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Zuletzt aktualisiert: 10.03.2012 um 20:17 UhrKommentare

Ein "himmlisches" Kaffeekränzchen

In Gurk lebt der alte Brauch der "Hauslehren" wieder auf. Stiftspfarrer Gerhard-Christoph Kalidz besucht in der Fastenzeit Menschen zu Hause.

Stiftspfarrer Gerhard-Christoph Kalidz

Foto © EggenbergerStiftspfarrer Gerhard-Christoph Kalidz

Für viele Menschen ist die Fastenzeit eine Zeit der Reinigung, in der Körper und Geist wieder zum Einklang gebracht werden sollen. Aber sie kann auch zum Dialog genützt werden. Der alte Brauch der "Hauslehren", der in Gurk wieder auflebt, greift dies auf.

"Der Brauch kommt aus den Volksmissionen und gibt die Gelegenheit zum Kennenlernen und Diskutieren", sagt Gerhard-Christoph Kalidz, Stiftspfarrer in Gurk. So trafen einander früher schon Menschen in bestimmten Runden in der Zeit vor Ostern, um sich auszutauschen - es gab Gruppen für Kinder und Jugendliche, für Frauen, für Männer, aber auch spezielle Gesprächsrunden waren dabei, etwa jene nur für Feuerwehrmänner.

Seit vier Jahren wird dieser Brauch im Gurktal wieder von Kalidz gepflegt. "Im Rosental habe ich damit begonnen, dies wieder zu beleben. Hier führe ich es weiter", sagt der Stiftspfarrer. Unter den "Hauslehren" versteht man die Diskussion über Sorgen, Ängste und Anliegen verbunden mit dem Kennenlernen in Runden, in die nur Nachbarn eingeladen werden. Das funktioniert folgendermaßen: In der Fastenzeit, aber auch im Advent, werden die Nachbarn gezielt an einem bestimmten Termin eingeladen. Dann kommt der Pfarrer, der zuvor ebenfalls eingeladen wurde, hinzu.

In diesen Gesprächsrunden werden dann verschiedene Themen, sowohl aus der Kirche als auch aus dem Alltag, angesprochen. "Diese reichen von den heißen Eisen der Kirche, über Alltägliches, bis hin zum Thema Tod", sagt Kalidz. So abwechslungsreich die Themen sind, so sind es auch die jeweiligen Runden. Von Bauern, bis hin zu Arbeitern, Angestellten und Studierten sind heute alle Bevölkerungsgruppen vertreten.

Hemmschwelle fällt weg

Beliebte Themen der vergangenen Jahre waren die Kirchensteuer, Reformen in der Kirche oder die aufgetretenen Missbrauchsfälle. "Es entwickelt sich oft eine interessante Unterhaltung", sagt Kalidz. Er bemerkt, dass dadurch auch die Berührungsängste zur Kirche wegfallen. So haben heute viele Menschen laut Kalidz noch eine Hemmschwelle, direkt ins Pfarrhaus zu kommen. Für ihn selber ist es die Gelegenheit, Menschen näher kennenzulernen, ihre Sorgen und Gedanken zu erfahren.

In den vergangenen vier Jahren sind die Termine zum "Hauslehren" schwankend. Alles läuft über Mundpropaganda. Kalidz: "Der Nachbar macht das und erzählt es weiter. So kommt im nächsten Jahr der andere Nachbar dazu." Wer noch Interesse hat, kann sich direkt in der Pfarre Gurk melden.

THOMAS WURZINGER

Die "Hauslehren"

Brauch. "Hauslehren" werden in der Advents- und Fastenzeit durchgeführt. Nachbarn und Pfarrer werden eingeladen, über alle möglichen Themen zu diskutieren, ihre Sorgen zu teilen und einander näher kennenzulernen.

Kontakt. Unter der Telefonnummer 0664-181 75 24 können in der Pfarre Gurk Termine mit Stiftspfarrer Gerhard-Christoph Kalidz ausgemacht werden.

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