, aber lange ungenützt, an den Privaten Dante Buzzi verkaufte. Der ist mittlerweile in Konkurs geschlittert. Kolportierter Preis 2007: 1,68 Millionen Euro. Geld davon soll für den Kauf von Gurk verwendet worden sein.
Features
Kloster und Kirche Friesach
In den Glanzzeiten waren bis zu 100 Dominikaner hier. 1217 gegründet, ist das Dominikanerkloster in Friesach das älteste im deutschsprachigen Raum. Die Klosterkirche wurde 1300 geweiht. Jetzt sind nur noch zwei Patres dort, Kloster und Kirche sollen verkauft werden. Erster Gesprächspartner ist Bischof Alois Schwarz für die Diözese. Seit Tagen aber ist die Kirche bereits gesperrt.














